Der Affenspiegel: satyrische Wochenschrift — 1901

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Heft 2.

„Der Affenspieriel".

Seite 9.

werden sie. Dns ist merkwürdig, aber wahr. Sie wird mit Rück-
sicht auf Dein höheres Einkommen ans dein Vollen leben und
Dich ruinieren. Überhaupt heiratet man nur ein Mädchen, dns
mindestens die doppelte Rente besitzt als man selbst bezieht. Ich
zum Beispiel —
Szöley: Glaube ich- Du bist Nerschnldet.
Bergh os ft Auch wenn ich es nicht wäre, würde ich nur
ein Mädchen heiraten, das sich oollkommen selbst ernähren kann.
Die Weiber leben zu gerne ans fremden Taschen.
Szöley: Na, ich kenne Männer, die —
Berghofft Pst. Nicht anzüglich werden. Für die Männer
gilt ein anderer Codex. Wir geben unsere Namen. Das ist nicht
immer mit Geld anfznwicgen.
Szöley: Ja, ich glaube, Deiner wiegt sehr schwer.
Berghoff: Du wirst unangenehm. Ich möchte Dir aber
noch einen Grund als Warnung aufführen. Miß Marga ist —
wie ich glaube — sehr sinnlich. Das thut kein gut in der Ehe.
Szöley: Oho — wofür bin ich denn jnng und kräftig?
Berghoff: Erlaube — der Mann ist doch nicht für seine
Fran kräftig! Man will sich doch anch amüsieren!
Szöley' Ich hab' genug.
Berghofs: Du bleibst also wirklich bei Deinem Entschlüsse?
Szöley: Vollkommen.
Berghoff: Dann muß ich Dich aufgeben?'
Szöley: Ja?
Berghoff: Aber denke daran (sehr traurig), ich habe es
gut mit Dir gemeint — armer Kerl —
Szöley: (lacht, in diesem Angenblicktritt der Diener ein).
Diener: Mister Parker läßt den Herrn Grafen bitten.
(Szöley mit Diener ab).
Berghoff: (bleibt nachdenklich, melancholisch sitzen und
zündet eine neue Zigarette an. Dann springt er ans und geht
auf und ab, im Gesichte den Ausdruck aufrichtigen Schmerzes);
(vor sich hinmurmelnd) Armer Kerl! Armer Kerl! (Drinnen im
Nebenzimmer wird laut gesprochen. Man hört das Lachen einer
Frauenstimme. Berghoff sieht nach dem Spiegel und schiebt seine
Krawatte zurecht, bürstet seinen Bart).
Szöley (tritt mit Miß Marga am Arme ein).
Szöley: Mein lieber Henri, ich stelle Dir meine Brant vor.
Berghoff: (Mit einem langen Blicke ans Miß Marga
und Szöley).
Ich gratuliere — ich gratuliere.
Diener: (tritt ein) Mister Parker läßt den Herrn
Baron bitten.
(Berghoff: ab mit Diener).
Szöley: (küßt Marga wiederholt)
Endlich — Endlich. Meine liebe Marga. Wie ich Dich liebe.
Marga (windet sich aus seinen Armen und tritt vor
den Spiegel) Wie gefalle ich Dir? Ich habe mich für Dich
geschmückt. Pariser Modell.
Szöley (tritt zn ihr): Wie immer. Du bist schön wie
eine Königin.
Marga (betrachtet an ihrer Hand einen funkelnden
Bcillantring):
Dieser Ring! (läßt ihn an der Sonne funkeln) Du hast
mir eine unendliche Freude gemacht, Georg. Der Ring ist
wunderbar. Ich danke Dir. (küßt ihn)
Wann werden wir heiraten, Georg?
Szöley: Wann Du willst, Geliebte.
Marga: Oh — ich möchte bald, sehr bald — (sieht ans
ihren Ring).

Szöley (flüsternd, sich auf ihr Haar niedcrbengend): Hast
Du solche — Sehnsucht?
M arga: (senkt den Kopf) Ja — und - Gräfin Szöley —
wie das klingt — ich bin kindisch, nicht wahr, Georg?
Szöley: Oh — es klingt schön —
Marga (umhalst ihn stürmisch): An was denkst Du,
Geliebter? Hast Du Sorgeu? Wohin werden wir unsere Hochzeits-
reise machen?
Szöley: Wohin Du willst, Schatz. Meinetwegen bis
ans Ende der Welt.
Marga: Qh — ich möchte nach Schweden — an das
Nordkap — ins Eismeer. Ins Land der Mitternachtssonne.
Werden wir eine Nordlaudsreise machen, Geliebter? Ja? (küßt
ihn) versprichst Du mirs?
Szöley: Ja, ja, ich verspreche es. Wenn Du willst,
fahren wir nach dem Mond. —
Marga: Oh, ich danke Dir. (sieht ihn an) Wie hübsch
Du heute bist. Manu vom Scheitel bis zur Sohle. Ich könnte
mich in Dich verlieben, so liebe ich Dich, (lacht auf und hängt
sich an seinen Hals).
Szöley: Oh — Du bist nicht verliebt in mich?
Marga: Wie — ich verstehe nicht —
Szöley: Ich meine — Du liebst mich doch, Marga,
nicht wahr?
Bi a rga: (sich an ihn schmiegend) Wie kannst Du fragen?
Szöley: Nun, ich meine, liebst Du mich so, daß Du
verliebt in mich bist — das heißt — ich meine — oh — ich
rede Unsinn — ich habe den Kopf verloren, (sie an sich ziehend)
Sieh, Marga, ich liebe Dich ja so unendlich. Du bist in mein
Leben getreten wie die Sonne in einen winterlichen, trauernden,
sehnenden Garten. Der Atem Deines Körpers berauscht mich.
Ich denke nichts mehr, iveiß nichts mehr — nur Du — Du —
Und der Gedanke, Du könutest meine Liebe nicht ebenso erwidern --
der Gedanke würde mich wahnsinnig machen — und Du?
Marga: (sieht auf ihren Ring und dann verlegen zn Boden.)
Ich liebe Dich, Georg, könnte ich Dir mehr sagen? Noch
kein Mann hat solchen Eindruck auf mich gemacht wie Du. Ich
denke Tag und Nacht an Dich — Ich — (küßt ihn lange)
genügt das?
Szöley: (lachend) ja — (Sieht auf die Uhr.) Ich muß
jetzt fort. Ich habe noch auf der Regierung zu thun. (Nimmt
Hut und Siock. Beide gehen langsam hinaus.)
Marga: Noch etwas. Heute Abend ans unserem Hausball
wollen wir die Verlobung veröffentlichen, nicht wahr?
Szöley: Ja —
Marga: Oh, wie ich mich freue! Wie sie die Augen
anfrcißen werden! Und wie sie mich beneiden werden —
Szöley: Beneiden? —
Marga: In — Doch das verstehst Du nicht. Soll ich
mir eine rote oder weiße Rose Abends ins Haar stecken, Schatz?
Szöley: Eine rote. Aber ich habe höchste Zeit (beide
gehen ab.) —
Marga (kommt wieder herein und tritt ans Fenster.
Sie winkt hinunter, während Sie den Ring ansieht): Er hat
Geschmack. Der Ring ist tausend Küsse wert. (Währenddem tritt
Berghoff ans dem Nebenzimmer.)
Berghoff: (lacht) Den Kuß zn hundert Francs gerechnet.
Ist das nicht zn billig?
Marga: Pfui, Lästerer! Sic lauschen?
Berghoff: Nein. Es war Zufall. — Ich gratuliere
Ihnen nochmals.
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