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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Bilderschließung

Der kostbare Buchschmuck, der zahlreich die Handschriften der „Bibliotheca Palatina“ ziert, wurde im Rahmen verschiedener Projekte in der Heidelberger Bilddatenbank heidICON kunsthistorisch erschlossen und detailliert beschrieben. Die nach Bibliotheksstandorten in die Bilderpools UB Bibliotheca Palatina (UB Heidelberg) und UB Bibliotheca Palatina (BAV) aufgeteilten Illustrationen sind zudem im Schaufenster Buchmalerei der Bibliotheca Palatina zusammengeführt. Insgesamt sind ca. 15.000 Miniaturen, Illustrationen und Zierinitialen online frei zugänglich und können über umfangreiche Suchoptionen recherchiert werden.

Da die Sammlung alle bedeutenden theologischen und profanen Texte und Handschriftentypen umfasste, erlangte sie im 16. Jahrhundert ihren herausragenden Ruf als „Mutter aller Bibliotheken“. Von gleichem Rang ist auch der kostbare Buchschmuck, der zahlreiche Handschriften dieser Büchersammlung ziert: dekorative Initialen und Miniaturen in feinster Deckfarbenmalerei mit Gold- und Silberauflagen stehen neben kolorierten Federzeichnungen. Beachtenswertes Kennzeichen dieser Bibliothek ist vor allem die Vielzahl illustrierter Handschriften, die deutschsprachige profane Texte enthalten. Die bekanntesten sind sicherlich das „Rolandslied“ des Pfaffen Konrad aus dem 12. Jahrhundert, der „Sachsenspiegel“ des Eike von Repgow sowie der berühmte „Codex Manesse“ aus dem 14. Jahrhundert.

Von Interesse sind auch ganze Buchgruppen des 15. Jahrhunderts, wie etwa die 27 Codices umfassende Gruppe der sogenannten oberdeutschen Handschriften aus der im Elsass beheimateten Werkstatt von 1418, der des Diebold Lauber aus Hagenau und der in Stuttgart vermuteten Werkstatt des Ludwig Henfflin. Gerade diese Handschriften enthalten ikonographisch vielschichtige Illustrationszyklen, die in einem von der DFG geförderten Projekt in den Jahren 2001 bis 2003 erschlossen wurden. Die kunsthistorischen Informationen zu Bildthemen, -motiven und künstlerischen Zuordnungen für die ca. 2.000 halb- bis ganzseitigen kolorierten Federzeichnungen können zusätzlich zur Recherche in heidICON auch über eine eigene „Ikonographische Suche“ detailliert abgerufen werden.

Von 2006 bis 2009 wurden in einem weiteren durch die Manfred-Lautenschläger-Stiftung finanzierten Projekt alle weiteren der insgesamt 848 deutschsprachigen Codices digitalisiert und auch der darin enthaltene Bildschmuck wurde erfasst. In Kombination mit der von 2012 bis 2018 durch die Manfred-Lautenschläger-Stiftung finanzierten und realisierten Komplettdigitalisierung der lateinischen Palatina-Handschriften, die heute in den Tresoren der Biblioteca Apostolica Vaticana (BAV) in Rom aufbewahrt werden, konnte durch die Förderung der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg auch deren Buchmalereischmuck unter kunsthistorischen und formalästhetischen Gesichtspunkten beschrieben werden.

Die zentrale Aufgabe der Bilderfassung in der Bilddatenbank heidICON ist die ikonographische Bestimmung der Einzeldarstellungen. Bei weit verbreiteten Buchgattungen mit oftmals festgelegtem Motivrepertoir, wie beispielsweise der „Biblia pauperum“, beschränkt sich diese auf die kurze Benennung des Bildthemas; nur gelegentlich werden auffällige Abweichungen in der Datenbank notiert. Bei Buchgattungen, wo hingegen der Text durch die Darstellungen begleitet und illustriert wird, basiert die Bildbeschreibung auf einer Analyse der Bildinhalte im Verhältnis zu den Texten. Daher wird für diese Fälle im Kommentarfeld auch die Platzierung der Bilder im Text entsprechend der Verszählung von grundlegenden Texteditionen vermerkt.

Die Bilddatenbank erlaubt mithilfe einer Freitextsuche oder von Schlagworten eine gezielte Recherche nach ikonographischen Sachverhalten, Autoren und Textgruppen, Datierung und Entstehungsort. Alle Erschließungsinformationen stehen in heidICON, im Schaufenster Buchmalerei der Bibliotheca Palatina zur Verfügung und können darüber hinaus direkt innerhalb der Onlinepräsentation der kompletten Handschrift (Reiter „Bilderschließung“), betrachtet werden.