Die angenehmen Zeitvertreibe, in den Erzählungen des Herrn von Adelsberg — Frankfurt am Main, 1767 [VD18 14316323]

Seite: 133
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wenn man uns fraget, was wir in Mutterleibs
oder in dem ersten halben Jahre unserS Lebens-
gedacht und gechan haben.

So nöchig nun die Sprache zum Gebrau-
che der Vernunft ist; so nützlich und unentbehr-
lich auch dieselbe zur menschlichen Gesellschaft und
zu vielen nützlichen und löblichen Handlungen ist:
um so viel sorgfältiger sollten wir auf ihren rech-
ten Gebrauch und Misbrauch Achtung geben.
Wir müssen uns nicht die schlimmen Hempel
der Zungenjunder hinreißen lassen. Nein. Denn
reden können alle Menschen: aber klug und ver-
nünftig reden, können die wenigsten. Wir müs-
sen auch alle reden, aber wenn wir nur alle das
rechte Maas zu halten wüßten, daß wir nicht
zu viel redeten! Ich sage mit Bedacht, zu viel:
denn diejenigen, die zu wenig reden, sind so selt-
samunter uns, als die weißen Raben; und eben
daraus kann man schließen, daß sehr wenig weise,
und verständige Leute da sind.
Man mag wohnen in der Stadt oder auf
dem Lande, so trist man überall ein gewisses
Frauenzimmer an, so man die Zenungsträgerin
der Gassen nennen kann. Sie führet zwar
keine Trompete in der Hand, aber sie braucht
keine nicht. Ihr bloßer Mund kann mehr aus-
richten, als zehn Trompeten. Sie hat zwar
keine Flügel, aber ihre Füße sind sehr geschwin-
de-. Keine Straße in der Stadt ist ihr zu enr«.
3; lezm.
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