Die angenehmen Zeitvertreibe, in den Erzählungen des Herrn von Adelsberg — Frankfurt am Main, 1767 [VD18 14316323]

Seite: 31
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/adelsberg1767/0033
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
WM WM zr
che Minuten daselbst befand, so fieng ich an zu
sehen, und meine Augen sahen sich an diesem Or-
te, wo ich so sehr gewlmschet harre zu seyn, recht
begierig um.
In Erwartung des Schauspieles bemühere
ich- mich indessen, den besten Platz vor mich aus-
zulesen, und ich denke, daß ich mehr als zwan-
zig mal umwechselte, ehe ich einen fand, wo ich
alles, wie ich wollte, nach meinem Kopfe sehen
konnte, und blos die Müdigkeit machte es, daß
ich mich bey Yem letzten Platze noch beruhigte.
Unterdessen fangen sich die Leute an zu versam-
meln, und nach und nach fiengen sie an, ihre
Ungeduld mit mir zu tbeilen. Etliche liessen
sie durch Schreyen und lautes Reden bemerken,
andere klopften mit ihren Stöcken auf dis Bän-
ke, manche pfiffen, und sehr viele stampften mit
den Füssen und den Stöcken zugleich; kurz: alle
zusammen machten ein so betäubendes Geräusch,
und welches dabey so unangenehm war, daß, ich
versichere es, wenn ich nicht so sehr begierig ge-
wesen wäre, Komödie spielen zu sehen, gewiß
davon gelaufen wäre.
Nunmehro kam der Augenblick, wo man
anfangen wollte zu spielen, und in eben dem Au-
genblicke, da man den Vorhang der Schau-
bühne aufzog, eben in derselbigen Minute trat
eine sehr lange Mannsperson vor mich, und ich
konnte vor ihr nichts sehen; denn sie war Kopfes
län-
loading ...