Die angenehmen Zeitvertreibe, in den Erzählungen des Herrn von Adelsberg — Frankfurt am Main, 1767 [VD18 14316323]

Seite: 122
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/adelsberg1767/0124
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
irr

WW KKW

den Art zu leben einen Gefallen haben, und sich
selbst dem Grame und der Schwermuch zum
Raube geben. Abergläubische Furcht und
fürchterliche Einbildung, ungegründete Zweifel
beschneiden ihnen alle Anmut!) des Umganges,
und alle solche gesellschaftliche Vergnügungen, die
nicht unter die gewinnsüchtigen und verderblichen
Wagespiele der Menschen zu rechnen, gleich als
vb die Freude nur für die Verworfenen, und die
Munterkeit des Herzens und Gemüths nur de-
nen versaget wäre, die eben den meisten Anspruch
drauf haben sollten.
Jener Niedergeschlagene ist ein solcher Sohn
der Schwermuch. Er hält es beynahe für seine
unverbrüchliche Schuldigkeit, niedergeschlagen,
und gleichsam wie ohne Trost zu seyn. Er hält
ein ohngefähres Lachen für eine schwere Ueber-
rretung seines Taufbundes: und ein unschuldiger
Spas erschrecket ihn, als wäre er eine Gottes-
lästerung. Man sage ihm, daß dieser oder der,
einen höher« Titel und Ansehen bekommen; so
hebt er die Augen und Hände gen Himmel. Man
beschreibe ihm einen öffentlichen Aufzug; so schüt-
telt er sein Haupt und seufzet. Man zeige ihm
eine prächtige Kutsche und kostbaren Hausrath,
so machet er ein Creutz für sich. Alle die kleinen
Verzierungen des so flüchtigen und nichtigen zeit-
lichen Lebens, nennet er Ueppigkeit und Eitel-
keit- - Die Freude ist nichtig, und der Witz ist
ihm misfällig. Dis Jugend ärgert ihn, weil
loading ...