Der geologische Untergrund der Wüstung Düna
und strukturgeologische Bohruntersuchungen
des ehemaligen Reliefs
Firouz Vladi
Im Frühjahr 1979 wurde der Verfasser von Gustav Bier-
kamp, Düna, auf eine Fundstelle südlich des Herren-
hauses in Düna aufmerksam gemacht. Neben den Re-
sten mittelalterlicher Keramik, von Hüttenlehm und
Mörtel in Maulwurfshügeln wies das Gelände eine fla-
che, aber deutliche Störung der natürlichen Gelände-
formen aus. Diese ließ - nach Augenschein - eine kreis-
förmige Wallstruktur von ca. 30 m Durchmesser mit
nach Südwest weisender Öffnung vermuten. Ein im No-
vember 1979 hergestelltes Feinnivellement (Abb. 1)
zeigt die Bodenformen vor Grabungsbeginn, läßt aber
den aus der schrägen Perspektive des menschlichen
Beobachters zunächst deutlich wahrzunehmenden
„Ringwall“ nur undeutlich erkennen.
Zur Klärung der Struktur wurden im Herbst 1979 durch
den Verfasser entlang der in der Abb. 1 gekennzeichne-
ten Strecke A-B 19 Sondierbohrungen, jeweils bis auf
den gewachsenen Untergrund mit einer durchschnitt-
lichen Tiefe von 3 m niedergebracht (Abb. 2, 3). Durch
den Nachweis von Bauschutt (Ziegel, Schlacke, Gips-
mörtel, Hüttenlehm) konnte bereits geklärt werden, daß
die morphologische Struktur nicht auf einen Erdwall,
sondern auf Reste ehemaliger fester Gebäude zurück-
zuführen war. Überraschenderweise zeigte sich unter
dem im westlichen Teil des Bohrprofiles nachgewiese-
nen Bauschutt im Profil deutlich die Struktur eines mit
humosen Schluffen verfüllten Grabens von ca. 15 m
Breite. Die z. T. deutlich feingeschichteten Grabensedi-
mente wiesen bis an ihre Basis in maximal 3,5 m Tiefe
unter Gelände Kulturreste auf. Dies deutete bereits dar-
auf hin, daß eine südlich des Grabungsgrundstückes
ansetzende deutlich ausgeprägte Grabenmulde hier
ihren ursprünglichen Oberlauf hatte, dieser aber im Zu-
sammenhang mit der noch nicht näher datierten mittel-
alterlichen Siedlungsstelle bereits verfüllt worden ist.
Mit diesem Bohrprofil konnte die erste Vermutung, daß
es sich um einen Wallring handelt, mit letzter Sicherheit
zunächst weder bestätigt noch widerlegt werden,
hierzu hätte es einer flächenhaften Untersuchung mit
Nutsondierungen bedurft. Eine solche erübrigte sich
zur Klärung dieser speziellen Frage zunächst, da durch
die im Jahre 1981 aufgenommene Grabung die Exi-
stenz eines Wallringes durch den Nachweis rechteckig
verlaufender Fundamentmauern bereits widerlegt wer-
den konnte.
Nachdem bei der ersten Testgrabung der Denkmalcha-
rakter der Fundstelle bestätigt werden konnte und eine
umfangreichere archäologische Untersuchung des
Grundstückes angezeigt war, wurde vom Institut für
Denkmalpflege zusammen mit dem Verfasser ein flä-
chendeckendes Untersuchungsprogramm mit Peil-
stangen (Nutsonden) in Angriff genommen. Die Unter-
suchungsdichte verlief in einem Raster von 5 m x 5 m
(mit der Möglichkeit der bedarfsweisen räumlichen Ver-
dichtung) bei im Schnitt 1 m bis 5 m Teufe (Abb. 4).
Durch die begonnene direkte und räumliche Bohrunter-
suchung des Grabungsgrundstückes sollte Verbrei-
tung, wenn möglich Struktur, Tiefenlage und - je nach
Art der anthropogenen Beifunde - die kleinräumige
Nutzungsform, aber auch der Verlauf des verfüllten
Grabens und der Aufbau der oberflächennahen geolo-
gischen Schichten untersucht werden.
Technik der Nutsondierungen
1. Allgemeines
Mit Hilfe der Nutsondiertechnik (Synonyma: Peilstan-
gen, Pürckhauer, Linnemann) ist es möglich, in Locker-
gesteinen aller Art kontinuierlich Bodenproben zu ge-
winnen. Das Gerät wird aufgebaut aus der Nutsonde,
einer ein, meist 2 m langen, in der Regel 22 oder 25 mm
starken massiven Stahlstange mit konischer oder offe-
ner Spitze, die zur Aufnahme des Bodenprofils mit einer
etwa fingerdicken Längsnut versehen ist sowie aus je-
weils 1 m langen Verlängerungsstangen mit Gewinde.
Zum Eintreiben des Gestänges (Abb. 5) dient wahlweise
ein Polyamid-Kunststoffhammer (bis maximal 2 m
Teufe) oder, vor allem bei festeren Bodenarten oder
Teufen über 2 m, ein Motorhammer mit Brennkraft-,
elektrischem oder - seltener - Preßluftantrieb. Über
eine Hebelzugvorrichtung kann das Gestänge - auch
bei schweren Bodenarten - gezogen werden (Abb. 6).
Ein komplettes Gerät für Teufen bis 15 m mit Brenn-
krafthammer kostet z. Z. gut 8.000 DM (Firma Stitz,
Gehrden bei Hannover). Die Lebensdauer des Gestän-
gesatzes kann bei sorgfältiger Bedienung 1.000 bis
2.000 Bohrmeter erreichen. Bei üblicherweise zwei Be-
dienungskräften können an einem Arbeitstag je nach
Festigkeit des Bodens und Wünschen nach detaillierter
Aufnahme des Befundes insgesamt 40 bis 60 Bohr-
meter geschafft werden. Besonders zügig läßt sich mit
Hilfe der 2-m-Spitze arbeiten, da bei nur je 2 m Bohrfort-
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und strukturgeologische Bohruntersuchungen
des ehemaligen Reliefs
Firouz Vladi
Im Frühjahr 1979 wurde der Verfasser von Gustav Bier-
kamp, Düna, auf eine Fundstelle südlich des Herren-
hauses in Düna aufmerksam gemacht. Neben den Re-
sten mittelalterlicher Keramik, von Hüttenlehm und
Mörtel in Maulwurfshügeln wies das Gelände eine fla-
che, aber deutliche Störung der natürlichen Gelände-
formen aus. Diese ließ - nach Augenschein - eine kreis-
förmige Wallstruktur von ca. 30 m Durchmesser mit
nach Südwest weisender Öffnung vermuten. Ein im No-
vember 1979 hergestelltes Feinnivellement (Abb. 1)
zeigt die Bodenformen vor Grabungsbeginn, läßt aber
den aus der schrägen Perspektive des menschlichen
Beobachters zunächst deutlich wahrzunehmenden
„Ringwall“ nur undeutlich erkennen.
Zur Klärung der Struktur wurden im Herbst 1979 durch
den Verfasser entlang der in der Abb. 1 gekennzeichne-
ten Strecke A-B 19 Sondierbohrungen, jeweils bis auf
den gewachsenen Untergrund mit einer durchschnitt-
lichen Tiefe von 3 m niedergebracht (Abb. 2, 3). Durch
den Nachweis von Bauschutt (Ziegel, Schlacke, Gips-
mörtel, Hüttenlehm) konnte bereits geklärt werden, daß
die morphologische Struktur nicht auf einen Erdwall,
sondern auf Reste ehemaliger fester Gebäude zurück-
zuführen war. Überraschenderweise zeigte sich unter
dem im westlichen Teil des Bohrprofiles nachgewiese-
nen Bauschutt im Profil deutlich die Struktur eines mit
humosen Schluffen verfüllten Grabens von ca. 15 m
Breite. Die z. T. deutlich feingeschichteten Grabensedi-
mente wiesen bis an ihre Basis in maximal 3,5 m Tiefe
unter Gelände Kulturreste auf. Dies deutete bereits dar-
auf hin, daß eine südlich des Grabungsgrundstückes
ansetzende deutlich ausgeprägte Grabenmulde hier
ihren ursprünglichen Oberlauf hatte, dieser aber im Zu-
sammenhang mit der noch nicht näher datierten mittel-
alterlichen Siedlungsstelle bereits verfüllt worden ist.
Mit diesem Bohrprofil konnte die erste Vermutung, daß
es sich um einen Wallring handelt, mit letzter Sicherheit
zunächst weder bestätigt noch widerlegt werden,
hierzu hätte es einer flächenhaften Untersuchung mit
Nutsondierungen bedurft. Eine solche erübrigte sich
zur Klärung dieser speziellen Frage zunächst, da durch
die im Jahre 1981 aufgenommene Grabung die Exi-
stenz eines Wallringes durch den Nachweis rechteckig
verlaufender Fundamentmauern bereits widerlegt wer-
den konnte.
Nachdem bei der ersten Testgrabung der Denkmalcha-
rakter der Fundstelle bestätigt werden konnte und eine
umfangreichere archäologische Untersuchung des
Grundstückes angezeigt war, wurde vom Institut für
Denkmalpflege zusammen mit dem Verfasser ein flä-
chendeckendes Untersuchungsprogramm mit Peil-
stangen (Nutsonden) in Angriff genommen. Die Unter-
suchungsdichte verlief in einem Raster von 5 m x 5 m
(mit der Möglichkeit der bedarfsweisen räumlichen Ver-
dichtung) bei im Schnitt 1 m bis 5 m Teufe (Abb. 4).
Durch die begonnene direkte und räumliche Bohrunter-
suchung des Grabungsgrundstückes sollte Verbrei-
tung, wenn möglich Struktur, Tiefenlage und - je nach
Art der anthropogenen Beifunde - die kleinräumige
Nutzungsform, aber auch der Verlauf des verfüllten
Grabens und der Aufbau der oberflächennahen geolo-
gischen Schichten untersucht werden.
Technik der Nutsondierungen
1. Allgemeines
Mit Hilfe der Nutsondiertechnik (Synonyma: Peilstan-
gen, Pürckhauer, Linnemann) ist es möglich, in Locker-
gesteinen aller Art kontinuierlich Bodenproben zu ge-
winnen. Das Gerät wird aufgebaut aus der Nutsonde,
einer ein, meist 2 m langen, in der Regel 22 oder 25 mm
starken massiven Stahlstange mit konischer oder offe-
ner Spitze, die zur Aufnahme des Bodenprofils mit einer
etwa fingerdicken Längsnut versehen ist sowie aus je-
weils 1 m langen Verlängerungsstangen mit Gewinde.
Zum Eintreiben des Gestänges (Abb. 5) dient wahlweise
ein Polyamid-Kunststoffhammer (bis maximal 2 m
Teufe) oder, vor allem bei festeren Bodenarten oder
Teufen über 2 m, ein Motorhammer mit Brennkraft-,
elektrischem oder - seltener - Preßluftantrieb. Über
eine Hebelzugvorrichtung kann das Gestänge - auch
bei schweren Bodenarten - gezogen werden (Abb. 6).
Ein komplettes Gerät für Teufen bis 15 m mit Brenn-
krafthammer kostet z. Z. gut 8.000 DM (Firma Stitz,
Gehrden bei Hannover). Die Lebensdauer des Gestän-
gesatzes kann bei sorgfältiger Bedienung 1.000 bis
2.000 Bohrmeter erreichen. Bei üblicherweise zwei Be-
dienungskräften können an einem Arbeitstag je nach
Festigkeit des Bodens und Wünschen nach detaillierter
Aufnahme des Befundes insgesamt 40 bis 60 Bohr-
meter geschafft werden. Besonders zügig läßt sich mit
Hilfe der 2-m-Spitze arbeiten, da bei nur je 2 m Bohrfort-
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