Zeitschrift für christliche Kunst — 19.1906

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1906. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 5.

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er durch die Werke der Kunst zu höherer Auf-
fassung des Lebens zu begeistern. Denn gegen
Ende des 19. Abschnittes des I. Teiles seines
Buches von der Malerei ist selbst zu lesen:
„Wir können wegen der Kunst Enkel Gottes
genannt werden." — Von der rein-technischen
Seite des Meisters Ölbilder betrachtet, gilt von
ihm, was auch von den anderen zu sagen ist:
was er wollte, konnte er!

Da nun die genannten Meister gleichsam
typisch für die anderen alle geworden sind,
so könnten wir uns bei van Eyck und Dürer
eigentlich auf wenige Hinweise beschränken,
wenn nicht durch eben diese Männer wesent-
lich neue, die Forschung nach der alten
Schulung begünstigende Momente in die Unter-
suchung getragen würden.

Um das Jahr 1456 schrieb Bartholomäus
Facius11) sein Buch „de Viris illustribus" und
sagt darin, daß Johann van Eyck von früher

") Man sehe dazu: „Über Hubert und Johann
van Eyck." Von Dr. Gustav Friedrich Waagen.
(Breslau 1822), S. 102 u. w. Ferner: „Johann van
Eyck und seine Nachfolger." Von Johanna Schopen
hauer. (Frankfurt am Main 1822) Bd. I, S. 20 u. w.

Jugend an eine treffliche Erziehung genossen
und daß seine hervorragenden geistigen Anlagen
auf das vielseitigste ausgebildet worden seien.
Er hebt dann rühmend seine große Kenntnis
in der Geometrie hervor, preist ihn wegen
seines fleißigen Studiums der Werke des Plinius
und anderer alter Schriftsteller, und berichtet
des weiteren, daß er in der Chemie auf der
Höhe seiner Zeit gestanden, und daß er in
der damals viel betriebenen Destillierkunst
reiche Erfahrungen besessen und auf allen
diesen Gebieten ein reger Forscher gewesen
und geblieben sei.12) Dieses Wenige umfaßt
für uns den Inhalt eines ganzen Werkes: die
Lehre der antiken Kunstschule und Künstler-
werkstätte, deren Traditionen nie ganz ver-
schwunden waren! (Forts, folgt.)
Düsseldorf. Franz Gerh. Cremer.

!2) Dies ersehen wir auch aus einer Bemerkung
von Carel van Mander, wo es in der Lebensbeschrei-
bung der Brüder Johann und Hubert van Eyck von
ersterem heißt: „Hy was oock een wijs geleert Man,
seer versierlijck, en vindigh in verscheyden dinghen
der Consten . . . ." — (Nach der Ausgabe von 1617
durch Hanns Floerke, München und Leipzig 1906, S. 24.)

Bücherschau.

Klassiker der Kunst in Gesamtausgaben.
Von denselben sind buchweise längst erschienen:
Raffael, Rembrandtl, Tizian, Dürer, Rubens, Velasquez,
Michelangelo, über die hier einzeln berichtet wurde.
— Sie werden, wie den Lesern bekannt, auch lieferungs-
weise ausgegeben, um Anschaffung und Gebrauch zu
erleichtern. — Die I. Serie (70 Lief, ä 50 Pf.)
soll die ersten fünf Meister umfassen, von denen
Raffael und Rubens in Lief. I — XXX bereits vorlagen,
nunmehr auch Rembrandt zu erscheinen begann,
um noch vor dem 16. Juli, als dem dreihundertsten Ge-
burtstage des Meisters, abgeschlossen zu werden. —Von
seinen 565 Gemälden (1627—1643) sind an 300
bereits wiedergegeben mit der Erläuterung, die der
verstorbene Adolf Rosenberg in der Einleitung ihnen
hat angedeihen lassen. Daß diese Reproduktion
des ganzen Gemäldeschatzes das Verständnis für den
großen Niederländer, der auch in Deutschland schon
lange und namentlich gegenwärtig im Vordergrunde
der Betrachtung und Wertschätzung steht, durchaus
zu fördern geeignet ist, bedarf keiner Versicherung.
Inhalt, Form, Preis des Werkes empfehlen dessen
Anschaffung. — Inzwischen ist rechtzeitig als „Klassiker
der Kunst" VIII. Band, Rembrandt II, erschii-nen;
Des Meisters Radierungen in 40 2 Abbil-
dungen, herausgegeben von Hans Wolfgang Singer
(Preis geb. Mk. 8); fast noch mehr geeignet, den
Meister zu kennzeichnen und in seiner ganzen Be-

deutung darzustellen. Die autotypische Wiedergabe
geht bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit, und
Singer nimmt es sehr ernst sowohl mit der Hervor-
hebung der Eigenschaften, in denen die Größe gerade
der Radierungen besteht, als mit der Markierung der
für ihre Echtheit maßgebenden Grundsätze. Aus
ihnen ergibt sich eine beschränkte Auswahl, die sich
auf 147 vom Verfasser als echt bezeichnete, auf 75
für zweifelhaft erklärte, auf 174 zurückgewiesene
Bhitter bezieht. —■ Gern folgt man dem Verfasser
in die kritischen Gänge seiner stellenweise gründ-
lichen Untersuchungen, die aber wegen zuweilen über-
triebener Schärfe und mangelhafter Konsequenz nicht
immer überzeugen. —

Der demselben Verlage entstammende Rem-
brandt-A lmanach (Preis 1 Mk,) beginnt mit
einem Kalendarium für 1906 und 1907, enthält
2 ordentliche Farbendrucke und 19 gute Autotypien,
die mehrere der 10 Aufsätze illustrieren. Aus ihnen
mögen hervorgehoben werden Muther's äußerst
lebendige Biographie; des Malers Veth geistvolle
Abwägung von „Rembrandts Tragweite"; Heycks'
Studie über „Rembrandt und seine Zeit", reich an
treffenden Bemerkungen, aber auch nicht frei von
(konfessionell) einseitigen Anschauungen; Licht-
wark's sehr ansprechende Beschreibung von „Rem
brandts Haus". Das Ganze eine interessante Zu-
sammenstellung für ungemein wenig Geld. Seh.
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