Die angenehmen Zeitvertreibe, in den Erzählungen des Herrn von Adelsberg — Frankfurt am Main, 1767 [VD18 14316323]

Seite: 120
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Dieser mein Freund war damals ein jun-
ger Umläufer in der gelehrten Welk, und eben
mit einer guten Ladung von Griechischem und
Lateinischem zur hohen Schule ausgerüstet. Sei-
ne Freunde waren entschlossen, daß er sein Glück
bey einer Wahl versuchen sollte, die nahe bey
dem Collegio, wovon obgenannter großer Mann
Vorsteher war, gehalten werden sollte.
Dieser junge Mensch gierig , wie gewöhn-
lich, zu ihm, um sich prüfen zu lassen. So
bald er an Die Thüre kam, empfieng ihn ein
Dimer, der auch ein Zögling von dem schwer-
müthigen Geschlechte war, welches damals re-
gierte. Der Bediente führte diesen Jüngling
mit einem sehr ernsthaften und tiefen Stillschwei-
gen, durch einen langen Gang, der bey Hellem
Mittage ganz schwarz verhangen war, und an
dessen Ende eine einzige Lampe brennte. Nach*
dem sich unser gelehrter Jüngling in diesem trüb-
seligen Behältnisse eine ziemliche Weile aufhalren
müssm, ward er in ein Zimmer geführt, welches
wiederum schwarz bezogen war, und wo er sich
sinige Zeit bey dem dunkeln Scheine eines Wachs-
Zichtts gedulten mußte: bis endlich das Ober-
haupt des Kollegii aus einem andern Zimmer,
ckit einem halben Dutzend Schlafmützen auf dem
Kopfe, und einem andächtigen Schrecken im
Gesichte, zu ihm kam.
Der junge Mensch zitterte und bebsre; al-
lein sime Angst nahm um ein großes zu - als er
nicht
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