Die angenehmen Zeitvertreibe, in den Erzählungen des Herrn von Adelsberg — Frankfurt am Main, 1767 [VD18 14316323]

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den Trieb zum Soldatenstande nicht zu hindern.
Man kaufte ihm also eine Lieutenantsstelle, und
er bezog im sechzehnten Jahre sein Quartier.
So mmhig war kein Achilles, als unser
Held, da er dec Wachparade zum erstenmale
beywohme. Noch itzo bildete er sich ein, seine
Tapferkeit ungehindert fortsehen zu können. Noch
itzo verlangte er von denOsftciers, die ihn; theils
am Stande gleich, theils weit über ihn erhaben
waren, noch die Ergebenheit, welche ihm dieUn-
terthanen seines Vaters leisten mußten. Es setz-
te sehr viele Verdrießlichkeiten, die zwar das
Geld noch immer wieder schlichtete- Doch seine
Begierde, durch Tapferkeit groß zu werden,
ward nur desto unbändiger. Je älter er ward,
je roher und ungezogener ward er. Endlich, da
sich der wilde Junker so weit vergieng^ seinen
Degen ge^en einen seiner Vorgesetzten zu zucken,
so ward noch zu hoher Gnade, die verwirkte To-
desstrafe in ein ewiges Gefängniß verwandelt;
und unser Waghals starb vor Verdruß in erli-
chen Monaten drinne. Also fiel seine Größe
und die so feste Hofnung der Eltern auf einmal,
und man kann daraus diese Sittenlehre ziehen,
daß die Tapferkeit kein untrügliches Mittel sep,
groß zu werden.
So muß man seine Zuflucht zu andern
Natbschlägen nehmen, fällt mir ein Liebhaber
des Weins halb stammelnd in die Rede, Man
trinke,
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