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Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege [Editor]; Institut für Denkmalpflege [Editor]
Arbeitshefte zur Denkmalpflege in Niedersachsen: Der Rammelsberg — Hannover: Inst. für Denkmalpflege, Heft 9.1992

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Einordnung der Übertageanlagen in das Werk der Architekten
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https://doi.org/10.11588/diglit.51149#0034
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plante Fritz Schupp ohne seinen ehemaligen
Partner nochmals 18 Bergwerke, und zwar
u.a. die Zeche Grimberg 1/2 in Bergkamen
(1948-1952), die Zeche Haus Aden in Lünen
(1954) und die Zeche Katharina in Essen-Kray
(1955-1959).21 Mit ihrem Gesamtwerk übten
die Architekten Fritz Schupp und Martin Krem-
mer einen bedeutenden Einfluß auf die deut-
sche Zechen-Architektur aus. Die Übertagean-
lagen des Rammeisberges entstanden auf
dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft.
Expressionistische und funktionalistische Ein-
flüsse prägten das Frühwerk der Architekten.
Über die Ende der 20er Jahre bei Schupp und
Kremmer dominierende Ziegelmassivbau-
weise mit Anklängen an die expressionistische
Backsteinarchitektur der 20er Jahre, wie z. B.
bei der im Jahr 1928 errichteten Zentralkokerei
Nordstern in Gelsenkirchen-Horst, fanden die
Architekten zu Bauformen funktionalistischer
Prägung, die in der Zeche Zollverein 12 in
Essen-Katernberg in den Jahren 1928-32
ihren Höhepunkt fanden. Stahlskelettbau, vor-
gehängte Stahlfachwerkwände mit Ziegelaus-
fachungen und in das Fachwerkraster inte-
grierte Fensterbänder bestimmten diese Archi-
tekturformen des konstruktivistischen Funktio-
nalismus (Abb. 113, 114).
Aufgrund der topographischen Verhältnisse
konnten die Architekten bei fast all ihren Indu-
striebauten ohne den Zwang einer Einfühlung
in eine zu respektierende Umgebung, gleich-
sam „auf der grünen Wiese“, planen und die
Harmonie einer Anlage in deren eigenem inne-
ren Bereich suchen. Anders bei den Anlagen,
die in landschaftlich reizvoller Umgebung ent-
stehen sollten. Hier griffen die Architekten auf
regionale Bautraditionen zurück, die sie jedoch
nicht kopierten, sondern in eine neue Architek-
tursprache übersetzten, wobei funktionale und
bautechnische Voraussetzungen eine wesent-
liche Rolle spielten. Nicht nur als Reminiszenz
an die Umgebung wurde dabei auf heimische
Baustoffe zurückgegriffen, sondern auch aus
Gründen des schwierigen Materialtransportes.
So führten letztlich auch wirtschaftliche
Zwänge zum Aufgreifen heimischer Baufor-
men.
Vor diesem Hintergrund entstanden in den
Jahren 1934/35 einige Neu- und Umbauten

auf der Zeche Hausham in Oberbayern, unter
deren ausladenden flachen Satteldächern
weißgeputzte Untergeschosse mit holzver-
schalten Obergeschossen harmonisch kon-
trastieren.22 Waren es bei dieser Zeche nur we-
nige neue Baukörper, so stellen die Tagesbau-
ten am Rammeisberg als in einem Zuge ge-
plante Gesamtanlage den Höhepunkt dieser
Gestaltungsphase im Werk der Architekten
Schupp und Kremmer dar.
Sowohl am Rammeisberg als auch bei Zollver-
ein 12 haben die Architekten das sich wie ein
roter Faden durch ihr Gesamtwerk ziehende
Gestaltungsprinzip von Achse und Symmetrie
konsequent angewendet. Beide Anlagen ste-
hen als Musterbeispiele für das Streben
Schupps und Kremmers, stets eine aus-
drucksstarke Form zu finden, die einer Indu-
strieanlage repräsentativen Charakter verlei-
hen kann (Abb. 111, 113).
Die Nachkriegsarchitektur, die Schupp nun-
mehr ohne seinen Sozius Kremmer schuf, trug
fast ausschließlich funktionalistische Züge. In
der Nachfolge von Zollverein 12 variierte er im-
mer wieder das Grundprinzip einer ausgewo-
genen Zuordnung kubischer Baukörper, die
meist in Stahlfachwerk mit Ziegelausfachun-
gen und horizontalen und vertikalen Fenster-
bändern gestaltet waren. In den Jahren
1950-54 erstellte Schupp auf dem Bollrich,
wenige Kilometer vom Rammeisberg entfernt,
eine Aufbereitungsanlage für die Armerze der
Grube. In dieser Anlage verknüpfte er kubische
mit den am Rammeisberg angewendeten
landschaftsgebundenen Bauformen. Um ei-
nen nach Westen offenen Innenhof gruppierte
der Architekt weißgeputzte, mit dunkler Holz-
verkleidung und darin integrierten Fensterbän-
dern versehene unterschiedlich hohe Bauku-
ben (Abb. 130-132).
Neben Architekten wie Peter Behrens, Hans
Poelzig und Walter Gropius kann Fritz Schupp
als einer der bedeutendsten Industriebaumei-
ster des 20. Jahrhunderts gelten. Zusätzlich zu
anderen bedeutenden Auszeichnungen erhielt
Schupp 1968 den Kulturpreis der Stadt Goslar
in Anerkennung seiner Verdienste um den
deutschen Industriebau, insbesondere jedoch
um den Industriebau innerhalb der Stadt
Goslar.

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