Die angenehmen Zeitvertreibe, in den Erzählungen des Herrn von Adelsberg — Frankfurt am Main, 1767 [VD18 14316323]

Seite: 139
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mit Eidschwüren zu bekräftigen gewohnt ist; und
wohl ihre Ehre aufs Spie! setzt.
Wenn man nun fraget/ warum das schö-
ne Geschlecht mehr diesen Fehler an sich hm, als
die Mannspersonen? Sie haben mehr müßige
Stunden/ als die Männer, und die Frauen-
zimmer brauchen bey ihrer Arbeit nicht so viel
Nachsinnen, sie können dabey schwatzen; da
nun ihre Gemächer nicht so schwere Arbeit für
sich haben, folglich auch nicht genugsam einge-
nommen sind, so suchen sie sich, entweder in
ausschweifenden Gedanken, oder in Gesprächen
von vorgegangenen Neuigkeiten einen Zeitver-
treib» Dazu sind nun solche Klatschen sehr be-
hülflich, sie werfen Funken in den vorhin schon
fertigen Zunder, und erhalten nachmals das
Feuer der Neugierde und Schwatzhaftigkeit in
beständigem Wesen. Jedoch die Männer dür-
fen nicht meynen, daß sie sich gänzlich von die-
sem Fehler ausnehmen dürfen. O nein, es
giebr unter ihnen solche Wäscher und Zeimngs-
träger genug.

Jener Plauderer, der täglich alleCaffee-
häuser und Gärten blos aus Neugierde besuchet,
hat mich zureichend davon überzeuget. Ich wun-
derte mich erstlich, daß er allenthalben so beliebt
ist, und daß er die Kunst zu gefallen gleichsam
auswendig gelernek, ich wüste nicht woher es
kam, daß ihn sehr viele vornehme Leute in ihrer
Gefell-
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