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Winghart, Stefan [Editor]; Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege [Editor]; Institut für Denkmalpflege [Editor]; Kaspar, Fred [Oth.]; Gläntzer, Volker [Oth.]
Arbeitshefte zur Denkmalpflege in Niedersachsen: Güter, Pachthöfe und Sommersitze: Wohnen, Produktion und Freizeit zwischen Stadt und Land ; [... 23. Jahrestagung der nordwestdeutschen Hausforscher im März 2011 ...] — Hameln: Niemeyer, Heft 43.2014

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Güter Adeliger, Lebens- und Wirtschaftsformen
DOI article:
Kagel, Nils: Die Geschichte von Amt und Vorwerk in Moisburg unter besonderer Berücksichtigung bauhistorischer Aspekte
DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.51273#0118
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Güter Adeliger, Lebens- und Wirtschaftsformen


5 Hölzerne Substruktionen unter dem Hauptgebäude des
Vorwerks (2010).


6 Nachträglich angehobenes Ständersteinpaar des Vorwerk-
hauptgebäudes (2010).

7 Skelett eines jungen Rindes unter der westlichen Höftstän-
derreihe des Vorwerkhauptgebäudes (2010).


higen Baugrund für den Neubau zu schaffen, hatte
man den Graben mit Sand aufgefüllt, in den man in
loser Folge frisch geschlagene Baumstämme und Alt-
holz bettete. Trotzdem waren insbesondere die inne-
ren Ständersteine des Gebäudes im Laufe der Zeit tief
in den Untergrund gedrückt worden. Im Bereich der
westlichen Außenwand konnte ein Legsteinpaar frei-
gelegt werden, das in eine Packung verdichteten
Dungs eingebettet war. Um ein weiteres Einsinken zu
verhindern, waren die Steine offensichtlich ausgegra-
ben und mit toniger Erde neu unterfüttert worden,
wobei man sie zusätzlich auf kurzgesägte Stücke höl-
zerner Eichenbohlen gesetzt hatte. Erwähnenswert
sind außerdem zwei Skelette junger Rinder, die in
einer Grube nahe der westlichen Höftständerreihe,
unterhalb des ehemaligen Nutzungshorizonts depo-
niert worden waren. Vergleichbare Befunde lassen
den Schluss zu, dass es sich um ein Bauopfer gehan-
delt haben könnte.52
Als zum Vorwerk gehöriges Nebengebäude wird in
der ersten am Ende des 17. Jahrhunderts entstande-
nen Beschreibung lediglich ein Schafkoven von acht
Fachen Länge genannt, der von untüchtigen von der
Erden aufgehenden Schahren errichtet worden war,
wobei offen bleiben muss, ob es sich eventuell um
einen Pfostenbau handelte. Die Wände waren ledig-
lich mit Busch gezeunet und umbher mit Klovenholz
besetzet. Das Dach befand sich in gutem Zustand,
hatte sich aber wegen der Absenkung der Schahren
verschoben. An jedem Ende befand sich ein Tor. Am
Westende war eine elende Stube mit Lehmwänden,
vier bleiverglasten Fenstern und einem aus dachpfan-
nen zusammen geflickten Ofen als Schäferwohnung
eingebaut. Zudem gehörte ein kleiner Garten zu dem
Gebäude, das im Hinblick auf seine Zweckbestim-
mung recht großzügig bemessen war, dessen Lage
auf dem Vorwerksgelände sich jedoch nicht präzise
bestimmen lässt. Es kann allerdings ausgeschlossen
werden, dass es sich um einen der drei anderen
Schafställe des Vorwerks gehandelt hat, da diese weit
außerhalb Moisburgs lagen.
In der zweiten Beschreibung werden insgesamt acht
Nebengebäude genannt. Das Schweinehaus, das
gleichzeitig die Heuscheune beherbergte, wird mit
neun Fachen angegeben. Es besaß ein Tor zum Vor-
werk und ein Tor zum Misthaufen hin. Im Inneren
befanden sich mehrere mit Türen verschließbare
Ställe. Die Haberscheune von siebeneinhalb Fach
Länge besaß im Innern eine Dreschdiele, zwei Tore
und war teilweise etwas baufällig. Aufgrund der
Baudaten ist es wahrscheinlich, dass sie mit der sieben
Fach langen „Scheune" in der dritten Beschreibung
identisch ist. Der „Lange Koven", der als solcher
bereits in der Beschreibung im Amtslagerbuch von
1664 auftaucht, war laut der zweiten Beschreibung
1692 von einem Sturm zerstört worden. Es könnte
sein, dass er mit dem Schafkoven aus der ersten Be-
 
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