Der wahre Jakob: illustrierte Zeitschrift für Satire, Humor und Unterhaltung — 17.1900

Seite: 3306
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^ Neu-Hnnnischer Lchlclchtgescrng.

hipp hipp, hurrah!
hipp hipp, hurrah!

Die Geißeln Gottes sind wieder da.

Und waren die alten Barbaren nur,
wir sind beleckt von der Lhristenkultur.

Und fochten die alten mit Pfeil und mit Speer,
wir Kämpfen mit Blei und tobten noch mehr,
wir thürmen zu Bergen die Leichen hoch an,
wie weiland Etzel und Dfchengis-Lhan.

hipp hipp, hurrah!
hipp hipp, hurrah!

Die Geißeln Gottes sind wieder da.
wir sind die Hunnen der neuen Seit,

Zur Fahrt gen Osten sind wir bereit.

Nun weh dir, bezopftes Lhinefengezücht,
wir halten ein hunnisch-germanisch Gericht.

Nun Weh dir, schlitzäugiger himnielsfohn,
wir kennen nicht Gnade und keinen Pardon.

hipp hipp, hurrah!
hipp hipp, hurrah!

Die Geißeln Gottes sind wieder da.
wir schonen nicht Weib und nicht Uind und nicht Greis,
Und wo wir getreten, blüht nimmer der Ueis.
wir löschen der Hütten verzehrende Gluth
Mt quellenden Strömen von Menschenblut,

Bis von Pekings Mauern hochragendem Rand
Das Lhristenbanner erst flattert ins Land.

hipp hipp, hurrah!
hipp hipp, hurrah!

Die Geißeln Gottes sind wieder da.
wir bringen die christlich-deutsche Uultur,

Und ninimer verlischt unsre blutige Spur.

Und hurrah, zum Uamps denn und keinen Pardon,
Daß des Ostens bezopfter, schlitzäugiger Sohn
Mag sagen und Klagen in Ewigkeit
von den Deutschen, den Hunnen der neuen Zeit.

Inhalt der Unterhaltungs-Beilage.

Blitzdrahtmeldungen. — Der Militarismus ist Trumpf!
(2 Illustrationen.) — Chinesenschlacht. Von Tarub. — Das
Konzert der Verteidiger der Zivilisation in China. (Illu-
stration.) — Die Hamburger Aussperrung. — Deutscher
Jahrmarkt. — Alexander von Serbien. — Waldmanderung.

— Edelsäule. (Mit Zierleiste.) — Die Puppenschneiderin.
(Jllustrirt.) — Gedankenbalken. — Aus einer großen Stadt.

— Der Delinquent. Von E. Rosenow. (Jllustrirt.) — Drei
sonderbare Heilige. (Illustration.)

ver Kultur eine Kasse.

welche Zeit ist’s, die wir leben!!

Ist’s die Zeit der Tollerknechte,

Die der erzgescbienteit Würger,

Die der todten Menschenrechte!!?

Nennt noch einmal mir da; Wort,

Nennt die Jahreszahl --:

Oeffnet der Kultur den weg
Gin für alle Mal.

Kein Pardon! gefangene mordet!

Stechet nieder, was Ihr findet!

Dass das webgebeul dem Kimmei
eure jnimachts=0rösse kündet!

Kinder spiesst aufs Bajonett!

Bindet Weiber an den Pfahl-:

Oeffnet der Kultur den weg
ein für alle Mal.

will ein greis die schwachen Bände
gnadenflehend zu euch strecken,

Schlagt ihn todt den gelben Satan! —
Alles gelbe muss verrecken!!

Würget drum zu Deutschlands ehr’!

Brennt und schindet ohne Wahl-:

Oeffnet der Kultur den Weg
ein für alle Mal.

Sieh im Spiegel dieses Wortes,

Seist der Zeiten, Deine Tratze ü
Doch auch Du wirst einst Dich schämen
Deiner blutig gieren Catze —

Wenn der Weckruf einst erdröhnt

lieber Berg und Chal-:

Oeffnet der Kultur den Weg
ein für alle Mal! kuu*.

Der chinesische Kuchen.

Sie schnitten lustig drauf los
Und dachten, jeder könne vom Rüchen
Lin Stück sich nehmen, tellergroß
Und brauchte nicht lang zu versuchen:
Ja Rüchen!

Run steht die schön blamirte Truppe
vor einer breiten — Netzelsuppe!

Bischof Anzer.

So sprach vor Jahren Bischof Anzer:

O Deutschland, sei nur nicht zu flau!

Du brauchst sechs, sieben neue Panzer
Zum Schulze für dein Mautschau.

Bald zogen hin dir ersten Pflanzer,

Und ivehke auch die Luft recht rauh,

So lröflrke der Bischof Anzer:

Nur keine Angst oür dem Wau-man!

Heul' sagt derselbe Bischof Anzer:

Die Boxer morden drum en müsse,

Weil ihr die Faust (dir mit dem Panzer)
Legt an ihr friedliches Gelatz!

Ja — daher einzig rührt ihr ganzer
Ingrimm, ihr bodenloser Hatz:

O sagt, verdient nicht einen Kranz er
Von Lorbeerblättern — oder was? m. e.

Tod den Chinesen!

Von Bonifaz Huatschkopp.

Die Chinesen sind eine ganz miserable Nation,
die ohne jede amtlich nachweisbare Berechtigung
die Landkarte von Asien verunziert. Sie tragen
heuchlerisch Zöpfe, um uns glauben zu machen,
sie seien Anhänger der preußischen Bureaukratie,
und dabei lassen sie sich nicht einmal von unseren
Diplomaten komniandiren und vergreifen sich
sogar an unseren Gesandten! Sie bilden sich in
ihrer Dummheit ein, weil in Deutschland manch-
mal Volksvertreter ins Gefängniß gesperrt werden,
seien auch die Personen der Negicrungsvcrtreter
nicht unantastbar. Die Chinesen haben kein
Christenthum, ja selbst das Eigenthnm achten sie
nicht, sie tasten das Heiligste an: sie vernichten
die Dividende, denn sie zerstören Eisenbahnen,
welche europäische Aktionäre im Schweiße ihres
Angesichts bauen ließen, um China zu beglücken
und nutzbringende Börsenpapiere zu schaffen. Die
Chinesen verhalten sich feindselig gegen unsere
Missionäre und weisen sie aus! Dadurch allein
schon kennzeichnen sie sich als Barbaren, denn
in einein Kulturstaate ist die kleinliche und
gewaltthätige Maßregel der Ausiveisung un-
bekannt.

Die Chinesen sind auch ein halsstarriges und
undankbares Volk. Sie wissen die Ehre nicht
zu würdigen, die wir ihnen durch die Pachtung
von Kiautschan erwiesen haben. Sie haben die
närrische Idee, in ihrem eigenen Lande die Herren
sein zu wollen, sie möchten uns wohl gar Kiautschau
wieder wegnehmen. Durch diese Gelüste beweisen
sie, daß sie trotz ihrer tausendjährigen sogenannten
Kultur gar keine Geschichtskcnntnisse besitzen;
denn sie mußten sonst wissen, daß die Preußen
niemals etwas wieder herausgeben, was sie „ge-
pachtet" haben.

Kurz, die Chinesen sind eine Nation, mit der
wir nicht auskommen können und die folglich
keine Existenzberechtigung hat. Darum der
Schlachtruf: „Tod den Chinesen!"
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