Abraham
Mala Gallina, Malum Ovum, Das ist: Wie die Alten sungen, so zwitzern die Jungen: Im Zweyten Centi-Folio Hundert Ausbündiger Närrinnen Gleichfalls in Folio, Nach voriger Alapatrit-Pasteten-Art, So vieler Narren Generis Masculini, Anjetzo auch Mit artigen Confecturen, Einer gleichen Anzahl Närrinnen Generis Foeminini, Zum Nach-Tisch, Allen Ehr- und Klugheit-liebenden Frauenzimmer zur lustigen Zeit-Vertreib und wohlgemeinten Warnung In Hundert schönen Kupffern moralisch vorgestellt — Wien, 1713 [VD18 14661225]

Page: 163
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/abraham1713/0237
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Garten-Närrin. «6 Z
denPoffen allzu woll / aber was thut der Narr nicht aus Lieb ? Er
last einspannen/die Zeit ist schön/ der angenehme Frühling ladet zu
allerhand Spatzier-Fahrrenem / bald nacher einem Dorff/ bald in
einen Garten/bald mein Lust Hauß/ da kommen die jungen Wei-
her / (weil die Männer Kege! scheiben/) unter denenDäumern oder
anderswo zusammen / unterreden sich mit einander/ wie sie von ihren
Männern werden: Die eine sagt: GOtt seyLob und Danck!
Ich habe es mit meinem Mann recht wohl getroffm/er schafft mir al,
les / er last mir alles machen/was er mir nur an Äugen ansiehet/ das
thut er mir. Frau Gefarrerin! Wie verhalt sich dann der ihrige ?
Mich dunckt/ er ist ein Kallmeuser? Das klag ich/ GOtt erbarm es!
Antwortet die ander: Mein Manmstfreylichwol ein Kallmeuser/
ein Scblentzel / ein Knicker / ein Haller-Mannel / ein Erbs-Zehler/
er schafft mirja nicht einen Fetzen / ja so gar nicht einmal ein Elen zu
einemManto: nicht ein seidenes Tüchel/ er erlaubet mir nicht ein,
mal in eine Gesellschafft Zu kommen/ und weiß ich nicht/ wasden
groben ungeschlieffenen Tölpel angekommen? daß er mir die heutige
Spatzier-Fahrt im Garten erlaubet/ wollte GOtt! Daß es ein Zei-
chen wäre seines Todes/ -amitich einest dieses ungeschlachtenSchle-
gels möchte loß werden / er ist ohne dem keines ehrlichen Weibs
werrh/ re Mehr dergleichen Ploder-und Narren Werck führen
die Weiber/ wann sie in denen Spatzir Fahrten zusammen kommen/
worauf dann nichts als Hitzigkeiten und Verdruß gegen ihre Män-
ner folger. Dann begehrt das Weib im ersten Ehestand einmal et-
was von dem Manne / und erhalts / so begehrt sie selbiges in vierze-
hen Tagen wieder / in drey Wochen wieder/ in einemMonar wieder/
in sechs Wochen wieder/ in einem viertel Jahr wieder / und so durch
das gantze Jahr: Es ist nur um eine eiutzige abschlägige Antwort zu
thun / so ist die Suppen versch ürr / und der Drey verbrennt/ und das
Weib wird sich mit nächsterGelegenheit an dem Manne rächen/und
solle es auch in ihrer / der Frau Gcfarterin finstern Kammer seyn;
Es gibt bcy denen Spatzier-Fräulein Gelegenheit genug die Wei-
ber-NarrenmitHörnernzucrönen. X r Der
loading ...