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Winghart, Stefan [Editor]; Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege [Editor]; Institut für Denkmalpflege [Editor]; Kaspar, Fred [Oth.]; Gläntzer, Volker [Oth.]
Arbeitshefte zur Denkmalpflege in Niedersachsen: Güter, Pachthöfe und Sommersitze: Wohnen, Produktion und Freizeit zwischen Stadt und Land ; [... 23. Jahrestagung der nordwestdeutschen Hausforscher im März 2011 ...] — Hameln: Niemeyer, Heft 43.2014

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Güter Adeliger, Lebens- und Wirtschaftsformen
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Riepshoff, Heinz: Gut Koppel und sein T-Haus von 1727 und 1765
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https://doi.org/10.11588/diglit.51273#0134
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Güter Adeliger, Lebens- und Wirtschaftsformen

meisters Diedrich Bischoff. Gerda, eine Tochter von
Johann Bischoff, heiratete Herbert Beckröge, Sohn
des Käufers vom Restgut Etelsen. Seit dieser Zeit sind
beide Güter in nicht adeliger Hand miteinander ver-
eint und werden heute von Harm Beckröge bewirt-
schaftet.
Die Aufstellung der Besitzer von Gut Koppel illustriert
einerseits die adelige Herkunft des Gutes, andererseits
aber auch, wie häufig ein Gut innerhalb des Adels
veräußert werden konnte. Dem gegenüber verblieben
Bauernhöfe, besonders Meierhöfe, häufig über Jahr-
hunderte in der gleichen Familie.
Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts haben die adeli-
gen Gutsbesitzer nicht mehr in dem Gebäude ge-
wohnt. Bewohnt wurde es dann über lange Zeit von
den Verwaltern, so auch von dem Hofmeier Bischoff,
später von Familien, die auf dem Gut Arbeit fanden.
Nach dem Krieg waren mehrere Flüchtlingsfamilien
einquartiert, deren Nachkommen noch heute in Etel-
sen wohnen.
1727
Das Baudatum 1727 geht aus der Inschrift des mäch-
tigen, vierfach vorkragenden Wirtschaftsgiebels her-
vor (Abb. 4 und 5): Christoph Friederich von Zabeltitz
-Anna Gertrudt von Lieth - ANNO 1727. Kai Struck-
mann meldet in seiner Arbeit über das Baudatum
1727 Zweifel an, da er, von den Renaissancemerk-
malen des Giebels geleitet, von einem höheren Alter

ausgeht. Diese Zweifel brauchen wir aufgrund von
eindeutigen dendrochronologischen Daten heute
nicht mehr zu haben. Die Fälldaten des Holzes für den
Giebel, die linke Traufwand sowie die Deckenbalken
in der Diele laufen auf das Fälljahr 1726/27 hinaus.
Die Renaissancemerkmale sind dennoch bemerkens-
wert: Alle Ständer über dem Erdgeschoss weisen Fuß-
bänder auf, die in ihrer Anlage wie Fächerrosetten
wirken, allerdings ohne entsprechende Profilierung.
Sämtliche Vorkragungen werden von Knaggen ge-
stützt, die deutliche Renaissancemerkmale tragen,
unter denen besonders Tau- und Gurtbänder zu nen-
nen sind.
Die ursprüngliche Wirkung des Giebels wird heute
durch jüngere Umbauten deutlich gemindert. Das Tor-
gebinde wurde zugunsten einer größeren Einfahrt
entfernt, die ursprüngliche Ausfachung mit Rotstei-
nen in den oberen Stockwerken ebenfalls und statt-
dessen der Giebel von außen verbrettert. Der gravie-
rendste Eingriff besteht allerdings im Aufschütten des
äußeren und inneren Niveaus um etwa eine Gefach-
höhe. Nachdem in den 1950er-Jahren der Kanal in
unmittelbarer Nähe gebaut wurde, haben die Eigen-
tümer den Aushub als kostenlose Aufschüttung ge-
nutzt, um zukünftigen Überschwemmungen vorzu-
beugen. Eine verständliche Maßnahme, die aber zu-
lasten der ursprünglichen Hausproportionen geht (in
der Abb. 6 wurde die ursprüngliche Höhe rekonstru-
iert).


5 Gut Koppel, Datierung am Wirtschaftsgiebel (2012).
 
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