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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

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Glossar zur spätmittelalterlichen Buchmalerei und Buchherstellung G - I

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G

Glosse
(griech.-lat. glossa – eigentlich „Zunge, „Sprache“) Erläuterung oder auch Übersetzung eines fremden oder unbekanntes Wortes. Nach dem Ort ihrer Anbringung in den Handschriften unterscheidet man zwischen Interlinearglossen, die zwischen die Zeilen geschrieben wurden, und Marginalglossen, die sich auf den Blatträndern der Manuskripte befinden. Interlinearglossen stehen in der Regel direkt über dem kommentierten Begriff. Meist sind sie relativ kurz und umfassen nur einzelne Worte. Marginalglossen können dagegen, da der Blattrand mehr Raum bot, auch ausführlicher ausfallen und zu regelrechten Textkommentaren werden. Bereits in der Antike wurden Werke glossiert. Im Mittelalter wurden z. B. häufig lateinische Werke mit volkssprachigen Glossen versehen. Glossen finden sich in Bibelhandschriften ebenso wie in für den Unterricht benutzten Werken. Besonderes Gewicht erlangen die Glossen in Rechtshandschriften, in denen ihnen im Laufe der Zeit genausoviel Raum und Bedeutung zukommt, wie dem eigentlichen Text.
Grünspan
Mit dem Begriff 'Grünspan' wird die chemische Verbindung Kupfer(II)-acetat, das Kupfersalz der Essigsäure, bezeichnet. Kupferacetat ist ein Farbpigment ('Spanisches Grün'), das hauptsächlich für die Farbe Grün verwendet wurde (neutraler Grünspan). Im Gemisch mit Kalk und Essigsäure bildet sich Kupfer-Calcium-acetat (basischer Grünspan), das im Mittelalter häufig als Grundlage für blaue Farbe gebraucht wurde. Grünspan ist ein synthetisches Pigment, das mittels Kupferplatten, die in einem ausgehöhlten Eichenstamm mit Essigsäure und Reisig geschichtet, hergestellt wird. Vergraben in einem Misthaufen bildet sich nach 3-6 Wochen auf dem Metall eine grüne bis blaue Korrosionsschicht, die abgekratzt als Malerpigment Verwendung fand. Ab dem 19. Jahrhundert ist es wichtiges Zwischenprodukt zur Herstellung des giftigen Farbpigments Schweinfurter Grün. Grünspan ist mäßig giftig.
Gummi arabicum
Gummi arabicumGummen werden chemisch unter dem Begriff  der ‘Polysaccharide’ gefaßt; sie bilden mit Wasser klebrige, viskose oder fadenziehende Lösungen. Gummi arabicum ist ein Sekret von Akaziengewächsen (z.B. Acacia arabica, Acacia senegal). Das Sekret (Pflanzensaft) tritt aus Rissen oder Wunden der Baumrinde schleimartig heraus und erstarrt an der Luft zu Tropfen unterschiedlicher Größe. Diese Tropfen werden gesammelt und zur Verwendung als Bindemittel entweder direkt in Wasser gelöst oder zuvor noch zermahlen, um einen schnelleren Löseprozeß zu erreichen.

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H

Hand / Hände
Der Begriff wird in Kodikologie und Kunstgeschichte verwendet, um die verschiedenen, an einer Handschrift oder einem Kunstwerk beteiligten, meist anonymen Personen voneinander zu unterscheiden. Unterschiedliche Schreiberhände etwa sind an den charakteristischen Eigenarten ihrer persönlichen Schrift zu erkennen. Das gleiche gilt für Illustratoren oder Zeichner, welche durch die für sie jeweils typischen Eigenarten ihres Zeichen- oder Malstils erkennbar sind.
Handschrift
s. Codex
Hausenblase (Ichtylocollon)
Darstellung eines Hausen (Cpg 300) und in Streifen geschnittene HausenblaseBindemittel. Es besteht aus der getrockneten Schwimmblase des Störs, dessen mittelhochdeutscher Name Hausen lautete, ist also ein tierischer Klebstoff (Proteinleim). Die Hausenblase ist wasserlöslich; zur maltechnischen Verwendung wird sie in Wasser angequollen und anschließend erwärmt, bis sie sich vollständig gelöst hat. Der Kleber muß warm verarbeitet werden, da er beim Abkühlen sofort geliert.
Historienbibel
s. Chronik

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I

Indigo
IndigoIndigo, ein hauptsächlich aus der Textilfärberei bekannter Farbstoff, wird aus der heimischen Pflanze 'Isatis tinctoria L.' (Färberwaid) und aus der indischen 'Indigofera tinctoria L.' gewonnen. Es handelt sich dabei zwar um unterschiedliche Pflanzen, die jedoch den chemisch identischen Farbstoff liefern.
Das Indican, die farblose Vorstufe des blauen Farbstoffes, wird in einer Grube (Küpe) mit Wasser, Enzymen, und basischen Zusätzen (z. B. Urin) enzymatisch gespalten; es bildet sich farblos-weißliches Leukoindigo (Indoxyl), das an der Luft mit Sauerstoff zu blauem unlöslichem Indigo oxidiert.
Textilien werden mit dem Leukoindigo gefärbt und dann der Luft ausgesetzt. In der Buchmalerei wird das unlösliche tiefblaue Indigo verwendet.
Benutzt wird der Farbstoff seit der Antike über Jahrhunderte, bis 1897 die synthetische Herstellung möglich wird.
Daß Indigo nicht nur in unseren Tagen ein beliebter Farbstoff für Jeans ist, sondern auch schon im Mittelalter ein begehrter Farbstoff war, zeigt noch heute in vielen historischen Städten der 'Waidmarkt'.
In der Heidelberger Handschrift Cod. Pal. germ. 620 findet sich auf fol. 58 ein Waidrezept.
Initiale
Initiale aus Cpg 19, fol. 13r Von lat. initialis - am Anfang stehend. Der Begriff bezeichnet dementsprechend den Buchstaben am Anfang eines Werkes oder Kapitels, der sich im Vergleich zur übrigen Schrift, durch seine Größe, Form oder Farbe unterscheidet.
Initialzierseite meint die Gestaltung eines Textanfangs durch eine Initiale oder eine Ligatur von mehreren Initialen, die eine ganze Seite einnehmen. Häufig werden auch die ersten Worte des Texts in einer Auszeichnungsschrift neben der Initiale angebracht. Initiale und Text sind in spätmittelalterlichen Handschriften dann meist von Fleuronnée, Rankenwerk und Bordüren umgeben und ausgeschmückt. Beispiel: Initialzierseite 82r des Cpg 20 zum 3. Buch der Könige.
Lombarden sind in spätmittelalterlichen Handschriften größere, andersfarbige Initialen am Zeilen- oder am Satzanfang, die gar nicht oder nur wenig verziert wurden. Meist handelt es Buchstabe D auf der Seite 22v des Cpg 403sich um einfache, bauchig gerundete Buchstaben, die abwechselnd in rot oder blau gehalten sind. Gelegentlich sehen sich Lombarden so ähnlich, daß sie den Eindruck erwecken, als seien sie mit Hilfe von Schablonen gezeichnet (Schabloneninitialen).
Inkunabel
(von lat. in cunabulis – in der Wiege/ incunabula – Windeln, Wiege); Als Inkunabeln, Frühdrucke oder Wiegendrucke bezeichnet man jene Bücher, die während der ersten 50 Jahre nach Erfindung des Buchdrucks, also etwa zwischen 1445/1450 und 1500, gedruckt wurden, als der Buchdruck sozusagen noch in der Wiege lag. Der Begriff Frühdruck wird gelgentlich auch noch für zwischen 1501 und 1550 erschienene Bücher verwendet.
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s. Initiale
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Literatur

  • Schneider, Karin: Paläographie und Handschriftenkunde für Germanisten. Eine Einführung (Sammlung kurzer Grammatiken Germanischer Dialekte, B. Ergänzungsreihe Nr. 8), Tübingen 1999
  • Jakobi-Mirwald, Chrsistine: Buchmalerei. Ihre Terminologie in der Kunstgeschichte, 3., überarb. u. erw. Aufl. Berlin, 2008.

© Ulrike Spyra, Jens Dannehl, Maria Effinger, Universitätsbibliothek Heidelberg, 9/2008