Die angenehmen Zeitvertreibe, in den Erzählungen des Herrn von Adelsberg — Frankfurt am Main, 1767 [VD18 14316323]

Seite: 134
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/adelsberg1767/0136
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
,Z4 MW MW
legen, kein Hans ist ihr zu sehr entfernst, im
Augenblicke kann sie da seyn, und wieder zurück
kommen. Sie kennet die Einwohner sowohl
als die Fremden, die Verheyracheren sowohl
als die Ledigen. Kurz, sie könnte ein vollstän-
Diges Register von allen Manns - und Weibs-
bildern geben; und noch dazu melden, welche
unter ihnen jung oder alt, reich oder arm, ge-
sund oder krank, schön oder garstig aussiehet.
Diese Zeuungsstdmiedin weiß auch die Unterneh-
mungen der Menschen, wenn sie zur Lider lassen,
Spahieren fahren, oder den Hosten und
Schnupfen haben; ihr Kopf ist ein allgemei-
nes Tagebuch von allem, was an ihrem Orte
vorgeht.
Bey dergleichen großen Kundschaft nun,
Ley so vielem Wissen, darf man sich nicht wun-
dern, daß diese Gaffenfama auch sehr viel zu
reden har. Eben wie es Mengen von schwa-
chem Verstände insgemein geht, 'daß sie alle
ihre Gedanken mit Worten aussprechen müssen;
und wenn sie nicht reden, auch nichr viel ge-
denken können: so geht es ihr gleichfals.
Die Gelehrten haben/seit langer Zeit ein
Perpetuum Mobile, oder/ eine immerwähren-
de Bewegung zu erfinden getrachtet, und sich
deswegen viele Mühe gegeben: an ihrer
Zunge aber könnte man sie gewiß wahrneh-
men,
loading ...