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Ziele

Die Plattform ›Welscher Gast digital‹, ein Kooperationsprojekt der Universitätsbibliothek Heidelberg und des Sonderforschungsbereichs ›Materiale Textkulturen‹ der Universität Heidelberg, hat eine umfassende digitale Text-Bild-Ausgabe des ›Welschen Gastes‹ zum Ziel. Durch die Bemühung um hohe dokumentatorische Vollständigkeit und Qualität, die konsequente Verwendung aktueller Standards in der Text- und Bildauszeichnung (XML/TEI), deren maßgeschneiderte Applikation auf mittelalterliche text- und bildtragende Artefakte sowie durch die Verfügbarmachung aller Inhalte im Open Access soll das Projekt Modellcharakter haben. Es entsteht in interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen der Germanistik, Kunstgeschichte, Editionswissenschaft und den Digital Humanities. Die aktuell verfügbaren Inhalte der Plattform sind vorläufig und werden sukzessive erweitert.

In der ersten Entwicklungsphase von ›Welscher Gast digital‹, die mit der ersten Förderphase des Sonderforschungsbereichs ›Materiale Textkulturen‹ zeitlich zusammenfällt (2011–2015), wurde der Aufbau einer vollständigen virtuellen Bibliothek mit Digitalisaten aller mittelalterlicher Handschriften des ›Welschen Gastes‹ angestrebt. Bis auf wenige Ausnahmen (wegen laufender urheberrechtlicher Verhandlungen) wurde dieses Ziel erreicht. Darüber hinaus wurden einige neuzeitliche Abschriften des Werkes digitalisiert.

Gleichzeitig wurden TEI-konforme Richtlinien für die Texttranskription sowie eine datenbank- und webbasierte Technologie für deren Visualisierung entwickelt. Damit sollen die Handschriftendigitalisate nicht nur als hochaufgelöste Bilder, sondern als Volltexte erschlossen werden. Die Transkriptionsmethodik zielt auf hohe Treue gegenüber den Originalartefakten sowie auf maximale Flexibilität bei der Weiterverarbeitung und Durchsuchbarkeit. Die Visualisierung der Transkriptionen bietet eine benutzergesteuerte und weitgehend anpassbare Textdarstellung. Zudem ist jede Handschriftenseite dank permanenter Zitierlinks dauerhaft referenzierbar. Die Transkriptionsarbeiten sind noch lange nicht abgeschlossenen, einzelne Handschriftenteile sind jedoch bereits exemplarisch verfügbar.

Als vorläufiger Lesetext wurde die Textausgabe Heinrich Rückerts von 1852 digitalisiert und als durchsuchbarer Volltext bereitgestellt. Diese Ausgabe bildet die technische Grundlage (als Referenzachse der Versnummerierung) für die geplante Erstellung eines neuen kritischen Lesetextes, der (wie bei Rückert) auf der ältesten Handschrift (Cod. Pal. germ. 389 der Universitätsbibliothek Heidelberg) basiert, jedoch (im Unterschied zu Rückert) die gesamte handschriftliche Überlieferung berücksichtigt. Dank der eingesetzten digitalen Editionstechnik soll zudem die neue Textausgabe möglichst Wort für Wort mit den Volltexten aller Handschriften verknüpft sein. Außerdem ist eine Verlinkung mit digitalen mittelhochdeutschen Wörterbüchern geplant. Einzelne Transkriptionen und Editionstexte sollen auch in synoptischer Ansicht parallel nebeneinander angezeigt und leicht miteinander verglichen werden können.

Die Illustrationen aller Handschriften des ›Welschen Gastes‹ wurden bereits in der ersten Projektphase in den Digitalisaten systematisch ausgezeichnet, nach Motiven geordnet und mit dem Text verknüpft. Ein Viewer für vergleichende Motivübersichten und für die Bilddetailanzeige wurde entwickelt, jedes Bildmotiv wurde in seinen Bestandteilen analysiert. In der weiteren Projektarbeit sollen innerhalb einzelner Illustrationen deren Bestandteile graphisch markiert und annotiert sowie die in den Bildern enthaltenen Texte transkribiert und visualisiert werden. Damit wird der Benutzer der Ausgabe das Bildmaterial in seiner Gesamtheit überblicken und im Detail studieren können. Eine Annotation mit kontrolliertem Vokabular (GND) soll sowohl den Text als auch die Bilder für Such- und Vernetzungszwecke erschließen.

Es ist geplant, die Handschriftentranskriptionen sowie den kritisch hergestellten Text als TEI- und PDF-Dateien zum freien Download bereitzustellen (bereits jetzt kann der TEI-Code für jede transkribierte Handschriftenseite einzeln angezeigt werden).
Für weitere Projektphasen sind ein umfassender Text-Bild-Kommentar, eine Bibliographie sowie eine Übersetzung angedacht.
Vgl. auch die Seite Methoden und Ziele auf der Homepage des Thomasin-Projekts (Teilprojekt B06 des Sonderforschungsbereichs ›Materiale Textkulturen‹).

 

 

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