Kautzsch, Rudolf
Diebolt Lauber und seine Werkstatt in Hagenau — Stuttgart, 1895

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von Dr. R. Kautzsch. 87

zu sehen. Beweis (vergl. Merzdorf a. 0. S. 9 ff.) ist das gereimte hohe
Lied, in unserer Hs. (343c) Kapitel 350 mit der Aufschrift: Dis sint
Salomons gedihte von der Heidin wegen. Die Kapitel vom Entchrist
und jüngsten Gericht stehen (als Kapitel 387 und 388) am Ende der
alten E.

Die Geographie nach der Sündfluth fehlt nicht, aber es sind aus
der Historienbibel II nur 9 Kapitel, statt der sonst üblichen 27, über-
nommen. Ebenso ist nicht der ganze Psalter eingeschoben, sondern
nur eine Aufzählung sämmtlicher Psalmanfänge. Das Marienleben ist
als nuwe E in besonderem Bande beigegeben. Genauer werden wir
darnach unsere Historienbibel als in der Mitte stehend zwischen Ia
und Ib bezeichnen dürfen: sie theilt mit Ib die Erweiterungen gegen-
über I a, aber nicht im vollen Umfang. Wir werden also die St. Galler
Historienbibel etwa vor C (Merzdorf S. 40) einreihen.

Hier ist nur noch ein Wort über die Bemalung des Werkes zu
sagen. Diese ist keineswegs durch alle Bilder hindurch eine gleich-
massige. Doch berechtigen die Unterschiede kaum zur Annahme ver-
schiedener Maler. Es kommen vor die Farben Schwarz, Kaffeebraun
(ziemlich hell), Rothbraun mit einem Strich ins Violett, brandiges Roth,
Karminroth, stumpfes Rosa, Gelb, helles Gelbgrün, Blau (sowohl hell,
als verwaschen). In einzelnen Theilen des Buches waltet ein lichter
Farbenauftrag vor, in andern die Modellierung in zwei Tönen einer
Farbe (Rosa-Dunkelroth, Hellgrün - Dunkelgrün, Kaffeebraun-Schwarz-
grau), oder in zwei verschiedenen Farben (Gelb und Grün, Violettroth
und Rothbraun, Gelb und Rosa, Blau und schwärzliches Kaffeebraun.)

II.

Universitätsbibliothek, Heidelberg (palat. germ. 19):
Deutsche Bibel1) (erster Band).

Vgl. Bartsch No. 13. Wilken S. 314. Zur Ausstattung vgl.
AXVI.

Hier haben wir es mit dem 1. Band des Werkes zu thun, der
nächst einer Vorrede die fünf Bücher Mose und das Buch Josua enthält.

Darnach zählen wir sieben Bilder und sieben Initialseiten, deren
erste (fol. 2) jedoch von anderer Hand ist, s. unter K VII. Über die
Bemalung ist nur zu sagen, dass sie von der der vorher beschriebenen
Hs. ziemlich stark abweicht. So tritt hier wieder jenes glänzende,
lackartige Rothbraun auf, das wir bei A stets zu verzeichnen hatten.
Über die Person des Malers ist indessen nichts sicheres anzugeben.

H.

Es wurde oben schon angedeutet, dass vor der Historienbibel
in St. Gallen eine Wappentafel von anderer Hand steht. Wenden wir
dieser Darstellung noch einen Augenblick unsere Aufmerksamkeit zu.
Sie nimmt die ganze Seite ein. Auf einer Wiese, welche überreich

1} Walther, deutsche Bibelübersetzung Sp. 304 ff. und Sp. 405.
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