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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Vatikan, Biblioteca Apostolica Vaticana, Pal. gr. 48

Medizinische Sammelhandschrift zu Pedanios Dioskurides (Vorläufige Beschreibung)

Papier · 1, 195, 1 Bll. · 26,4 × 18,2 cm · Venedig (?) · Ende des 15. Jhs.


Schlagwörter (GND)
Gifte / Antike / Medizin / Pharmakologie.
Diktyon-Nr.
65781.
1ar–v vacat
1) 1r–166v Pedanios Dioskurides, De materia medica II 49,2–85,3. 95,1–V 162,2
2) 166v–177r Pedanios Dioskurides, De venenis eorumque praecautione et medicatione (= Alexipharmaca)
3) 177r–190v Pseudo-Dioskurides, De iis, quae virus ejaculantur, animalibus libellus, in quo et de rabioso cane (= Theriaca)
4) 190v–192r Pseudo-Dioskurides, Paraphrasis carminis de viribus herbarum
5) 192r–193v Galenus, De theriaca
6) 193v Pseudo-Dioskurides, De confectione theriacae
194r–196*v vacant

Kodikologische Beschreibung

Entstehungsort
Venedig (?). Als Entstehungsort kommt aufgrund der Provenienz Venedig in Frage.
Entstehungszeit
Ende des 15. Jhs. Aufgrund des Wasserzeichens ist von einer Entstehungszeit gegen Ende des 15. Jhs. auszugehen.
Typus (Überlieferungsform)
Codex.
Beschreibstoff
Westliches Papier.
Umfang
1, 195, 1 Bll.
Format (Blattgröße)
26,4 × 18,2 cm.
Zusammensetzung (Lagenstruktur)
(I-1)1a + VI12 + (VI-1)23 + 7 VI107 + VIII123 + 6 VI195 + (I-1)196*. Vorderspiegel ist Gegenbl. von 1a, Hinterspiegel Gegenbl. von 196*. Ein Blatt wurde entfernt, evtl. vor f. 13. Da die Schrift inmitten des Textes (ja sogar inmitten eines Satzes) beginnt, fehlt vor der ersten Lage mindestens eine weitere. Nach Bl. 12 fehlt ebenfalls mindestens eine Lage. Unklar ist, wann diese verloren gegangen sind. Die vatikanische Foliierung deutet jedoch darauf hin, dass die Hs. bereits mit diesem Umfang nach Rom gebracht wurde.
Foliierung
Vatikanische Foliierung mit schwarzer Tinte in der oberen Außenecke (f. 1–195). Die Bezeichnung der ungez. Bll. folgt dem Digitalisat (1a, 196*).
Lagenzählung
: Dass sich nur auf f. 84r (ιβ´) und auf f. 96r (ιγ´) eine Lagenzählung mit griechischen Ziffern findet, weist auf einen nachträglichen Beschnitt der Buchseiten hin, bei dem die übrige Nummerierung entfernt wurde (evtl. gilt dies auch für Reklamanten). Da mit f. 84 die achte Lage der Hs. beginnt, kann ein Verlust von vier Lagen festgestellt werden. Diese fehlen zu Beginn der Hs. (die Schrift setzt mitten im Satz ein) und nach f. 12 (zu f. 13 fehlen rund 77 Paragraphen). Nach Touwaide ist die Lagenzählung von späterer Hand hinzugefügt worden, siehe Touwaide, Une note, S. 444.
Zustand
Da die Schrift große Lücken aufweist und mindestens vier Lagen fehlen (siehe Lagenzählung) muss die Schrift als Fragment gelten. Obwohl kein nennenswerter Textverlust durch Beschädigungen vorliegt und der vatikanische Einband nahezu unbeschädigt ist, muss dennoch der in Mitleidenschaft gezogene Zustand der Hs. festgestellt werden. An der Vorderseite des Buchblocks sowie nach einigen Lagen (f. 35, 61, 95) zeigt sich die Bindung der Lagen als beschädigt. Zwischen Rückendeckel und Buchblock sind Schäden durch Wurmfraß deutlich erkennbar. Der Beginn der Hs. (f. 1r) ist stark vergilbt und fleckig. Die übrigen Seiten sind weniger vergilbt, jedoch beinahe ausnahmslos fleckig. Bl. 13 war offensichtlich am Innen- und Außensteg stark beschädigt, wurde jedoch durch neuzeitliche Restaurationsmaßnahmen (ein-/aufgeklebtes Papier) repariert. Das Papier am Bundsteg von Bl. 23 ist gebrochen. Die für die Rubrizierung verwendete rote Tinte ist teilweise sehr stark verblichen.
Wasserzeichen
Die Papierbögen der Hs. weisen folgende Wasserzeichen auf: umkreiste Waage mit geraden, dreieckigen Schalen, die an einer 8-förmigen Aufhängung an einem zweikonturigen Stern mit fünf Zacken befestigt ist. Der Stern weist nach unten (ähnlich AT8100-PO-117063). Siehe auch Zonghi, Watermarks, Nr. 1135. Das Wasserzeichen wurde gegen Ende des 15. Jhs. bevorzugt in Wien und Linz verwendet.

Schriftraum
14,2 × 11,3 cm.
Spaltenanzahl
1 Spalte.
Zeilenanzahl
24 Zeilen.
Schriftart
Aufrechte Gebrauchsschrift des 16. Jhs. mit einigen Ligaturen und auffallenden Ober- (τ, ει-Ligatur, ευ-Ligatur) und Unterlängen (χ, λ) sowie ausschweifenden Buchstaben und Interpunktionszeichen am Ende eines Wortes und besonders am Zeilenende. Die Schrift weist zwar Zwischenräume zwischen Buchstabengruppen auf, jedoch liegen diese oft nicht auf den Worttrennungen. Der Schreiber verwendet stets die Majuskelform von γ (Γ).
Buchgestaltung
Die Hs. weist eine einheitliche Gesamtgestaltung auf. Der Schriftspiegel ist vom Schreiber so bemessen und angeordnet, dass reichlich Raum für Marginalien bleibt oder aber dass das Format des Buchs durch Seitenbeschnitt angepasst werden kann.
Buchschmuck
Die Hs. ist insgesamt nur spärlich verziert; offensichtlich wurden nur die Bll. f. 36 bis 67 von einem Rubrikator abschließend bearbeitet. Die vorherigen Lagen weisen ungenutzte Aussparungen in den Textfeldern auf. In den durchgehend rubrizierten Bll. schmückt eine Fleuronné-Initiale den Buchbeginn (f. 36r) und weitere Initialen in roter Tinte die Anfänge der einzelnen Paragraphen. Die übrigen Bll. sind durch Farbe oder Dekor geschmückt. Einzige Ausnahme ist f. 170r, wo ein rubriziertes Wort und eine rubrizierte Initiale zu finden sind, und f. 186r, wo die rubrizierte Initiale den Beginn eines neuen Kapitels markiert.

Nachträge und Benutzungsspuren
Die Besitzmarke der BAV wurde auf die obere, äußere Ecke des Vorderspiegels eingeklebt. Der runde Besitzstempel der BAV wurde auf f. 1r und f. 193v angebracht. Auf f. 1r wurde von späterer Hand der Titel Libri secundi Dioscoridis haec sunt. cap. 54. und die alte Signatur No 48 notiert. Auf der gleichen Seite findet sich im Fußsteg auch die Signatur Pal. G. 48.

Einband
Roter Ledereinband der BAV aus der Zeit von Kardinalbibliothekar Francesco Saverio de Zelada und Papst Pius VI.; späterer Rücken mit goldenen Wappenstempeln von Papst Pius IX. (oben) und Kardinalbibliothekar Angelo Mai (unten), vgl. Schunke, Einbände, II, S. 909.
Provenienz
Augsburg / Heidelberg.
Geschichte der Handschrift
Mit Egn. oder egna. werden die 73 griechischen Handschriften aus dem Vorbesitz des italienischen Humanisten und Dichters Giovanni Battista Cipelli (1478–1553), genannt Egnatius, bezeichnet, die kurz nach dessen Tod für Ulrich Fugger in Venedig erworben wurden (vgl. Lehmann, Fuggerbibliotheken I, S. 95f.). Eigentlich war sein Buchbesitz für das dortige Kloster S. Giorgio Maggiore bestimmt. Die zum Teil sehr alten Manuskripte (magna ex parte antiquissimi) wurden von Gerstmann in einem Spezialkatalog erfasst (BAV, Pal. lat. 1925, f. 103v–106v).

Faksimile
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bav_pal_gr_48
Literatur
Stevenson, Graeci, S. 25; Marie Cronier, Comment Dioscoride est-il arrivé en Occident? À propos d'un manuscrit byzantin, de Constantinople à Fontainebleau, in: Νέα Ῥώμη 10 (2013), S. 185–209, hier: S. 195; Teresa Martínez Manzano, De Corfú a Venecia: el itinerario primero del Dioscórides de Salamanca, in: Medioevo greco 12 (2012), S. 133–154; Caroline Petit, La tradition manuscrite du traité des Simples de Galien. Editio princeps et traduction annotée des chapitres 1 à 3 du livre I, in: Véronique Boudon-Millot, Storia della tradizione e edizione dei medici greci. Atti del VI Colloquio internazionale, Paris 12–14 aprile 2008, Collectanea 27, Neapel 2010, S. 143–165, hier: S. 146; Alain Touwaide, Une note sur la Thériaque attribuée à Galien, in: Byzantion 67, 1997, S. 439–482, hier: S. 444f.
Verzeichnis der im Katalogisierungsprojekt abgekürzt zitierten Literatur

Inhalt

1) 1r–166v Digitalisat

Verfasser
Pedanios Dioskurides (GND-Nr.: 118843400).
Titel
De materia medica II 49,2–85,3. 95,1–V 162,2 (Fragment).
TLG-Nummer
0656.001.
Angaben zum Text
f. 1r–36v Buch II; f. 36v–81r Buch III; f. 81r–128r Buch IV; f. 128r–166v Buch V. Die Schrift beginnt inmitten eines Satzes in Buch II 49,2 (f. 1r). Auf dem Blatt- und Lagenwechsel von f. 12v auf f. 13r springt der Text von I 49,8 auf I 49, 85.
Incipit
1r ἢ πολυπόδιον. ἄγει δὲ πάχος ὠμόν.
Nachträge und Rezeptionsspuren
Die Anfänge der einzelnen Bücher wurden – wohl da aufgrund der fehlenden Rubrizierung als solche nur schwer zu erkennen – von späterer Hand im Außensteg markiert (Lib. II Diosc. etc).
Edition
Pedanius Dioskurides, De materia medica libri V, vol. 1–3, ed. M. Weidmann, Berlin 1907, 1906, 1914 (Nachdruck 1958), Vol. I, S. 136–255, Vol. II, S. 1–339, Vol. III, S. 1–108 (Hs. wurde für die Edition nicht berücksichtigt).

2) 166v–177r Digitalisat

Verfasser
Pseudo-Dioskurides (GND-Nr.: 118843400).
Titel
De venenis eorumque praecautione et medicatione (= Alexipharmaca).
TLG-Nummer
1118.001.
Incipit
166v Ἀποδόντες ἐν τοῖς προγραφεῖσϊ βϊβλίοις, φίλτατε Ἄρειε.
Textgestaltung
Als Marginalien sind Auszüge aus Galenus, De simplicium medicamentorum temperamentis et facultatibus angegeben.
Nachträge und Rezeptionsspuren
Die Schrift wird auf f. 166v in margine von späterer Hand als Lib. VI Diosc. bezeichnet.
Edition
Dioskurides, De venenis eorumque praecautione et medicatione [II], ed. Kurt Sprengel, Leipzig 1830, S. 1–41 (Hs. nicht für die Edition berücksichtigt).

3) 177r–190v Digitalisat

Verfasser
Pseudo-Dioskurides (GND-Nr.: 118843400).
Titel
De iis, quae virus eiaculantur, animalibus libellus, in quo et de rabioso cane (= Theriaca).
TLG-Nummer
1118.002.
Nachträge und Rezeptionsspuren
Die Schrift wird auf f. 177r in margine von späterer Hand als Lib. VII Diosc. bezeichnet. Vermutlich aufgrund der auffallenden Rubrizierung auf f. 186r wurde das 19. Kapitel in margine als eigene Schrift gedeutete (VIII Dioscoridis librum hic incipiunt editiones vulgatae). Auf f. 190v ist Hic definit VIII liber Dioscuridis in Vulg. edit. notiert.
Edition
Dioskurides, De venenis eorumque praecautione et medicatione [II], ed. Kurt Sprengel, Leipzig 1830, S. 42–91 (Hs. nicht für die Edition berücksichtigt).

4) 190v–192r Digitalisat

Verfasser
Pseudo-Dioskurides (GND-Nr.: 118843400).
Titel
Paraphrasis carminis de viribus herbarum.
Incipit
190v <τ>οὺς πϋρέσσοντας τὸ.
Explicit
192v καὶ πρὸς τὰ ἐν ἥπατι πάθη.

5) 192r–193v Digitalisat

Verfasser
Galenus (GND-Nr.: 118537202).
Titel
De theriaca.
Incipit
192r <π>ολλῆς οὔσης διαφωνίας περὶ τὰς γραφικὰς ἀποδείξεις .
Explicit
193v γὰρ τοῦτο μείνη, δϊα τὶ τρησϊν αὐτης [sic].

6) 193v Digitalisat

Verfasser
Pseudo-Dioskurides (GND-Nr.: 118843400).
Titel
De confectione theriacae.
Incipit
193v <φ>έρονται οἱ ἔχεις· καὶ.
Explicit
193v βάλλεσθαι· ἄρτων ἐν ἓν.


Bearbeitet von
Paul A. Neuendorf, Universitätsbibliothek Heidelberg, 13.11.2020.
Katalogisierungsrichtlinien
Die Katalogisierungsrichtlinien finden Sie hier.
Gefördert durch
The Polonsky Foundation Greek Manuscripts Project: a Collaboration between the Universities of Cambridge and Heidelberg – Das Polonsky-Stiftungsprojekt zur Erschließung griechischer Handschriften: Ein Gemeinschaftsprojekt der Universitäten Cambridge und Heidelberg.