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Restaurierungsgeschichte mittelalterlicher Gewölbe- und Wandmalereien im Gebiet des heutigen Niedersachsen

An den Wänden in zwei übereinander angeordneten
Reihen Szenen aus der Passion und Auferstehung
Christi sowie Weltgericht, Heiligenfiguren, Apostel
und Szenen aus dem Marienleben. Keine vertikale
Trennung der Szenen, eine schmale rote Linie trennt
horizontal. Den größten Teil der oberen Bildreihe neh-
men Szenen aus dem Leben Christi ein. Westlich
Einzug nach Jerusalem (2), Christus auf einem Esel sit-
zend. Daneben, in die Szene einbezogen, Zachäus auf
dem Baum. Im Anschluss Abendmahl mit Christus
und seinen Jüngern am reich gedeckten Tisch (3). Im
Vordergrund Judas, dem von Christus der Bissen Brot
gereicht wird, mit Geldbeutel. Das Gebet Jesu am
Ölberg innerhalb eines geflechtartigen Kranzes von
den übrigen Szenen abgesetzt (4). Daneben Verrat
des Judas und Gefangennahme Christi kombiniert in
einer Szene (5). Die beiden folgenden Szenen Christus
vor Kaiphas und Christus vor Pilatus fast identisch
gestaltet (6, 7). Der Blick auf die Ostwand wird heute
durch den Flügelaltar behindert, der circa 100 Jahre
später als die Malereien zu datieren ist. An der
Ostwand links Geißelung Christi an der Geißelsäule
(8), Kreuztragung (9), Kreuzigung (10) und Kreuzab-
nahme (11). Letztere mit Maria und Johannes. Ab-
schließend Grablegung Christi mit Maria, die Hände
zum Gebet erhoben, Johannes, Maria Magdalena mit
Salbgefäß und zwei weitere Personen. Das Grab als
aufwändig gestalteter Sarkophag dargestellt. An der
Südwand die Szene des Noli me tangere (15) durch
die Fenstererweiterung teilweise zerstört. Ebenso die
Pfingstszene (17). Christus als Weltenrichter als west-
lich abschließende Szene der Südwand (18): Christus
auf doppeltem Halbkreis mit zwei Schwertern, flan-
kiert von Maria und Johannes dem Täufer. Unge-
wöhnlich dessen Platzierung zur Linken Christi.
In der unteren Bildreihe hauptsächlich Apostel und
weibliche Heilige. An der Nordwand im Westen Ein-
zelfiguren von drei Aposteln und Stifterfiguren (21,
22). Eine der Stifterfiguren mit erloschenem Schrift-
band. Daneben Szenen der Verkündigung an Maria
und Anbetung der Könige (23, 24), unter den Köni-
gen kein Mohr. An der Ostwand links Dornenkrönung
Christi (25), mit den darüber befindlichen Szenen von
Geißelung und Kreuztragung Christi in Zusammen-
hang stehend. Daneben zehn gekrönte weibliche
Heilige (26). Von Norden nach Süden Heilige mit
Hund (?), Heilige mit Buch und Gefäß, Heilige mit
Pflanze und Schwert, Barbara mit Kelch mit Hostie,

Ursula mit Pfeil mit Lanze (?)230, Heilige mit Spinn-
rocken und Becher, Heilige mit Blumen (Dorothea?),
Heilige mit Stab und Buch, Heilige mit Kirchenmodell
(Gertrud von Nivelles?), Katharina von Alexandrien
mit Rad und Schwert.
An der Südwand in der unteren Bildreihe elf Apostel
mit Attributen (28). Von Osten nach Westen Petrus
mit Schlüssel, Paulus mit Schwert, Jakobus der Ältere
mit Muschelstab und Pilgerhut, Thomas mit Lanze,
Matthias mit Hellebarde, Simon Zelotes mit Säge,
Matthäus, von Schwert durchbohrt, Johannes Evan-
gelista mit Kelch, Judas Thaddäus mit Keule, Jakobus
der Jüngere mit Walkerstange, Philippus (?) mit
Kreuzstab. Daneben sind die Malereien zerstört, es ist
ein weiterer Nimbus erkennbar. Auffällig ist die
Anordnung der Apostel auf der Nord- und Südseite.
Der heutige Bestand zeigt Andreas und Bartholomäus
nur auf der Nordseite, während Philippus möglicher-
weise zweifach dargestellt ist: Mit Doppelkreuz an der
Nordwand und mit Doppelkreuzstab an der Südwand.
Es ist zu vermuten, dass die Apostelreihe der
Südwand ursprünglich vollständig war. Dafür spricht
auch der noch sichtbare Nimbus im westlichen
Wandbereich. An den westlichen Seiten zwei
Märtyrer mit Palmwedeln als Einzelfiguren. In der
Triumphbogenleibung südlich Christophorus, nördlich
Antonius von Padua.
Die Weihekreuze sind in die Bildkomposition einbezo-
gen, indem sie von den figürlichen Malereien ausge-
spart werden. So ist beispielsweise an der Südwand
im Bereich des Weihekreuzes der Abstand zwischen
den zwei flankierenden Aposteln größer als an der
übrigen Wand. An der Ostwand verdeutlicht dies die
Heilige mit Spinnrocken, die, unter dem Weihekreuz
stehend, erheblich kleiner als die anderen Figuren ist.
Dieser Umstand lässt darauf schließen, dass die
Weihekreuze zur Zeit der Ausführung der figürlichen
Malerei bereits vorhanden waren und man sie beibe-
hielt.
Die Malereien befinden sich auf einer hellen Hinter-
grundtünche. Die unteren Zonen der Bildreihen, als
Standflächen der Figuren, sind farbig abgesetzt. Zum
Teil sind Bäume und architektonische Details einge-
fügt. Lockere, freie, recht einfach gestaltete Malerei.
Nach oben hin schließen die figürlichen Malereien mit
einer roten Linie ab. Darüber rote Quadermalerei auf
hellem Grund, der dem Hintergrundton der figürli-
chen Darstellungen entspricht.
 
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