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Kautzsch, Rudolf
Diebolt Lauber und seine Werkstatt in Hagenau — Stuttgart, 1895

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https://doi.org/10.11588/diglit.2169#0012
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von Dr. R. Kautzsch. 11

Wir wenden uns demnach jetzt den erhaltenen Hss. Diebolt
Laubers zu und prüfen sie auf jene Gesichtspunkte hin.

Wir kennen folgende Hss. mit Bücheranzeigen Diebolt Laubers :

1. Hs. eines deutschen Psalters, von Mone in den Schriften des
Alterthums - Vereins für das Grossherzogthum Baden II. 1846. S. 254
folgendermassen besprochen: „In einem teutschen Psalter des XV. Jahr-
hunderts zu Lichtenthai, in gross Duodez, steht vorn und hinten
folgende gleichzeitige Notiz:...') „was materien man gerne hat von
hübschen büchern gross oder dein, geistlich oder weltlich, hübsch ge-
molt, die findet man alle by diebolt louber schriber zu hagenow."
Die ganze Notiz, sowie auch die Hälfte der Hs. ist von Laubers Hand."
Nun zeigt der Katalog v. K. Trübner in Strassburg zur Versteigerung am
23. Oct. 18862) auf Seite 10 unter Nr. 34 folgende Hs. an: Deutscher
Psalter. Perg.-hs. des XV. Jahrhunderts. Geschrieben von Diebold Louber
in Hagenau. Kl. 8°. Rother Lederband. 172 Bll. Einspaltig. Von 2
Händen geschrieben, die 2 te (Loubers) beginnt auf Blatt 106. Mit
vielen kleinen rothen Initialen. Am Ende: Hie hat der tütsche psalter
ein ende, des frowent sich myn diebolt loubers hende.

Ferner auf dem innern Blatt des Rückdeckels: „was materien
man gerne hat von hübschen büchern gross oder dein geistlich oder
weltlich hübsch gemolt die findet man alle by diebolt louber schriber
zu hagenow." Beachten wir, dass alles, was Mone über den Psalter,
den er in Lichtenthai sah, sagt, völlig mit der hier gegebenen Be-
schreibung übereinstimmt, und beachten wir ferner, dass der genannte
Trübnersche Katalog eine ganze Reihe Hss. aufweist, die aus dem
Kloster Lichtenthai in den Besitz der Firma Trübner gelangt sind, so
ist kein Zweifel, dass die beiden hier besprochenen Psalter identisch sind.

Bei der Versteigerung am 23. Oct. erstand die Kaiserl. Univer-
sitäts- und Landesbibliothek Strassburg den Psalter, der seitdem die
Signatur L 513 führt. Es ist also derselbe, den Walther, die deutsche
Bibelübersetzung des M.-A., auf Spalte 627 bespricht. Wir merken
hier an, dass die ganze Anlage und äussere Ausstattung der Hs. sehr
gut zu allem passt, was wir nach dieser Seite den Erzeugnissen unserer
Werkstatt entnehmen können. Weiter erhält dadurch, dass hier zwei
Hände deutlich zu unterscheiden sind, die Annahme, dass Lauber
Arbeiter unter sich hatte, wie wir gesehen haben, eine kräftige Stütze.
Endlich muss erwähnt werden, dass die Hand Diebolt Laubers, wie
wir sie aus dem beigegebeuen Facsimile des Auctionskatalogs kennen
lernen, durchaus .identisch ist mit der Hand, welche die Anpreisungen
in den unter 2 und 6 aufgeführten Lauberhandschriften (s. S. 16) schrieb.
Darnach hat Diebolt Lauber alle uns erhaltenen Bücheranzeigen, soweit
sie sich in Hss. seiner Werkstatt finden, selbst geschrieben.

2. Hs. der Kgl. Bibliothek zu Berlin (ms. germ. fol. 18): Flore
und Blanscheflur.3)

1) Es folgt zunächst der Brief o. S. 5 bis: glose dis buehs gar
hübsch etc. Dann geht es weiter: was materiell ....

2) Mit Facsimile.

3) Vgl. Sommer, Flore u. Blanscheflur S. 36.
 
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