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Wirkung, die er auf die Künstler und das Publikum ausübt, beweist,
dass seine Kunst dem Bedürfnis unserer Zeit im höchsten Sinne
entspricht. Die Königliche Akademie hat ihn dadurch anerkannt,
dass sie ihn bereits 1884 zu ihrem Mitglied erwählte und zur
Feier seines 70. Geburtstages, im Herbst 1897, eine Ausstellung
seiner Werke veranstaltete.
Cretius, Johann Franz Constantin, wurde am 6. Januar 1814
in Brieg geboren, besuchte zunächst das Maria Magdalena-Gymna-
sium zu Breslau, dann die Ateliers der Maler Kalter und König
daselbst, und vollendete seine Studien in Berlin auf der Akademie
und bei Professor Wach. 1839—42 führten ihn Reisen nach Paris
und nach Rom, von wo er die Anregung zu einem seiner ersten
bedeutenderen Bilder, dem „Blumenfest in Genzano“ (1844), mit-
brachte. Nachdem er 1846 in Konstantinopel gewesen war, um
das Portrait des Sultans Abdul Medschid auszuführen, lebte er
hauptsächlich in Berlin, wo er in den folgenden Jahrzehnten eine
reiche malerische Tätigkeit entfaltete. Neben dem italienischen
Volksleben („Weinfest auf Ischia“ 1850, „Ave Maria“ 1851,
„Prozession“ 1861, „Römischer Schreiber“ 1863) beschäftigte ihn
fast ausschliesslich die Darstellung historischer genrehafter Momente.
So zeigte er Ludwig XIV. („L’etat c’est moi“ 1863), den Grossen
Kurfürsten als Kurprinzen im Haag (1864), Cromwell (1864, 1867),
Friedrich Wilhelm I., Salzburger Protestanten empfangend (1866).
Seit 1860 gehörte er der Berliner Akademie als Ordentliches Mitglied
an und starb als ihr Senior am 26. Juli 1901.
v. Herzogenberg, Heinrich, wurde am 10. Juni 1843 in Graz
geboren, erhielt seine musikalische Ausbildung auf dem Wiener
Konservatorium, lebte bis 1872 in Graz und liess sich dann in
Leipzig nieder. Hier gründete er 1874 im Verein mit Spitta,
Fr. v. Holstein und Volkland den „Bach-Verein“, dessen Leitung
er, nach Volklands Uebersiedelung nach Basel, im nächsten Jahre
selbst übernahm. 1885 wurde er in Berlin Nachfolger Kiels als
Vorsteher einer Meisterschule für Komposition und Leiter der
Kompositionsabteilung an der Königlichen Hochschule für Musik.
Damit trat er zugleich in die Akademie ein, die ihn 1890 auch zu
ihrem ordentlichen Mitgliede erwählte. Ein schweres gichtisches
Wirkung, die er auf die Künstler und das Publikum ausübt, beweist,
dass seine Kunst dem Bedürfnis unserer Zeit im höchsten Sinne
entspricht. Die Königliche Akademie hat ihn dadurch anerkannt,
dass sie ihn bereits 1884 zu ihrem Mitglied erwählte und zur
Feier seines 70. Geburtstages, im Herbst 1897, eine Ausstellung
seiner Werke veranstaltete.
Cretius, Johann Franz Constantin, wurde am 6. Januar 1814
in Brieg geboren, besuchte zunächst das Maria Magdalena-Gymna-
sium zu Breslau, dann die Ateliers der Maler Kalter und König
daselbst, und vollendete seine Studien in Berlin auf der Akademie
und bei Professor Wach. 1839—42 führten ihn Reisen nach Paris
und nach Rom, von wo er die Anregung zu einem seiner ersten
bedeutenderen Bilder, dem „Blumenfest in Genzano“ (1844), mit-
brachte. Nachdem er 1846 in Konstantinopel gewesen war, um
das Portrait des Sultans Abdul Medschid auszuführen, lebte er
hauptsächlich in Berlin, wo er in den folgenden Jahrzehnten eine
reiche malerische Tätigkeit entfaltete. Neben dem italienischen
Volksleben („Weinfest auf Ischia“ 1850, „Ave Maria“ 1851,
„Prozession“ 1861, „Römischer Schreiber“ 1863) beschäftigte ihn
fast ausschliesslich die Darstellung historischer genrehafter Momente.
So zeigte er Ludwig XIV. („L’etat c’est moi“ 1863), den Grossen
Kurfürsten als Kurprinzen im Haag (1864), Cromwell (1864, 1867),
Friedrich Wilhelm I., Salzburger Protestanten empfangend (1866).
Seit 1860 gehörte er der Berliner Akademie als Ordentliches Mitglied
an und starb als ihr Senior am 26. Juli 1901.
v. Herzogenberg, Heinrich, wurde am 10. Juni 1843 in Graz
geboren, erhielt seine musikalische Ausbildung auf dem Wiener
Konservatorium, lebte bis 1872 in Graz und liess sich dann in
Leipzig nieder. Hier gründete er 1874 im Verein mit Spitta,
Fr. v. Holstein und Volkland den „Bach-Verein“, dessen Leitung
er, nach Volklands Uebersiedelung nach Basel, im nächsten Jahre
selbst übernahm. 1885 wurde er in Berlin Nachfolger Kiels als
Vorsteher einer Meisterschule für Komposition und Leiter der
Kompositionsabteilung an der Königlichen Hochschule für Musik.
Damit trat er zugleich in die Akademie ein, die ihn 1890 auch zu
ihrem ordentlichen Mitgliede erwählte. Ein schweres gichtisches


