Abraham
Mala Gallina, Malum Ovum, Das ist: Wie die Alten sungen, so zwitzern die Jungen: Im Zweyten Centi-Folio Hundert Ausbündiger Närrinnen Gleichfalls in Folio, Nach voriger Alapatrit-Pasteten-Art, So vieler Narren Generis Masculini, Anjetzo auch Mit artigen Confecturen, Einer gleichen Anzahl Närrinnen Generis Foeminini, Zum Nach-Tisch, Allen Ehr- und Klugheit-liebenden Frauenzimmer zur lustigen Zeit-Vertreib und wohlgemeinten Warnung In Hundert schönen Kupffern moralisch vorgestellt — Wien, 1713 [VD18 14661225]

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Bäurische Närrin.
Herrn mit weinenden Augen/vorgebend/ wie daß der leichtfertige
Hauß-Pfleger ihr habe wollen Gewalt anchun / worauff der Puti-
xhar ohne weitere Erwcgung den unschuldigen Jüngling in ein fin-
stere Kelchen geworffen. Da solte man gehört haben/ wie lobwür-
big er allenthalben von seiner Frauen geredet/ vorderist zu Hoffrhäte
er über alle Maßen die Treu seiner Frauen hervor streichen / wag
Wolke l.ucrec,g gegen ihr seytt ? Glückseclig/ und aber glückseelig seye
er /daß er ein so ehrliches und redliches Weib bekommen. Ach List!
Weiber List! wie groß bist du?

Bäurische Närrin.
MeAß der Bauern-Stand unter andern Ständen der glückseelig-
sie sey/braucht nicht viel probiren. Denn derjenige Stand
ist der glückseeligste/in welchem der Mensch frölicher lebet / ruhige«
wohnet / tröstlicher stirbt / und nach dem Tod reichlicher belohnet
wird. Aber also/ und nicht anders ist der Bauern-Stand. Ich
probire solches mit folgenden Punkten: Dann erstlich ist der Bau-
ern-Stand glückseelig zu schätzen/ wegen der guten Ruhe und Si-
cherheit. Freylichhaben die Bauers Leuth viel Mühe und Arbeit
draussen aufden Feldern/ Wiesen und Aeckern/svnderlich zur Som-
mers-Zeit: Sie müssen offt den gantzen Tag hart arbeiten / das
Brod im Schweiß ihres Angesichts gewinnen/ mit schlechter Kost
vorlieb nehmen. Aber der Hunger ist eine gute Sach/ die rockene
Nudl und Knedl schmecken ihnen manchs mahl besser/ Meinen vor-
nehmen Herrn ein fetter Cappaun/ oder gespickter Haaß > Haben sie
nicht viekgute Schlecker-Bissel? Essen sie doch mit gmer Rube/ha-
ben nicht viel Sorgen/ nicht viel Anlauff/schmecket ihnen alles gar
wohl/ als wann sie bey der besten Mahlzeit wären/ und kommt ihnen
ihr grobe Kost viel lieblicher vor/als manchen Fürsten oder Potenta-
ten seine prächtige Mahlzeit.Wie man denn liefet von einen gewissen
König / welcher sich einsmahis aufder Jagd im Wald also verirrt/
D - daß
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