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Güter Adeliger, Lebens- und Wirtschaftsformen
12 Hannover-Linden, ehemaliger Küchengartenpavillon, 2009.
der Oberhofbau- und Gartendirektor von Hardenberg
in Betracht, der sich hier also ebenso wie in seinem
Herrenhäuser Dienstsitz ein nahezu privates Refugium
schuf, in dem er die Zucht seltener Pflanzen betreiben
ließ.
Von Hardenbergs eigener Hand stammt eine Skizze
für einen weiteren Aussichtspavillon, den er als Blick-
punkt der Hauptallee seines Gartens am Fuß des
Burgberges in Hardenberg errichten wollte (Abb. 13).
Herausragende Bedeutung hat dieser Entwurf durch
die Tatsache, dass hier erstmals in der Region Rück-
griff auf gotische Stilformen genommen wird, wie sie
Hardenberg auf seiner Englandreise an neugotischen
Staffagearchitekturen dortiger Landschaftsgärten
kennengelernt hatte. Wie in Euston und beim Kü-
chengartenpavillon war ein erhöhter, überkuppelter
Mittelraum vorgesehen, der hier von gotischen Ge-
wölberippen überfangen werden sollte. Es gab eben-
falls die Möglichkeit zum Austritt auf seitliche Ter-
rassen. Der weite Blick in die Landschaft und die Ver-
bindung von Innen- und Außenraum bestätigen sich
hier als wiederkehrende Aufgabenstellungen der von
Hardenberg geprägten Architektur. Neu ist die Nut-
zung des Obergeschossraumes, der als Archiv mit
eisernen Fenstern und Türen eingerichtet werden soll-
te. Hardenbergs tiefes Interesse für Naturwissenschaf-
ten schlägt sich nieder in dem überdimensionierten
Blitzableiter oder Blitzeinfänger aus Eisendraht, der
die Kuppel bekrönt und seiner Zeit weit voraus ist.
Leider kann angesichts des Untergangs des harden-
bergschen Gutsarchives im Zweiten Weltkrieg heute
nicht mehr geklärt werden, ob dieser spektakuläre
Entwurf zur Ausführung gekommen ist.48 Selbst der
Plan ist jedoch ein deutlicher Beleg für die weitrei-
chenden wissenschaftlichen Interessen und kulturel-
len Verbindungen des Auftraggebers.
Zusammenfassung
Eindrucksvoll bleibt die Fülle möglicher Wohnorte mit
überaus umfangreichem Raumangebot, die dem
alleinstehenden Oberhofbau- und Gartendirektor
Friedrich Karl von Hardenberg zur Verfügung stand.
Erforderlich war dieses wohl weniger aus persönli-
chem Bedürfnis heraus, sondern bedingt durch seine
gesellschaftliche Stellung, da andere Mitglieder der
Regierung auf Ministerebene vergleichbar weitläufige
oder sogar größere Häuser unterhielten. Durch den
Besitz zweier auswärtiger Gutshöfe, an deren Bewirt-
schaftung Hardenberg regen Anteil nahm, sowie
durch die Verteilung seiner Dienstgeschäfte auf
Güter Adeliger, Lebens- und Wirtschaftsformen
12 Hannover-Linden, ehemaliger Küchengartenpavillon, 2009.
der Oberhofbau- und Gartendirektor von Hardenberg
in Betracht, der sich hier also ebenso wie in seinem
Herrenhäuser Dienstsitz ein nahezu privates Refugium
schuf, in dem er die Zucht seltener Pflanzen betreiben
ließ.
Von Hardenbergs eigener Hand stammt eine Skizze
für einen weiteren Aussichtspavillon, den er als Blick-
punkt der Hauptallee seines Gartens am Fuß des
Burgberges in Hardenberg errichten wollte (Abb. 13).
Herausragende Bedeutung hat dieser Entwurf durch
die Tatsache, dass hier erstmals in der Region Rück-
griff auf gotische Stilformen genommen wird, wie sie
Hardenberg auf seiner Englandreise an neugotischen
Staffagearchitekturen dortiger Landschaftsgärten
kennengelernt hatte. Wie in Euston und beim Kü-
chengartenpavillon war ein erhöhter, überkuppelter
Mittelraum vorgesehen, der hier von gotischen Ge-
wölberippen überfangen werden sollte. Es gab eben-
falls die Möglichkeit zum Austritt auf seitliche Ter-
rassen. Der weite Blick in die Landschaft und die Ver-
bindung von Innen- und Außenraum bestätigen sich
hier als wiederkehrende Aufgabenstellungen der von
Hardenberg geprägten Architektur. Neu ist die Nut-
zung des Obergeschossraumes, der als Archiv mit
eisernen Fenstern und Türen eingerichtet werden soll-
te. Hardenbergs tiefes Interesse für Naturwissenschaf-
ten schlägt sich nieder in dem überdimensionierten
Blitzableiter oder Blitzeinfänger aus Eisendraht, der
die Kuppel bekrönt und seiner Zeit weit voraus ist.
Leider kann angesichts des Untergangs des harden-
bergschen Gutsarchives im Zweiten Weltkrieg heute
nicht mehr geklärt werden, ob dieser spektakuläre
Entwurf zur Ausführung gekommen ist.48 Selbst der
Plan ist jedoch ein deutlicher Beleg für die weitrei-
chenden wissenschaftlichen Interessen und kulturel-
len Verbindungen des Auftraggebers.
Zusammenfassung
Eindrucksvoll bleibt die Fülle möglicher Wohnorte mit
überaus umfangreichem Raumangebot, die dem
alleinstehenden Oberhofbau- und Gartendirektor
Friedrich Karl von Hardenberg zur Verfügung stand.
Erforderlich war dieses wohl weniger aus persönli-
chem Bedürfnis heraus, sondern bedingt durch seine
gesellschaftliche Stellung, da andere Mitglieder der
Regierung auf Ministerebene vergleichbar weitläufige
oder sogar größere Häuser unterhielten. Durch den
Besitz zweier auswärtiger Gutshöfe, an deren Bewirt-
schaftung Hardenberg regen Anteil nahm, sowie
durch die Verteilung seiner Dienstgeschäfte auf



