Zeitschrift für christliche Kunst — 19.1906

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1906. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 8.

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deren künstlerische und literarische Werke
stets eine Quelle lautersten Genusses bleiben
werden. Denn einen Jeden muß doch
ein anheimelndes Gefühl beschleichen, wenn
er in der Vorrede zu ihren, in gewandtem
Latein dem Terentius nachgebildeten Dramen
die ehrwürdige Nonne Hroswitha von Ganders-
heim34) — schon um die Mitte des X. Jahrh. —
trotz bewundernswerter Gelehrsamkeit mit

M) M. s. Näheres bei Prof. Dr. Paul Piper
„Die älteste deutsche Literatur bis um das Jahr 1050 "
(Berlin und Stuttgart, 1884) S. 321 —835. — Ferner:
,,Die lateinische und griechische Literatur der christlichen
Völker" von Alexander Baumgartner S. J.

mädchenhafter Schüchternheit und kindlich-
aufrichtiger Naivität die Worte sagen hört,
womit v. Scheffel seine Vorrede zum Ekkehard
schließt: „Wofern nun jemand an meiner be-
scheidenen Arbeit Wohlgefallen findet, so
wird mir dies angenehm sein; sollte sie aber
wegen der Verleugnung meiner selbst oder der
Rauheit eines unvollkommenen Stils niemanden
gefallen, so hab ich doch selber meine Freude
an dem, was ich geschaffen!" (Forts, folgt.)
Düsseldorf. Fr. G. Crem er.

(Freiburg im Breisgau, 1900) Bd. IV. Kap. 11.
»Hroswitha von Gandersheim« von S. 335—349.

Bücherschau.

Die Essener Münsterkirche und ihre
Schatzkammer. Von Franz Arens. Verlag
von Fredebeul & Koenen in Essen. (Preis M. 0,75.)
Dieses, 72 Seiten mit 31 Abbildungen umfassende
Büchlein, das gleichzeitig mit dem sehr interessanten
Bericht über „die Entwicklung der Essener
Pfarren" für die 53. General-Versammlung der
Katholiken Deutschlands erschienen ist, darf als die
schöne Frucht der erleuchteten Liebe zur Heimat und
zu ihren Knnstdenkmälern aufs wärmste begrüUt
werden. — Obwohl auf den sehr verdienstvollen
Forschungen H um ann's beruhend, erscheint es doch
als eine selbständige Arbeit, die zugleich den Vorzug
der Einfachheit und Klarheit hat. — An der Hand
von 5 (durch Prof. Prill gezeichneten, daher ganz
zuverlässigen) Grundrissen wird die ursprüngliche
Form der wohl schon 852 gebauten Altfridi-Basilika
gezeigt, wie die Erweiterung, die sie gegen 1000
nach Osten (Krypta mit Chor) und nach Westen er-
fahren hat, ferner der Querschiffsumbau gegen 1100,
die Umgestaltung zur gotischen Hallenkirche im
XIV. Jahrhundert. Alle diese und noch sonstige
Veränderungen werden so anschaulich, wie kaum je
vorher, dargestellt. Eine große, vom Verfasser ent-
worfene Grundrißkarte über die Stiftskirche und ihre
Umgebung um 1350 (Kreuzgang, Stiftsgebäude, Vor-
halle, Johanneskirche. St. Quintinskapelle etc.) er-
leichtert zugleich den Einblick in die Innenausstattung
des Münsters, über dessen weitere Umbauten und
Restaurationen, gelungene und mißlungene, bis in die
neueste Zeit berichtet wird. — Durch die ungewöhn-
liche kunstgeschichtliche Bedeutung des Bauwerkes
und seiner mancherlei Schicksale, gewinnt diese
knappe, aber präzise Schilderung ein ganz besonderes
Interesse. — Dasselbe gilt von der Beschreibung der
Schatzkammer, die allein aus circa 100 Erzeug-
nissen der Goldschmiedekunst besteht. Mehr als die
Hälfte derselben gehört dem Mittelalter an, und die
dem X. und XI. Jahrh , also der ersten Glanzzeit
entstammende Gruppe (Madonna, siebenarmiger
Leuchter, Schwertscheide, 4 Vortragekreuze usw.)
wird an Zahl und Bedeutung von keiner Schatz-

kammer der Welt übertroffen. Überaus mannigfaltig
sind die Reliquiengefäße und Altargeräte der gotischen
Periode, und die HS goldemaillierten (in Burgund
oder Flandern um 1100 angefertigten) kleinen Agraffen
zählen zu den seltensten und kostbarsten Juwelen,
als welche sie in dem Verzeichnisse noch stärker
hätten hervorgehoben werden dürfen. — Nachdem
die in ihrer Art einzige Kirche nicht nur eine durch-
weg anerkennenswerte äußere Herstellung, sondern
in den 3 letzten Jahrzehnten auch eine verständige
innere Ausstattung erhalten hat, harren mehrere vom
Verfasser mit Recht hervorgehobene Aufgaben noch
ihrer Lösung, namentlich die Wiederherstellung des
Gräfinnenchors, aber auch die Wiedereinführung des
de Bruynschen Reliquienaltars in den Hochchor.

Schnütgen.

Handbuch der Bürgerlichen Kunstalter-
tümer in Deutschland. Von Heinrich
Bergner. 2 Bände mit 790 Illustrationen. E.
A. Seemann in Leipzig. (Preis 18 Mark.)
Ein starkes Jahr nach dem Abschluß seines vor-
trefflichen Handbuches der kirchlichen Kunstalter-
tümer legt Bergner dieses neue Handbuch vor, wel-
ches jenes an Umfang noch überragt, auch an Be-
deutung in dem Sinne, daß es sicli hier um eine
neue Wissenschaft handelt, für die es nur sporadische
Vorarbeiten gab, keine systematische Zusammen-
stellung, so dringlich diese auch seit Jahrzehnten
begehrt wurde. — Der durch seine eminente Kennt-
nis der Literatur wie der Denkmäler, durch seine
bewunderungswürdige Beherrschung des Stoffes, wie
durch seine Geschicklichkeit in dessen Disponierung
ausgezeichnete Verfasser hat den großen Wurf ge-
wagt: den enormen, ungeordneten Stoff umgrenzt,
gegliedert, disponiert, ihn sowohl nach allgemeinen
Gesichtspunkten geordnet, wie nach speziellen Gruppen
zusammengestellt. Und dieser schwere Wurf ist ge-
lungen als das Produkt immensen Fleißes und größter
Objektivität. — Der I. Band bringt in seinen zehn
Kapiteln (der Wohnbau bis zu den Karolingern,
das Kloster, Pfalzen und Königshöfe, die Burg, die
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