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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

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Glossar zur spätmittelalterlichen Buchmalerei und Buchherstellung J - L

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J

K

Kapitel-Nummer / Kapitelverzeichnis
Kapitelverzeichnis des Parzival (Cpg 339, fol. 2v)Eine Eigentümlichkeit vor allem spätmittelalterlicher Handschriften ist es, die Gliederung eines Werkes in einzelne Teile und Kapitel besonders hervorzuheben. Zum besseren Auffinden der einzelnen Textteile und Kapitel werden den Werken dabei häufig Register oder Kapitelverzeichnisse vorangestellt. Gelegentlich enthalten diese Verzeichnisse sogar Folio-Angaben der entsprechenden Kapitel. Häufiger jedoch ist die Form, daß die einzelnen Textteile fortlaufend durchnumeriert werden und diese Zählung auch im Kapitelverzeichnis eingetragen wird. Dieses Vorgehen sollte das Auffinden bestimmter Textstellen erleichtern.
Kolophon
Schlußschrift eines Manuskripts, häufig mit Angaben über Entstehungszeit und -Ort oder dem Namen des Schreibers. Gelegentlich ausgeweitet durch die Bitte der Schreiber um Fürbitte oder durch einen Fluch, mit dem die Schreiber Diebe abhalten oder die Zerstörung ihres Werks verhindern wollten. Die Abgrenzung zum Schreiberspruch ist gelegentlich schwierig.
Krapp
Der rote Farbstoff wird hauptsächlich aus der Wurzel der Rubia tinct. L. gewonnen. Hauptbestandteil des Farbstoffes ist Alizarin, das seit dem 19. Jahrhundert auch synthetisch hergestellt werden kann. Schon in der Antike ist Krapp in zahlreichen Rezepten bezeugt. Krapp färbt in Alkohol gelb-orange, in schwacher Ammoniaklösung orangerot und in Salmiakgeist rotviolett. Ein kräftiges Rot ergibt sich durch Verlackung mit Alaun (Krapplack). Krapp war sowohl in der Textilfärberei als auch als rote Lasurfarbe, z. B. über Zinnober, sehr beliebt.
Kursive / kursive Schrift
Bastarda aus Cpg 403, fol. 25rIst eine Gebrauchsschrift. Sie hat sich seit dem 14. Jahrhundert zunächst in Notiz- und Geschäftsunterlagen sowie Urkunden entwickelt. Ihr Vorteil ist, daß sie sich schnell und leicht schreiben läßt. Dabei werden die Buchstaben häufig in einem Zug geschrieben und die Feder kaum noch abgesetzt, so daß die Buchstaben miteinander verbunden sind. Bastarda bezeichnet eine besondere Form der sogenannten kursiven Schrift, die sich gegen Ende des 14. Jahrhunderts entwickelt hat und die zu den am häufigsten gebrauchten Schriftarten des späten Mittelalters gehört.
Kustode, Custode
Kustode am unteren Blattrand (Cpg 353, fol.52v)von lat. custos – der Wächter; Zählung der Lagen innerhalb des Buchblocks (heute Flattermarke) oft in römischen Zahlen oder Buchstaben. Die Nummerierung steht meist mittig am Fuß der letzten Seite einer Lage. Oft sind die Kustoden durch früheren Beschnitt nur noch teilweise vorhanden. Die Kustode dient der Ordnung und richtigen Einsortierung der Lagen durch den Buchbinder.

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L

Lage
Als Lagen bezeichnet man mehrere ineinandergelegte Doppelblätter, die zusammen geheftet werden und von denen mehrere die Gesamtheit des Buches ergeben.
Ligatur
(lat. ligatura – Bindung) Bei einer Ligatur werden zwei oder mehr Buchstaben so miteinander verbunden, daß ihre Reihenfolge innerhalb des folgenden Textes bestehen bleibt. Die verbundenen Buchstaben können innerhalb eines Wortes nebeneinanderstehen, es kann sich aber auch um die Verbindung der Anfangsbuchstaben zweier aufeinanderfolgender Worte handeln. Ligaturen kommen häufig bei Initialen vor. Man spricht dann von einer Initialligatur. Sie zeichnen in der Regel die Anfänge der wichtigsten Texte aus und gehören häufig zum Bestandteil von Initialzierseiten. In Sakramentaren z. B. wird die Praefatio, die mit den Worten „Vere dignum et iustum“ beginnt, häufig durch eine Initialzierseite mit einer VD-Ligatur gekennzeichnet.
Lombarde
s. Initiale
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Literatur

  • Schneider, Karin: Paläographie und Handschriftenkunde für Germanisten. Eine Einführung (Sammlung kurzer Grammatiken Germanischer Dialekte, B. Ergänzungsreihe Nr. 8), Tübingen 1999.
  • Jakobi-Mirwald, Christine: Buchmalerei. Ihre Terminologie in der Kunstgeschichte, 3., überarb. u. erw. Aufl. Berlin, 2008.

© Ulrike Spyra, Jens Dannehl, Maria Effinger, Universitätsbibliothek Heidelberg, 9/2008