Müller, Emil
Überlieferung des Herpin von Burges ( Halle-Wittenberg, Univ., Diss.) — Halle, 1905

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Wilhelmi weist weiter noch Einwirkungen der Chanson
Huon de Bordeaux und Übereinstimmungen mit Richars li Biaus
nach. — Vgl. R. Köhler, Kleinere Schriften, 2, 264.

Von wem die französische Chanson in deutsche Prosa über-
tragen wurde, wissen wir nicht. Es liegt nahe, an die Gräfin
Elisabeth von Nassau - Saarbrücken zu denken, die 1437 Loher
und Maller, ebenso den Hug Schapler, ins Deutsche übertrug;
vgl. Bolte, Die schöne Magelone S. XXXIII ff. Gewifsheit können
hier nur genaue stilistische Untersuchungen über diese drei
Werke bringen; vgl. D. Zücken in der Allg. Zeitung 1903 Bei-
lage Nr. 128, 129.

Die Sprache der erhaltenen Handschriften weist in nieder-
rheinische Gegenden; namentlich die Braunschweiger Handschrift
zeigt starke niederdeutsche Anklänge.

Der Herpin erfreute sich grofser Beliebtheit. Michel Härder
verkaufte auf der Fastenmesse 1567 77 Exemplare des Romans.
(Mefsmemorial des Frankfurter Buchhändlers M. H. hg. von
Kelchner und Wülcker 1873.)

Auch Jakob Püterich von Reichartehausen hat in seinem
Ehrenbrief (1462) an die Erzherzogin Mechtild unsern Roman
erwähnt, wenn wir mit Scherer (Q. F. 21,18) Harpeine Lewen
vatter für graf Fr eine leouen weller lesen. Die Berechtigung
dieser Korrektur bezweifelte Ph. Strauch im Anz. f. d. Alt. 28,59;
sie wird jedoch durch E. Martin gestützt, der in seiner Ausgabe
Hermanns v. Sachsenheim S. 29 Anspielungen Hermanns auf den
Herpin, den er wohl durch Mechtild kennen gelernt habe, im
Spiegel nachweist. Den Spiegel setzt Martin in die Jahre 1451
bis 1453; daraus folgt, dafs die Übersetzung des Lion in deutsche
Prosa in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts fällt.

Moscherosch zitiert in seinen Gesichten Philanders von
Sittewald „Ritter Low" (Bobertag 16,18) und „König Low" (93,27).

Wickrams Goldfaden soll nach Bolte 2,28 in der Figur der
Löwin die Löwin nachahmen, die Herpins jungen Sohn im Wald
findet und säugt.

Über das Verhältnis des Lion de Bourges zur Rittertreue
(v. d. Hagen Gesamtabenteuer 1, 97) siehe Wilhelmis Dissertation
S. 56 und 62.

Einen isländischen Roman Herpeni ducis et Leonis filii eius
nennt Einari in seiner Historia literaria Islandiae S. 103. Ich
habe nichts Näheres über ihn erfahren können.
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