12 Piebolt Lauber und seine Werkstatt in Hagenau
fol. pap. XV. Jahrhundert. 199 Bll. Einspaltig, von einer Hand.
Kothe Überschriften und Anfangsbuchstaben, erste Buchstaben aller
Verszeilen roth durchstrichen. Zu 36 Bildern der Raum ausgespart: keines
ausgeführt. Anfangsinitial (W) ohne Figuren und nicht farbig behan-
delt, sondern nur kalligraphisch - ornamental in schwarzer und rother
Tinte verziert. Doch sind die Blätter und Ornamente, die sich an den
Buchstabenkörper ansetzen, durchaus die in unserer Werkstatt üblichen.
fol. 1 (roth): ving an tertia post quasimodogenity.
fol. 2 (roth): Item zu hagenowe vil hübscher buchere geistlich
oder weltlich hübsch gemolt by diebolt louber schriber und gute la-
tinsche buchere.
fol. 3 (roth): Hie hebet sich an dis büches Cappittel das do ge-
nant ist flore und Blantscheflur und saget von gar grosser liebe .. .
und ist mit den figuren gar hübsch gemolt.
Folgt das Kapitelverzeichniss mit 61 Kapiteln.
fol. 7 (roth): Hie fohet an das löbenliche buche das uns saget
von floren und von Blantscheflur.
Welliehen got also getinret hat
Daz gar sine synne zu tilgenden stat u. s. f.
Wenn auch die Hauptsache, der Bilderschmuck, fehlt, so gewährt
diese Handschrift doch allerlei Auskunft. Zwar die beim Einband
verwandte Hagenauer Pergamenturkunde von 1460 lehrt uns über die
Entstehungszeit des Textes nichts. Aber die ganze äussere Ausstattung
des Buches ist so sehr die in unserer Werkstatt übliche, dass wir
davon Kenntniss nehmen müssen. Dass der Initialenschmuck die-
selbe Verwandtschaft zeigt, wurde schon erwähnt.
3. Z. f. d. A. III, 191—192 spricht M. Haupt von den Bücher-
anpreisungen Laubers, erwähnt die Anzeige im palat. 314 (s. unter 5)
und fährt fort: „Abschrift eines ähnlichen Verzeichnisses, von dem
Stirnblatte einer gleichzeitigen Berliner Hs., welche die Legende der
heiligen drei Könige enthält, habe ich vor Jahren durch die Güte des
Herrn Kustos Dr. Gottlieb Friedländer erhalten. Indem ich dieses Ver-
zeichniss hier abdrucken lasse, füge ich zur Bequemlichkeit Zahlen hinzu.
Item welcher Hände bücher man gerne hat, gross oder klein,
geistlich oder weltlich, hübsch gemolt, die findet man alle bei Diebolt
Louber schriber in der bürge zu Hagenow. 1. Item das grosse buch"
u. s. f., s. die Anlage.
Ich habe nun in Berlin Nachforschungen nach dieser Hand-
schrift angestellt, konnte sie aber nicht finden: weder die Königl.
Bibliothek, noch das Kupferstichkabinet bewahrt sie, und die Verwal-
tung der erstgenannten Anstalt hat mir bereitwillig bestätigt, dass die
Kgl. Bibliothek nie im Besitz eines entsprechenden Werkes gewesen
sei.1) Wenn sich die Handschrift also einmal in Berlin befand, so
1) Wie Gottlieb, mittelalterliche Bibliotheken S. 50 unter „Louber* auf
die Signatur „Berliner Hs. No. 1314" kommt, weiss ich nicht. Sehr ein-
leuchtend vermuthete die Verwaltung in Berlin, dass eine Verwechslung mit
dem palat. 314 vorliege. S. unter 5 S. 14.
fol. pap. XV. Jahrhundert. 199 Bll. Einspaltig, von einer Hand.
Kothe Überschriften und Anfangsbuchstaben, erste Buchstaben aller
Verszeilen roth durchstrichen. Zu 36 Bildern der Raum ausgespart: keines
ausgeführt. Anfangsinitial (W) ohne Figuren und nicht farbig behan-
delt, sondern nur kalligraphisch - ornamental in schwarzer und rother
Tinte verziert. Doch sind die Blätter und Ornamente, die sich an den
Buchstabenkörper ansetzen, durchaus die in unserer Werkstatt üblichen.
fol. 1 (roth): ving an tertia post quasimodogenity.
fol. 2 (roth): Item zu hagenowe vil hübscher buchere geistlich
oder weltlich hübsch gemolt by diebolt louber schriber und gute la-
tinsche buchere.
fol. 3 (roth): Hie hebet sich an dis büches Cappittel das do ge-
nant ist flore und Blantscheflur und saget von gar grosser liebe .. .
und ist mit den figuren gar hübsch gemolt.
Folgt das Kapitelverzeichniss mit 61 Kapiteln.
fol. 7 (roth): Hie fohet an das löbenliche buche das uns saget
von floren und von Blantscheflur.
Welliehen got also getinret hat
Daz gar sine synne zu tilgenden stat u. s. f.
Wenn auch die Hauptsache, der Bilderschmuck, fehlt, so gewährt
diese Handschrift doch allerlei Auskunft. Zwar die beim Einband
verwandte Hagenauer Pergamenturkunde von 1460 lehrt uns über die
Entstehungszeit des Textes nichts. Aber die ganze äussere Ausstattung
des Buches ist so sehr die in unserer Werkstatt übliche, dass wir
davon Kenntniss nehmen müssen. Dass der Initialenschmuck die-
selbe Verwandtschaft zeigt, wurde schon erwähnt.
3. Z. f. d. A. III, 191—192 spricht M. Haupt von den Bücher-
anpreisungen Laubers, erwähnt die Anzeige im palat. 314 (s. unter 5)
und fährt fort: „Abschrift eines ähnlichen Verzeichnisses, von dem
Stirnblatte einer gleichzeitigen Berliner Hs., welche die Legende der
heiligen drei Könige enthält, habe ich vor Jahren durch die Güte des
Herrn Kustos Dr. Gottlieb Friedländer erhalten. Indem ich dieses Ver-
zeichniss hier abdrucken lasse, füge ich zur Bequemlichkeit Zahlen hinzu.
Item welcher Hände bücher man gerne hat, gross oder klein,
geistlich oder weltlich, hübsch gemolt, die findet man alle bei Diebolt
Louber schriber in der bürge zu Hagenow. 1. Item das grosse buch"
u. s. f., s. die Anlage.
Ich habe nun in Berlin Nachforschungen nach dieser Hand-
schrift angestellt, konnte sie aber nicht finden: weder die Königl.
Bibliothek, noch das Kupferstichkabinet bewahrt sie, und die Verwal-
tung der erstgenannten Anstalt hat mir bereitwillig bestätigt, dass die
Kgl. Bibliothek nie im Besitz eines entsprechenden Werkes gewesen
sei.1) Wenn sich die Handschrift also einmal in Berlin befand, so
1) Wie Gottlieb, mittelalterliche Bibliotheken S. 50 unter „Louber* auf
die Signatur „Berliner Hs. No. 1314" kommt, weiss ich nicht. Sehr ein-
leuchtend vermuthete die Verwaltung in Berlin, dass eine Verwechslung mit
dem palat. 314 vorliege. S. unter 5 S. 14.



