Zeitschrift für christliche Kunst — 34.1921

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ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST. Nr. 4/5

wurde. Eine heute nicht mehr vorhandene Kartusche am Schaft unmittelbar
über dem Fuß des Gerätes enthielt wahrscheinlich die Wappen der Stifter.
Aus einer Urkunde des XVIII. Jahrhunderts im Pfarrarchiv zu Bensberg, die
die Aufbewahrung der Monstranz aus Gründen größerer Sicherheit in dem
von Jan Weilern zu Bensberg erbauten neuen Schloß anordnet, muß ge-
schlossen werden, daß die Monstranz eine Stiftung an die Bensberger Pfarr-
kirche war und daß sie bis dahin im sogenannten alten Schloß aufbewahrt
wurde. Nach mündlicher Überlieferung ging das Geschenk Jan Wellems
und seiner Gemahlin ganz in die Obhut der Bensberger Pfarrkirche über,
als das neue Schloß in dem zweiten Viertel des vorigen Jahrhunderts in
eine Kadettenanstalt umgewandelt wurde.

Bensberg. E g i d B e i t z.

VERSCHWUNDENE EHRUNGEN

FÜR BISCHOF WICBOLD VON KULM

IM ALTENBERGER DOM.

(Mit 12 Abbildungen.)

Die Wende des XVIII. Jahrh. bedeutete den Beginn einer schweren
Zeit für die Gotteshäuser und klösterlichen Niederlassungen in den
Rheinlanden. Die französische Herrschaft in den Gebieten auf dem
linken Ufer des Flusses und die verworrenen Besitzverhältnisse auf dem
rechten trugen mit das Verschulden für Vernachlässigung, Verfall, Ver-
äußerung und Zerstörung mancher wertvollen Schöpfungen kirchlicher Bau-
kunst vergangener Zeiten, namentlich des Mittelalters. Zu diesen rechnen
vor allem die beiden berühmten Zisterzienserklöster Heisterbach und
Altenberg. Jenes fiel 1811 völligem Abbruch anheim bis auf den Chor-
schluß der Kirche, dessen stimmungsvolle, in einem Waldgrunde des Sieben-
gebirges emporragende Ruine noch heute so offensichtlich bekundet, welchen
Verlust die rheinische Kunst in der Vernichtung der großangelegten Kult-
stätte, einer Glanzleistung spätromanischer Bauweise, zu beklagen hat, von
der Boisserees Aufnahme in den „Baudenkmälern am Niederrhein" nur
eine ungefähre Vorstellung zu geben vermögen. Ein besseres Schicksal
war Altenberg beschieden. Wenn auch hier die architektonisch hochbedeut-
samen Klostergebäude durch Feuer verheert und dann durch Abbruch
beseitigt wurden, was aufrichtiges Bedauern auslösen muß, so hat doch die
herrliche Kirche, das erste große Werk der Gotik aus der Schule des
Kölner Domes, sich auf unsere Tage gerettet, ist aus trümmerhaftem Zu-
stande wieder zu baulichen Würden gelangt, dank dem hohen Interesse
von Preußens Königen, deren Vorfahren hier im Herzogenchor letzte Ruhe-
stätte fanden, dank der eifrigen Tätigkeit eines 1894 gegründeten Dom-
vereins und der Opferwilligkeit der Bewohner der „roemreke Berge", die das
wehrhafte Schloß Burg an der Wupper und den gottgeweihten „bergischen
Dom" in der Einsamkeit des anmutigen Dhüntals als gewaltigste monu-
mentale Zeugen einer großen geschichtlichen Vergangenheit erkennen und
verehren.
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