Zeitschrift für christliche Kunst — 19.1906

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1906.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 9.

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Die beiden Hauptlieferungswerke des Dreifarben»
druckes imSeemannschen Kunstveilag: Die,,Meister
der Farbe" und ,,Die Galerien Europas"
haben seit unserem letzten Referat so gute Fortschritte
gemacht, daß von dem ersteren bereits der III.
Jahrgang (24 Mk.) bis zum 8. Heft gediehen
ist (25—32), das letztere von den 25 Heften
(ä 3 Mk.), die vorgesehen sind, schon 9 erreicht hat.
Die Meister der Farbe bewähren im III. Jahr-
gang ihre außerordentliche Mannigfaltigkeit hin-
sichtlich der in den verschiedenen Kulturländern
Europas schaffenden Maler, nicht nur der hoch-
berühmten, sondern auch der aufstrebenden, insoweit
sie es zu großer Virtuosität in der Farbenstimmung,
sei es der zarten, sei es namentlich der frappanten,
gebracht haben. Da der Dreifarbendruck bei keiner
Wiedergabe versagt, so bereitet die Durchsicht der
einzelnen Tafeln, die teils willkürlich, teils systema-
tisch, wie bei dem Münchener Heft (V), zusammen-
gesetzt sind, jede von einer allgemein charakteri-
sierenden und speziell beschreibenden Seite begleitet,
einen hohen Genuß und eine vollkommene Orientierung
über die gegenwärtige internationale Schaffensart, wie
sie so leicht und sicher sonst kaum zu erlangen ist.
— Die literarischen Beigaben, teils Abhandlungen,
wie Osborns vortrefflicher Exkurs über Farbe und
Linie, teils Kunstnachrichten haben durchweg auch
einen ganz aktuellen Wert.

Die Galerien Europas treffen in den vor-
liegenden Heften eine vorzügliche Auswahl, indem sie
nicht so sehr alte bekannte Werke aus den deutschen,
holländischen, italienischen (auch französischen und
englischen) Schulen des XVI. bis XVIII. Jahrh.
wiedergeben, als vielmehr ganz hervorragende Ge-
mälde minder berühmter Meister, bei denen zugleich
die Verschiedenheit der Darstellungen: Religiöse
Szenen, Porträts, Genrebilder, Stilleben, Landschaften,
sehr angenehm berührt. Hier bewährt sich das Ver-
fahren derart, daß sogar die Reproduktionen nach
den bedeutendsten Schöpfungen Rembiandts, denen
das VIII. Heft ausschließlich gewidmet ist, den
höchsten Anforderungen vollauf genügen. — Jedem
Hefte ist. außer dem Kommentar für jede einzelne
Tafel, die eine und andere Abhandlung beigegeben,
die sich vorwiegend auf einen bedeutenden Meister
bezieht, wie Vermeer (von Cohen), Fragonard (von
Graul), Dürer, (von Ree), Correggio (von Knapp),
Jan Steen (von Bode), Rembrandt und die Bühne
(von Wustmann); daneben laufen Unterweisungen mehr
allgemeiner Art wie: Holländisches Stilleben (von
Philippi), Geschichte des niederländischen Sittenbildes
von Glück). Also Anschauungs- und Erklärungs-
unterricht in der schönsten Verbindung!

Schnütgen.

Künstler-Monographien LXXXII. Peter
Cornelius von Dr. Christian Eckert. Mit
einem Porträt und 130 Abbildungen. Velhagen
& Klasing, Bielefeld. (Preis 4 Mk.)
Das Lebensbild des großen Meisters, das so kurz
hinter uns liegt und doch wenig Verständnis und
Wertschätzung mehr findet, wird hier mit der Be-
geisterung jugendlicher Vorliebe, aber auch mit der
Ruhe objektiver Beurteilung geschildert. — Der gott-

begnadete, das Höchste erstrebende Künstler, der
gottgesegnete, nach Vollkommenheit ringende Mensch
tritt hier in der Entwickelung seines Wesens wie in
der Geschlossenheit seines Schaffens als eine wahre
Kraftnatur in die Erscheinung. Sehr sinnig werden
die drei großen Phasen seiner langen künstlerischen
Tätigkeit als Frühling, Sommer und Herbst bezeichnet,
um namentlich durch die eigenartigen großen Zyklen
näher charakterisiert zu werden. — Nachdem der
Klassizismus der Jugendarbeiten überwunden war,
machte zunächst Dürer seinen Einfluß geltend, dann
die italienische Renaissance, die den Übergang bildete
zu der ganz selbständigen Art. Die bald der Antike,
bald dem Mittelalter, bald der Neuzeit, aber immer
aktuell entlehnten Stoffe, stets untermischt mit religiösen
Thematen, erscheinen hier in großartigen Auffassungen
und nicht minder gewaltigen Darstellungen, denen
durch die Schönheit der Linien und durch die Wucht
der Kompositionen Unsterblichkeit gesichert ist als
monumentalen Schöpfungen ersten Ranges. — - Diese
an der Hand zahlreicher Abbildungen in edler Sprache
der Gegenwart wieder vorgeführt zu haben, ist das
Verdienst der höchst anregenden Schrift.

Schnütgen.

KUhlens Kunstverlag bietet pro 1907 l.den
Abreißkalender für die katholische Familie
zu 50 Pf., 2. den Wand- und Blockkalender
für das katholische Haus: 00 Pf. Ersterer hat
als Rückwandverzierung das Gnadenbild der Mutter
vom guten Rat und in dem Block die mannigfachsten
liturgischen Angaben, die sich auf die Feste des
römischen Missale, die Kirchenfarben, Ablässe usw.
beziehen. — Letzterer zeigt zwischen den einzelnen
Monatstagen ein Engelbild mit dem Spruchband;
,,Gott zum Gruß1', in dem Block für jeden Tag den
Festen sich anpassende Erwägungen zumeist in dich-
terischer Form. — Inhalt und Ausstattung machen
die weiteste Verbreitung wünschenswert. D

„Benzigers Marien-Kalender" für 1907
und der „Einsiedler-Kalender" desselben Ver-
lages (ä 50 Pf. bezw. 40 Pf) haben den engeren
Schweizer Rahmen, in den die früheren Jahrgänge
zumeist gefaßt waren, diesmal etwas erweitert; nicht
zu ihrem Nachteil. Die farbigen Titelbilder der
Himmelskönigin (von Janssens) und Maria hilf (von
v. Oer) sind recht gut; auch die übtigen recht zahl-
reichen Abbildungen, die geistliche und weltliche
Szenen, Porträts wie Baudenkmäler als Textillustrationen
wiedergeben, sind durchweg ganz befriedigende
Leistungen.

Dr.Jarisch' Volkskalender für das Jahr 1907.
Herausgegeben von Dr. Karl Landsteiner (Wien,
Norbertusverlag, 00 Heller) sucht seine Stärke weniger
in den Abbildungen, als in den Abhandlungen. An
ihnen ist der Herausgeber zumeist beteiligt durch
,,die Reise ins Paradies", d. h. an die italienische
Riviera, durch „Ein Teufel in Menschengestalt" und
durch „Die Weltrundschau", die 72 Seiten umfaßt
und mit großem Geschick gemacht ist. Obwohl mehr
auf österreichische Verhältnisse zugeschnitten, verdient
der Kalender überall gute Aufnahme. D.
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