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Abhandlungen.
Der Taufstein von St. Nikolaus
zu Freiburg in der Schweiz und seine
Bildwerke.
(Mit 10 Abbildungen.)
aufsteine, bei
denen das
Becken von
einem Mittelständer
getragen
wird
und dabei
ringsum von Säulen umstellt ist, sind
in der romanischen Periode, besonders
in den Rheinlanden, ungemein
häufig zur Ausführung gelangt,1) in
der gothischen Periode hat sich das
Motiv dagegen nur geringer Beliebtheit
erfreut. Wo aber dazu gegriffen
worden ist, da ist die Aufgabe dann
auch gern in reicher, wenn nicht überreicher
Weise gelöst worden. Ein Beispiel
hierfür bietet der inschriftlich auf das Jahr
1453 datirteTaufstein des Strafsburger Münsters,
der in seinem Aufbau wie in seiner überfeinen
Detaillirung sich als ein in der Weise der überschwenglichen
Spätgothik gehaltenes Steinmetzkunststück
seines Meisters Jodocus Dotzinger
darstellt. Ein wahrhaft vornehmes und edles
Werk aber, ein Werk, an dem die Architektur
mit der Bildhauerkunst in glücklicher Weise
sich verbunden hat, besitzt die Collegiatkirche
St. Nikolaus, die Hauptpfarrkirche zu Freiburg
in der Schweiz.
Initiale aus dem dem Ende des XV. Jahrb.. an-
gehörigen, in Jahrg. I dieser Zeitschrift Sp. 17r> und
Jahrg. II, Sp. 343 besprochenen Werdener Missale.
!) Aufzählung von solchen bei Otte-Wernicke
»Handbuch der kirchlichen Kunslarchäologie« 5. Aufl.
I. Bd., (Leipzig 1883) S. 307. Ein in der Pfarrkirche
zu Geistingen a. d. Sieg befindlicher Taufstein dieser
Art ist von mir in dieser Zeitschrift, II. Jahrgang (1889)
Sp. 351 mitgetheilt worden.
Der Taufstein von St. Nikolaus ist in der
Litteratur nicht unbekannt; mehrmals ist er
besprochen und abgebildet worden. Aber die
Abbildungen sind entweder nicht zulänglich
genug, um den Taufstein in seiner eigen-
artigen Schönheit zur Geltung kommen
g^ zu lassen, oder wo eine gute Abbildung
gegeben ist, ist dies an wenig zugänglicher
Stelle geschehen. Die Bildwerke für sich
haben eine Wiedergabe überhaupt noch nicht
gefunden.2)
Die Gesammthöhe des auf einem achtseitigen
, zweistufigen Unterbau sich erhebenden,
in den Figuren 1 und 2 zur Darstellung gebrachten
Taufsteins beträgt 1,17 m. Er ist aus
dem blaugelblichen, bildsamen Sandsteine der
bei Freiburg belegenen Brüche3) und zwar, abgesehen
natürlich von den Pfosten, aus zwei
Blöcken hergestellt, deren Zusammenstofs die
Abbildungen gut erkennen lassen.
Die Grundfläche des Taufsteins bildet ein
aus zwei diagonal gegeneinander gelegten Quadraten
geformter Stern. Wie die Fig. 1 zeigt,
erhebt sich auf breiter quadratischer Grundlage
eine ziemlich steile abgestumpfte Pyramide, die
von einer zweiten Pyramide durchschnitten
wird; ihre obere Fortsetzung besteht in einem
Mittelgliede, das ebenfalls als eine abgestumpfte,
aber weniger steile Pyramide gestaltet ist.
Von der so entstehenden starken Einschnürung
aus, in der sich die Fuge der beiden Blöcke
befindet, vollzieht sich dann der Uebergang
2) Skizzenhafte Abbildung bei Rahn »Geschichte
der bildenden Künste in der Schweiz« (Zürich 1876)
S. 421, Fig. 141. Eine gute Wiedergabe in dem
Tafelwerke »Fribourg artistique a travers les ages«
(Jahrgang 189f> Fribourg, Planche I). Der zugehörige
kurze begleitende Text ist von Max de Techtermann,
einem bewährten Kenner der Freiburger Geschichte,
geschrieben. (In kleinem Malsstab darnach die Abbildung
wiederholt in »Die Katholische Kirche« Berlin,
IV. Abschnitt: „Die Schweiz" S. 84).
•1) Die Molasse, das Material dieser Brüche, findet
sich in einer zweifachen Schichtung vor. Während
die eine einen Stein liefert, der im bruchfeuchten
Zustande blau erscheint, zeigt die andere eine grünliche
Färbung. An der Luft erhalten aber beide Steinsorten
einen Stich in's Gelbliche. Der Stein des
Taufsteins gehört der blauen Sorte an.
Der Taufstein von St. Nikolaus
zu Freiburg in der Schweiz und seine
Bildwerke.
(Mit 10 Abbildungen.)
aufsteine, bei
denen das
Becken von
einem Mittelständer
getragen
wird
und dabei
ringsum von Säulen umstellt ist, sind
in der romanischen Periode, besonders
in den Rheinlanden, ungemein
häufig zur Ausführung gelangt,1) in
der gothischen Periode hat sich das
Motiv dagegen nur geringer Beliebtheit
erfreut. Wo aber dazu gegriffen
worden ist, da ist die Aufgabe dann
auch gern in reicher, wenn nicht überreicher
Weise gelöst worden. Ein Beispiel
hierfür bietet der inschriftlich auf das Jahr
1453 datirteTaufstein des Strafsburger Münsters,
der in seinem Aufbau wie in seiner überfeinen
Detaillirung sich als ein in der Weise der überschwenglichen
Spätgothik gehaltenes Steinmetzkunststück
seines Meisters Jodocus Dotzinger
darstellt. Ein wahrhaft vornehmes und edles
Werk aber, ein Werk, an dem die Architektur
mit der Bildhauerkunst in glücklicher Weise
sich verbunden hat, besitzt die Collegiatkirche
St. Nikolaus, die Hauptpfarrkirche zu Freiburg
in der Schweiz.
Initiale aus dem dem Ende des XV. Jahrb.. an-
gehörigen, in Jahrg. I dieser Zeitschrift Sp. 17r> und
Jahrg. II, Sp. 343 besprochenen Werdener Missale.
!) Aufzählung von solchen bei Otte-Wernicke
»Handbuch der kirchlichen Kunslarchäologie« 5. Aufl.
I. Bd., (Leipzig 1883) S. 307. Ein in der Pfarrkirche
zu Geistingen a. d. Sieg befindlicher Taufstein dieser
Art ist von mir in dieser Zeitschrift, II. Jahrgang (1889)
Sp. 351 mitgetheilt worden.
Der Taufstein von St. Nikolaus ist in der
Litteratur nicht unbekannt; mehrmals ist er
besprochen und abgebildet worden. Aber die
Abbildungen sind entweder nicht zulänglich
genug, um den Taufstein in seiner eigen-
artigen Schönheit zur Geltung kommen
g^ zu lassen, oder wo eine gute Abbildung
gegeben ist, ist dies an wenig zugänglicher
Stelle geschehen. Die Bildwerke für sich
haben eine Wiedergabe überhaupt noch nicht
gefunden.2)
Die Gesammthöhe des auf einem achtseitigen
, zweistufigen Unterbau sich erhebenden,
in den Figuren 1 und 2 zur Darstellung gebrachten
Taufsteins beträgt 1,17 m. Er ist aus
dem blaugelblichen, bildsamen Sandsteine der
bei Freiburg belegenen Brüche3) und zwar, abgesehen
natürlich von den Pfosten, aus zwei
Blöcken hergestellt, deren Zusammenstofs die
Abbildungen gut erkennen lassen.
Die Grundfläche des Taufsteins bildet ein
aus zwei diagonal gegeneinander gelegten Quadraten
geformter Stern. Wie die Fig. 1 zeigt,
erhebt sich auf breiter quadratischer Grundlage
eine ziemlich steile abgestumpfte Pyramide, die
von einer zweiten Pyramide durchschnitten
wird; ihre obere Fortsetzung besteht in einem
Mittelgliede, das ebenfalls als eine abgestumpfte,
aber weniger steile Pyramide gestaltet ist.
Von der so entstehenden starken Einschnürung
aus, in der sich die Fuge der beiden Blöcke
befindet, vollzieht sich dann der Uebergang
2) Skizzenhafte Abbildung bei Rahn »Geschichte
der bildenden Künste in der Schweiz« (Zürich 1876)
S. 421, Fig. 141. Eine gute Wiedergabe in dem
Tafelwerke »Fribourg artistique a travers les ages«
(Jahrgang 189f> Fribourg, Planche I). Der zugehörige
kurze begleitende Text ist von Max de Techtermann,
einem bewährten Kenner der Freiburger Geschichte,
geschrieben. (In kleinem Malsstab darnach die Abbildung
wiederholt in »Die Katholische Kirche« Berlin,
IV. Abschnitt: „Die Schweiz" S. 84).
•1) Die Molasse, das Material dieser Brüche, findet
sich in einer zweifachen Schichtung vor. Während
die eine einen Stein liefert, der im bruchfeuchten
Zustande blau erscheint, zeigt die andere eine grünliche
Färbung. An der Luft erhalten aber beide Steinsorten
einen Stich in's Gelbliche. Der Stein des
Taufsteins gehört der blauen Sorte an.
Persistente URL:
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