Die angenehmen Zeitvertreibe, in den Erzählungen des Herrn von Adelsberg — Frankfurt am Main, 1767 [VD18 14316323]

Seite: 56
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/adelsberg1767/0058
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
56 «MW MM
für einen Gegenstand der Freude angesehen: so
rechnet man oftmals die blosse menschliche Natur
einer Frauen schon als eine ihr eigene Unvollkom-
menheit oder Schwachheit an.
Die weise Regel, -aß man sich allemal
in einer gefälligen Gemüthsverfassung zu er-
halten trachten soll/ muß zwar beyallenVor-
fallen des Gebens, insonderheit aber im häusli-
chen Stande und in der Ehe, beobachtet wer-
den. Dich aber kann nicht anders geschehen,
als wenn man jedes Ding in seinem gehörigen
Lichte betrachtet, und so, wie es die Natur ge-
macher hat, nicht aber, wie unsere Einbildungs-
kraft oder unsere Lust selbiges haben möchte,
Derjenige Junggeselle, der ein junges
Frauenzimmer heyrathet, und bey ihr nichts an-
ders als lauter Lust und Vergnügen vermuthet,
und der sie bloß, wie ich schon gesagt habe, als
die Stillung aller seiner Wünsche ansieht; der
wird, so bald er etwas gesattiget ist, sich ohne
ihre Schuld einbilden, daß ihre Anmutb und ihr
W 'rth abgenommen hat; und sogleich folgen die
Gleichgültigkeit, der Eckel, der Widerwillen
und der Haß auf dem Fusse nach. Der Mann
aber, der seine Liebe durch die Vernunft unter-
stützet, und seine Geliebte als eine Person an-
sieht, die allen Zufällen des menschlichen Lebens
am Gcmüthe und Leibe unterworfen ist, und
welche, es gehe so frölich als es immer möglich
loading ...