Kautzsch, Rudolf
Diebolt Lauber und seine Werkstatt in Hagenau — Stuttgart, 1895

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Bibliothekswesen.

XII. Jahrgang. 2. u. 3. Heft. Febr.-März 1895.

Dienolt Lauber und seine Werkstatt in Hagenau.

(Fortsetzung und Schlnss.)

Viertes Kapitel.

Die Zeichner und ihre Werke.
A.i)

Von dem ersten Zeichner unserer Werkstatt ist vor allem zu
rühmen, dass kein anderer so sehr Herr über seine Hand ist, wie er.
Keiner bleibt so sehr durch alle seine Werke hindurch sich gleich.
Keiner vermag aber auch so gut wie er seinen Gebilden den Schein
sauberer, abgewogener, in gewissem Sinne selbst vollendeter Existenz
zu geben. Wie es unmöglich ist, die Hss., die im Folgenden aufzu-
zählen sind, chronologisch streng zu ordnen, weil er in jeder einzelnen
alle wesentlichen Merkmale zeigt, die der Gesammtheit zukommen, so
sind auch alle diese Hss. frei von den Absonderlichkeiten, den Ro-
heiten, welche fast bei allen Zeichnern der Gruppe mitunter begegnen.

Seine Technik ist die des ausgebildetsten Strichstils, um die
eben genauer umschriebene Bezeichnung anzuwenden. Er setzt die
Feder leicht an und führt Strich um Strich mit einem Druck, an-
und abschwellend, aus. Dabei ist der Umriss so keck, dass er an
gewissen Stellen, z. B. den eingebogenen Fingern einer Hand, gar
nicht geschlossen ist, ohne dass man dies sofort bemerkte.

Die Zeichnung ist fast ganz aus freier Hand geführt. Nur bis-
weilen wird zur Darstellung von Architectur, eines überlangen Schwertes
und dergl. das Lineal zu Hilfe genommen. Die Feder giebt im wesent-
lichen nur den Umriss und die notwendigste Innenzeichnung. Auch
die Gewandfalten bestehen nur aus einzelnen Strichen. Doch kommt
bisweilen ein Schraffieren vermittelst Strich- und ganz vereinzelt auch
Kreuzlagen vor. Aber das ist mehr als missverstandene Wiederholung
einer anderswo abgesehenen Gewohnheit zu betrachten: die Bedeutung
der Schraffierung für die körperliche Rundung eines Bildes ist dem
Zeichner ganz unbekannt, Schatten hat vielmehr die Bemalung zu ver-

1) Dies ist, um das hier vorauszunehmen, der Zeichner, dem schon
Lamprecht, Repert. VII S. 41 Off. mit scharfem Blick vier Hss. zugewiesen
hat. Nur mit dem Konstanzer Richentalcodex hat er nichts zu thun. Vgl.
meine Besprechung der Richentalhss. in der Oberrh. Ztschrft. 1894.

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