Kautzsch, Rudolf
Diebolt Lauber und seine Werkstatt in Hagenau — Stuttgart, 1895

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von Dr. E. Kautzsch. 101

läge der Hss. bei D. Lauber, H. Schilling und den genannten Zeich-
nern): nur als Zeichner solcher Initialseiten ist H. Schilling selbst
neben seinen Werkstattgenossen in einer Hs. nachweisbar.

VIII.

Wenn die eben angeführte Initialseite nach rückwärts eine ver-
bindende Kraft ausübte, so thun uns zwei Blätter, die wir schon an
dieser Stelle besprechen wollen, nach vorwärts denselben Dienst, In
einer sofort näher zu beschreibenden Historienbibel in Wolfenbüttel
begegnet uns nicht nur durchaus derselbe Schreiber wie in der Ham-
burger Bibel (s. o. K II), dessen besonders kurze und starke Schriftzüge
wir oben schon als auffallend angemerkt haben, sondern auch die
Textanfänge mit den Buchstaben R und M sehen geradezu aus, wie
nach den gleichen Darstellungen der Hamburger Bibel copiert. Wir
könnten uns dabei beruhigen und die Frage nach dem Urheber in der
Schwebe lassen: dass ein und derselbe Arbeiter hier und dort ge-
zeichnet und gemalt hat, scheint zweifellos. Aber die Art der Aus-
führung erinnert so stark an Schilling, dass wir ihm ohne Bedenken
auch diese zwei Seiten zuschreiben. Die Buchstaben sind mit kräftigen,
von innen heraus in Deckfarben modellierten Blättern gefüllt. Die
Vorzeichnung zeigt alle Schilling eigenen Züge. Der Umstand, dass
in der Wolfenbütteler Bibel weder vor dem Alten noch vor dem Neuen
Testament ein Titelbild steht, veranlasst mit Bezug auf die Hamburger
Bibel, wo diese Bilder in Deckfarben ausgeführt nicht fehlen, die Ver-
muthung, es könnte urspr. auch hier der Antheil Schillings an dem
Schmuck der Bibel grösser gewesen sein, die von ihm in Deckfarben
gemalten Vorsetzbilder wären aber, wie so häufig, herausgeschnitten
worden.

In Form und Farben berühren sich diese Initialen eng mit denen
der Kolmarer Reimbibel und der Heidelberger Bibel, nur dass diese
nicht in Deckfarben modelliert sind.

IX.

Endlich schliessen wir hier noch den Hinweis auf die bereits
erwähnten Initialseiten in den Historienbibeln zu München (AV) und
St. Gallen (Gl) an. Auch diese drei Blätter sind, wie schon oben
a. a. 0. ausgeführt wurde, von der Hand Schillings.

L—K.

Die oben erwähnte Bibel in Wolfenbüttel weist Zeichnungen von
dreierlei Hand auf. Sie wurde (oben S. 21 Anm.) bei der Gesammtbe-
sprechung der Art und Kunst unserer Werkstatt ausdrücklich ausge-
nommen, denn sie zeigt, dass sich selbst eine so gefestete Überlieferung,
wie die dort besprochene, auf die Dauer den Fortschritten freierer
Zeitgenossen nicht verschliessen konnte. Hier haben wir also eine
Charakteristik dieser Zeichner nachzuholen.
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