Ahrens, Beatrix [Hrsg.]; Seiter, Josef [Hrsg.]
Pfarrkirche St. Blasius, Wyhl am Kaiserstuhl — Wyhl, [2008]

Seite: 28
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C. Ideengeschichte

I. St. Blasius und seine kirchlichen Auftraggeber

Das Programm von St. Blasius ist Ausdruck personenbezogener Ideen. Wahrscheinlich entstand das Fresko
des heiligen Augustinus im Auftrag der AUGUSTINER-CHORHERREN aus St. Margen unter der damaligen
Aufsicht von Petrus Glunk. Im Chor der Kirche, dem Klerus und der Dreifaltigkeit nahe, kam dem
Ordensgründer ein besonderer Platz zu.

Ebenso exponiert dargestellt wie der heilige Augustinus ist der heilige Johannes vom Kreuz. Erst 1726 zum
Kirchenlehrer ernannt, hatte sich die kultische Verehrung des Heiligen ab diesem Zeitpunkt nochmals
verstärkt, was sicherlich seine Darstellung in Wyhl erklärt. Zwar gab es in der unmittelbaren Umgebung vom
Kaiserstuhl kein Kloster der KARMELITER, im angrenzenden Bistum Worms kam es jedoch 1701 in
Heidelberg und I 736 in Mannheim zu zwei Klostergründungen. Die Anhänger des Karmels lebten zudem
auch vereinzelt oder in kleinen Gruppen in der näheren Umgebung, womöglich auch in der Nähe von Wyhl
am Kaiserstuhl.

Den Kreuzfahrern ist es zu verdanken, dass sich ein ganz anderer Kult und zwar der des heiligen Blasius im
Abendland verbreitete. Die Reliquien des Heiligen gelangten in die dalmatische Stadt Dubrovnik, wo Blasius
als 'Sveti Blasi1 Schirmherr wurde, aber auch in das heutige Süddeutschland: in das Württemberg!sehe Kloster
Rheinau und nach ST. BLASIEN im Schwarzwald. Es scheint sehr wahrscheinlich, dass die kleine
Prioratskirche St. Blasius in Wyhl am Kaiserstuhl ihre Blasiusreliquien von dem BENEDIKTINER-Kloster im
Schwarzwald erhalten hatte.

Der Hochaltar weist in seinem gemalten Programm vordergründig auf den Einfluss der JESUITEN hin. Sowohl
der Heilige Wandel, d.h. Familie, Kindheit und Erziehung, als auch das IHS mit Strahlenkranz sind
identifikatorische Themen der so genannten Societas Jesu. Die nächste Niederlassung von Jesuiten im
Umkreis der Blasius-Kirche gab es in Burkheim am Kaiserstuhl, von einem Einfluss der Jesuiten auf die
Pfarrgemeinde in Wyhl ist allerdings wenig bekannt. In der Tat wählten die Jesuiten den Heiligen Wandel
äußerst selten als Thema des Altarbildes (viel eher in Auszugbildern o. Ä), fehlte es doch zum einen an einem
Festtag der Heiligen Familie, zum anderen an eindeutigen Bild- und Textquellen. Das Thema erschien viel
häufiger in den Altarblättern der Kapuziner. Ob ein Kapuziner bei der Programmfindung in Wyhl
mitgearbeitet hat, ist allerdings fragwürdig. Dahingegen gab es sowohl in St. Märgen als auch in Wyhl eine
JESUS-MAR1A-JOSEPH-BRUDERSCHAFT, die das im Hauptblatt dargestellte Thema sicherlich beeinflusst
hat. Im Jahr I 734 kam es auf Antrag des damaligen Pfarrers zur Gründung einer solchen Bruderschaft, welche
sich auf die Unterstützung der Armen und Förderung im Erziehungs- und Schulwesen spezialisierte. Ein
zuletzt im Pfarrarchivin einer Truhe wiederentdecktes Dokumentzeugtvon derGründungder Wyhler Jesus-
Maria-Joseph Bruderschaft und deren Inkorporation durch die Endinger Sebastian- und Rosenkranz-
Bruderschaft im Jahr 1785.

Im Gegensatz zu den überregionalen Motiven des Hochaltars sind die Seitenaltäre in ihrem Programm auf
regionale Themen beschränkt und dadurch weitaus weniger komplex. Es scheint wahrscheinlich, dass die
Aufsatzblätter der Seitenaltäre von Stiftern aus den Nachbarorten finanziert wurden. Die Verehrung der
heiligen Gertrud stand mit dem kleinen Ort Wellingen und der dortigen Gertrudiskirche in enger Verbindung.
In Endingen gab es eine Sebastian-Bruderschaft, welche den Sebastian-Altar in der Endinger Pfarrkirche St.
Peter finanzierte. Die Verehrung der beiden Heiligen Nikolaus und Dionysius war dahingegen mit dem Ort
Wyhl verbunden. Zwei aus Lindenholzgeschnitzte Vorgänger-Figuren von um 1500, die sich lange Zeit in der
kleinen aus dem I 8. Jahrhundert stammenden Wyhler Ortskapelle befanden, sind heute im Heimatverein der
Gemeinde ausgestellt.

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