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Adreßbuch der Stadt Heidelberg: Adreßbuch der Stadt Heidelberg mit den Gemeinden Ziegelhausen und Leimen sowie der Stadt Wiesloch — 82.1951

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https://doi.org/10.11588/diglit.41979#0017

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Wandlungen
im Heidelberger Stadtbild

Heidelberg ist eine der wenigen größeren deutschen
Städte, die den zweiten Weltkrieg nahezu unbeschädigt

überstanden haben. Ein vielgerühmtes Städtebild ist da-
mit erhalten geblieben und vermag seine weltweite An-
z mgskraft erneut auszuüben. Zwar macht den einzig-

artigen Reiz dieser Stadt weniger ihre bauliche Gestalt

selbst aus, als vielmehr ihre Lage in der Landschaft, an

einem Ort des Übergangs von Berg und Tal und Ebene,
und der Zusammenklang von Kunst und Natur. Den-

noch mag es sich lohnen, das städtebauliche Werden

Heidelbergs einmal zu verfolgen, die Schichten der bau

liehen Entwicklung aufzuzeigen. Denn mancherlei Kräfte,
Einflüsse und Zeitschicksale haben das äußere Antlitz
dieser Stadt geprägt und die Wandlungen in ihrem Er-
scheinungsbild bestimmt.
Die Anfänge Heidelbergs liegen im Dunkeln und werden
schwerlich je zu erhellen sein. 1196 taucht der Name
erstmals in einer Urkunde des Pfalzgrafen Heinrich
für das Kloster Schönau auf, als ein Leutpriester von
St. Peter — damals noch Filiale der Pfarrkirche von

Bergheim — unter den Zeugen aufgeführt wird. Erst
einige Jahrzehnte später, im Jahre 1225, berichtet eine

andere Urkunde, daß bereits eine Burg und ein Burg-

flecken Heidelberg vorhanden ist, die beide zusammen
mit der Grafschaft im Lobdengau vom Bischof von
Worms dem wittelsbachischen Herzog Ludwig zu Lehen
gegeben wurden. Der Bischof von Worms war bis dahin
die beherrschende politische Macht im unteren Neckar-
land. Es darf angenommen werden, daß er am Nord-
abhang des Königstuhls eine feste Burg erbauen ließ.
Mit ihr steht vermutlich die im Tal entstandene Sied-

lung in ursächlichem Zusammenhang. Auffällig ist heute
noch die Regelmäßigkeit des Grundrisses der Heidel-
berger Altstadt mit der Hauptstraße als Achse, beider-
seits eine Parallelstraße und senkrecht dazu verlaufend

die zahlreichen Seitengassen. Dies deutet keinesfalls auf
eine zufällige Entwicklung und ein langsames Werden
hin, sondern spricht eher für eine planvolle Anlage, für
die uns allerdings dokumentarische Zeugnisse fehlen.
Unter den wittelsbachischen Pfalzgrafen wurde Heidel-
berg Mittelpunkt einer sich bald konsolidierenden Lan-
desherrschaft. In den ersten Jahrhunderten ihres Be-

stehens bestimmte die Burg, der Hof, die Struktur der
Stadt. Mit dem Aufstieg der Kurpfalz zu einem der be-
deutendsten Territorien des alten deutschen Reiches be-
lebte und entfaltete sich die Stadt. Das Neckartal als
Zubringerstraße ließ zudem Heidelberg zu einem wich-
tigen Knotenpunkt des Verkehrs werden. Für die wirt-
schaftliche Bedeutung der Stadt gewannen sodann auch
die geistlichen Höfe der benachbarten Klöster Schönau,
Lorsch, Maulbronn sowie der Bischöfe von Speyer und
Worms Gewicht. Außerdem entstanden hinter den schüt-
zenden Mauern der Stadt Niederlassungen verschiedener
Orden. Bereits um 1270 siedeln sich die Augustiner und
etwas früher die Franziskaner an, jene in stattlichen
Gebäuden an der Stadtmauer, diese zunächst in der
Nähe des Neckars, dann seit Beginn des 14. Jahrhunderts
am Karlsplatz. Heidelberg erhielt dadurch zunehmend
den Charakter auch einer geistlichen Stadt. Adelshöfe
der pfälzischen Ritterschaft aus der Umgebung waren
über die ganze Stadt zerstreut. Unabhängig von der Sie-
delung im Tal entstand im 14. Jahrhundert die Berg-
stadt am westlichen Abhang des Schloßbergs als eine von
der Talstadt scharf abgegrenzte Gemeinde mit eigener
Gerichtsbarkeit. Die Gründung der Universität im Jahre
1386 führte zu einem neuen Aufschwung der Stadt und
erhöhte Bedeutung und Ansehen der kurpfälzischen Re-
sidenz. Die Notwendigkeit, Räume für Hörsäle und Be-
hausungen für Magister und Studenten zu beschaffen,
ließ in der Bürgerschaft den Wunsch nach Erweiterung
der in dem schmalen Talgrund allzu beengten Stadt wach
werden.
Diesem Verlangen kam Kurfürst Ruprecht II. dadurch
entgegen, daß er im Jahre 1392 die Bergheimer Gemar-
kung mit dem Heidelberger Stadtgebiet vereinte und
die Bewohner des Nachbardorfes zwang, sich in dem
Acker- und Wiesengelände zwischen Stadtmauer und
„Altem Graben“ (beim heutigen Bismarckplatz) anzu-
siedeln. So entstand die Vorstadt, die bald darauf durch
Überbrückung des Grabens und Fortführung der Haupt-
straße mit der Altstadt verbunden wurde. Die Bebau-
ung des neuen Stadtteils ging zunächst nur langsam vor-
an. Von Osten her wuchs die Stadt über ihren alten
Bereich hinaus. Unten am Neckar, unmittelbar gegen-
 
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