Der Affenspiegel: satyrische Wochenschrift — 1901

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Line wahre Geschichte aus den nebligen Gebieten.


Denkt Euch, meine Lieben, ich wnr heute Nacht im Himmel! Schlechte
Witze bitte ich zu unterlassen, denn ich war, wie ich gleich vorausschicken möchte,
nicht im civilen, sondern im politischen Himmel. Das habt Ihr wohl noch
car nicht gewußt, daß es zweierlei Himmel giebt? Ja, das hat der liebe Gott
so eingerichtet, und zwar nach rein weltlichem Muster. Ihr werdet sicherlich
schon gesehen haben, daß man in einer Menagerie die großen Tiere von den
kleinen Viecherln scheidet und alle in eigene Käfige sperrt. Das ist schon so
in der praktischen Menagerie, wo die undressierten Urbestien ausgestellt sind,
und nicht minder in der moralischen Menagerie, die man unter dem Concretnm
„menschliche Gesellschaft" kennt, wo die in Freiheit dressierten Kult — Urbestien
vorgeführt werden. Letztere unterscheiden sich, wie das Wort schon lehrt, nur
durch den Kultus von den Urbestien. Bei dieser moralischen Menagerie sind
ebenfalls die großen Tiere von den kleinen Viecherln geschieden und zwar durch
eine breite, massive Mauer, die man menschliche Borniertheit nennen kann.
Die großen Tiere laufen links umher, die kleinen Viecherln rechts. Die großen
Tiere sind an ihrem lauten Gebrüll und ihrer Buntscheckigkeit erkenntlich, einzelne
wohl auch an einem künstlerisch noch nicht vervollkommneten Glasscherben im
«echten Ange. Die kleinen Tiere erkennt man daran, daß sie von den großen
ausgefressen werden. Gewöhnlich sind die klesnen Viecherln zahm und fressen
aus der Hand, die großen Viecher sind schon etwas wilder. Da find alle
möglichen Vier- und Zweibeiner vertreten — Eseln, Ochsen, Schweinei«, Hof-
poeten und Kameele, und dergl. mehr.
Der liebe Gott also hatte seinen Himmel genau so eingeteilt, und zwar
l.anptsächlich nm Verwechslungen zu vermeiden. Früher allerdings war es
anders, da war der Himmel ganz kommunistisch gewesen, weshalb Petrus heute
noch etwas sozialistisch veranlagt ist, was sich am Besten daran zeigt, daß er
die neuesten Hüte der aristokratischen Damen regelmäßig naß macht. Allein
'dazumal war es nicht selten vorgekommen, daß die unangenehmsten Verwechslungen
Passierten. So unterhielt sich einmal ein lieber Engel eine volle dreiviertel
Stunde mit einem charmanten, schwärmerischen Manne, den das Engelchen für
den Grafen Bülow hielt, und freute sich in tiefster Seele über dessen conser-
vative Ansichten; Ihr müßt nämlich wissen, daß alle Engel konservativ sind
«nid nur die Teufel, die an keine Engel nicht glauben, Republikaner sind. Mit
einemmale aber stellte es sich heraus, daß der charmante Mann gär nicht Graf
Bülow sein konnte, weil dieser immer noch das kgl. preußische Weltreich unsicher
«nachte, sondern — denkt Euch, dieser charmante Herr war Heinrich Heine,
der eben ans dein Fegfeuer gekommen und, da er dort von allen Erdensünden
vereinigt worden, nicht mehr zu erkennen war. Die Verwerwechslung hatte sich
l erausgestellt, als der Eiigel galant fragte: „Sie lieben sicherlich preußische
Granatäpfel^", worauf Heine entrüstet ausspnckte und „Pfui Teufel" sagte, ein
Ausdruck, den er selbst im Fegfener sich nicht abgewohnt hatte. Grus- Bülow
batte aber niemals „Pfui Teufel" gesagt, weil er gar nichts Anderes sprechen
kann als „In", was ein Erbfehler der letzten preußischen Reichskanzlerfamilie sein
soll. Ihr könnt Euch denken, was für ein Ecclat das war! Heine in Unter-
baltnng mit einem Engel. Heine, der die schlechten Lieder geschrieben! Und
dabei hatte er sieh ganz ruhig immer per Herr Graf titulieren lassen. Als ob
er etwas von einem Grafen hätte! Kurzum, der liebe Gott ordnete an, nachdem
noch mehr so Dummheiten passiert waren und einmal Bismark mit einein Kahlkopf,

Singer mit Frege und Major Laufs mit einem^Dichter verwechselt worden
war, daß sofort eine Scheidung der Elemente vor sich gehe.
Einverstanden waren damit die Wenigsten, denn es giebt doch schließlich
auch weibliche Elemente, nnd das mit der Scheidung ist nicht immer gerade so,
wie man sich's denkt. Aber der liebe Gott weiß schon längst nicht mehr, was
Galanterie ist, und so wurde ein politischer und ein civiler Himmel geschaffen.
In den civilen Himmel kommen die Krämer, Windhunde, Edeldamen und
Kellnerinnen, soivie alle Sozialisten, in den politischen Himmel die Reichskanzler,
der König Milan von Serbien, sowie alle Minister innerer und äußerer Ord-
nung ; in diesen: Himmel befände«: sich auch die Engel nnd der Petrus. Denn
dieser Himmel war coiiservativ, der civile Himmel war republikanisch und re-
gierte sich selbst. Leider komme«: seit der Zeit die Menschen viel lieber in den
civilen Himmel, weil sie dort auch bloß Civilehe«: zu schließen brauche««, die
bekanntlich nicht so fest halten lvie die anderen. Allei«: in: politische«: Himmel
versammel«: sich dafür die wertvolleren Menschenexeniplare. So bin ich der
festen Ueberzeugnng, daß Herr v. Possart, Miquel, Kneißl und alle spanischen
Gensdarmei: dorthin komme«: werden.
Aber nun zur Sache.
Ich war also am Abend eben über der Lektüre der neueste«: Philosophie
eines großen deutschen Redners eingeschlafen, als ich mich plötzlich merkwürdig
gehoben fühlte und niit einem kolossalen Lnstdruck fortgeschleudert wurde. Jetzt
geht's dahin, dachte ich, tröstete mich aber mit dem Gedanken, daß es doch sicherlich
in kein deutsches Gefängnis gehen konnte, da ich ein sehr ruhiger und gesetz-
liebender Patriot bin nnd immer nur reichsdeutsche Lieder gedichtet habe. Ich
flog also mit unglaublicher Geschwindigkeit in die Höhe und merkte, daß ich
mich ganz in der Nähe des Monds befinden müsse, weil ich eine ganze Menge
Menschen spazieren gehen sah, von denen nicht ein einziger einen Orden trug.
Und das ist doch bloß im Monde möglich. Uebrigens sah ich auch schon das
oft gerühmte Mondkalb, das eine Nachahmung des russischen Kriegsministers zu
sein scheint, und etwas später bemerkte ich eine blendende Helle nud hörte eine
leise Musik. Da sah ich rechts den civilen Himmel nnd zwar schaute ich direkt
in das Zimmer eines Sozis, das rot austapeziert und mit bunte«: Karrikatnren
angefüllt war. Das sah scheußlich aus. So war da der Zar vo«: Rußland
mit einer Friedenspfeife dargestellt, der König von England hatte enge Hosen
an und trank Bitterwasser, die alte Königin that eben — doch was geht Euch
der civile Himmel an! Als ich links sah, eröffnete sich vor mir die Perspek-
tive eines himmelblau austapezierten Brautgemaches. Es war dies das Erste,
was ich sah, weil, wie ich später hörte, soeben der König,Mila«: eine echte, alt-
deutsche Königstochter geheirathet hatte. Es hat ihn: nämlich zu lange ge-
dauert, aus die Draga zu warten, nnd weil man bei ihr auch nie Mer ist,
so hielt er sich an eine altdeutsche Jungfrau, au drnrn- -doch wuüzHkil! -das-
Notwendigste echt ist. Was ich i«: dem Schlafzimmer Milans sah, 'sage ich
Euch nicht, weil das unaussprechlich ist. Ich fuhr also weiter und befand mich
plötzlich vor einen: große«: Ochsen, den ich später als den Fürsten Metternich
erkannte. Ich ließ mich sofort in ei«: Gespräch ein, das sehr interessant war,
und das ich Ench das Nächstemal erzählen werde, da ich jetzt keine Zeit mehr
dazn habe.
M.



„Wett, Kame»*s>ri!, Hott kninge meinen rekn «un<Üvnknn gekleiokle
lAoxenköpfe mit, ette iek eigenknnrttg rukeneilel — "
„vns ist gsn niekls, mein I-ieken! Ivk kskv siekenunelsvklrig Unlennüvire
von Okinesinnen kei min, «ttv ivk ttmvn okne Zeile ttttkv eigenksmttg nusgeLOgen

Noianio kciratcto. Vm Vkcnd vor der Oocffzoitauackf zickt
«Ho Nama Nelanie in eine Niacke, wäkrend der juuAC Okemann
oken di«; liästo unrcrkält, und ea enlapinnt siel: kolAmidcs (Ic:8präck:
Nama: 8iek mal, Nelanie, keute Quollt wirst Du die ei^ent-
licks Orau Deinea Nannea.
Nelanie: Ja, Nama, mein 8ckatz Kat mir daa auck ackon
FOSNZt.
Nama: Ilm. Nun, und wie so eine Lrautnackt aick voll-
ziekt, weisst Du vieBsickt — —
Not an io: Nein, Nama.
Nama: Nun, I)n hast Dir immer ackon so ein nottos KIsinea
Lak^ Aewünackt nicht wahr? Wenn Du keute Nacht einmal Vn^at
Bekommen solltsst, so denke claran, «lass wonn Du Deinen Nann
lioh hast, On halcl so oin hleinos, kerzi^ea Bak)- in Vrmen
halten lcannst.
Nelanie: Vek, Nama, «las wäre reizend!
Nama: VOo, keine Vn^at, mein Kind! Viel (Bück!
*
-e
Im nächsten Norton kommt Nelanie spät rum Orülmtücka-
tisch mit roton Vu^en. Oken hört man <lon jungen Okemann ver-
Anü^t pkeiken, währonci Nelanie kektiA ackluckzend sich Nama in
clio Vrme wirbt. Os ontspinnt sich folASndea Oeapräck:
Nama: Nun, Nelanie, warum weinst Ou clenn?
Nelarris: Ou hu, Nama, ach — hu hu — —
Nama: Vkor, Nelanie, war es denn so schrecklich?
Nelanie: Nein — hu hu — äas nicht — aker — hu Ku —
ich kann «loch nicht zekn Bak^a auf einmal brauchen!
Liln Komplott.
8oeken Acht uns folgende teleZrapkiacke Nelduno- zu:
Oin schreckliches anarchistisches Oomplott, äas sich Ae.non «len
Oöllix von 8panien unä eine Dame richtet, von äer man annimmt,
«lass sie in iirrer .luZonä mit äem Orossvater äes jetzigen Königs
in internen VnxolcAenkeiten in VorkinduvA Aestanäen ist, wuräe so-
eben von äer hintorinäiselron kolizeikekörde entdeckt. Demnach
keknden sich nicht weniger als eine Lands von aeckzekn wilä unä
verwogen aussohtznäer Burschen eben auf Java, soäass man annekmen
kann, «lass sie sofort nack 8panien abse^eln weräen, weil Java in
nächster Nähe Spaniens lie^t. Dio Banditen führen mehrere Nisten
Insektenpulver mit, äer sclilaAonäste Beweis, «lass es sich um ein
anarchistich-spirituistischos Oomplott hanäelt, äonn nur Insekten-
pulver kann äem NöniA von 8panien gefährlich weräen. Dio kinter-
inäischo Bolizei hat /.war sofort alle Vorkehrungen getroffen, um
«lio Verbrecher ab/ufangen. Dis ganze Nüsts äes Nittelmooros ist
mit Kanonen gespickt. Dis katholische Nircke ist vsrstänäigt unä
hält fortgesetzt Dankgottss-Dionste ab; wofür, weiss man aller-
dings nicht, allein es ist doch immerhin etwas. Beider konnte die
kinterindweke Bolizei äer Burschen noch nicht habhaft werden, weil
sie auch Bistolen bei sich tragen unä man doch schliesslich nicht
weiss, ob so oin Ding nicht mal losgeht. Die spanische Olotto

rüstet sich übrigens, die Anarchisten würdig zu empfangen. Dem
spanischen Nnnig wurde einstweilen eine Beibammo unä zwei
Banzsrhemäen bewilligt, sowie oin Vorstopfungsmittei für alle Oällo.
Wir warten gespannt auf weitere Nachrichten.
Lin Vor»1i»as Liri
Nein« Damen (Bravo!)
Wir sind Jungfrauen (Botonstille), jawohl, meine Damen wir
sind Jungkrauen, wir sind selbst dann Jungfrauen, wo n wir keine
Jungfrauen sind, und zwar sind wir immor Jungfrauen, weil wir
die jüngsten Orauon der Omanzipation sind! (stürmisches Bravo).
Noino Damen! (bravo). Wer bat die Omanzipation geboren?
Wir Orauon haben sie geboren (bravo!) und wir haben sie gepflegt,
als sie noch in den Windeln lag (äh! Oku:! Windeln raus!) Noino
Damen! Wenn ich sage Windeln, so meine ich moralische Windeln,
denn praktische Windeln werde ich doch nicht in den Nund nehmen
(Nie ! Bravo). Die Omanzipation ist unser einziges Nincl (hurrali),
«las wir gezeugt (pkui), das wir ohne jedwede Hilko gezeugt,
(bravo), das wir ganz allein gezeugt (bravo)! Nnd weil wir ganz
ohne Dille diese Omanzipation gezeugt, so haben wir schlagend be-
wiesen, dass wir auch ohne männliche Unterstützung lNütter werden
können (stürmischer Widerruf). Dewiss, meins Damen, ich verstehe
8ie vollkommen. Ich meine die Nutterackakt auch hier wieder
moralisch, denn die praktische lAutterschakt ist etwas kür uns voll-
kommen Verwerfliches, Unästhetisches, Unfeines; (Bravo!) Denn,
meine Damen, wozu brauchen wir Kinder, wenn wir Näuner Kaken?
(stürmisches Bravo!) Dor lVlann muss unser Nind werden, das
ganz von unseren Wünschen abhängig ist (Bravo!) Wir müssen den
Nann zwingen, uns die gleichen kechte einzuräumen, d. h. uns ge-
nau dasselbe zu gewähren, was er geniesst (Bravo!) Der Nann
verkehrt täglich mit wenigstens einem halben Dutzend Oreunde,
spielt Naiten mit ihnen — dasselbe kocht wollen wir auch in An-
spruch nehmen (bravo!) Vuck wir wollen mindestens oin halbes
Dutzend Oreunde haben (stürmisches Bravo).
Dor Nann führt 8ittlickkeit8prozs88s und spielt eine Bolle als
Biel«ter oder Verteidiger auch wir wollen in Zittlichkeitsprozesssn
ein Kollo spielen (Bravo!!) Der Nann ist bei Oheseboiduogsklagen
oin nicht zu untorschätzender Oaktor — auch wir wollen Oke-
scheidungskaktoren sein (Hurrak). Dor Nann kommandiert über
8oldaten, er lässt sie fünfzig Kniebeugen machen, wenn es ibm be-
liebt auch wir wollen Kniebeugen kommandieren können (Bravo).
Der Nann gebt auf die Jagd — auch wir wollen in Oreilieit jagen
können (Bravo), kurzum, meine Damen, wir wollen alles das, was
der Nann thut, ebenfalls tbun (Bravo). Vllea, sage ich, meine
Damen (Dm, käuspern). lind wir können Vlies, was der Nann
kann (Ilm, Widerspruch). 8ie glauben das nicht, meine Damen?
Ich sage Ihnen, wir können Vlies.
Und, meine Damen, weil wir Vlies können, brauchen wir
auch zu den Kenntnissen keine Nänner. Und damit, meine Damen
schliesse ich meinen Vortrag (8türmisches Bravo!) und bitte eine
der anwesenden Damen, mir eins praktische Hebamme zu empfehlen
(? ? - 8chluss! Baus!) Nri—Nri.


Mein Gebet»

Aus „Lisöev eines fnhrenösrr Mannes" non Wob. Keprnann.

Gottesleugner nennt ihr mich?
Ich bin's mit Nichten.
Ich glaube und liebe,
Ich bete, verehre.
Habt ihr mich nie ans den knieen gesehen,
Wie ich mit Inbrunst den Staub hab' geküßt,
Den der Fuß meiner Gottheit getreten?
Saht ihr mich nie, wie mit heiliger Ehrfurcht
Ich geatmet die Luft, die geheiligt
vom Hauche der Gottheit?
Ihr saht mich wohl nie.
Nicht bet' in düsteren Marmortempelu,
Ich benge kein Knie in dem Staube der Alltags,
Kein Lichtstrahl darf ««eine Augen blenden,
Sie ii: betender Andacht zu stören,
Nicht darf der Neugierde vorlauter Blick
Mir die keusche der Gottheit entweih'»
Vas All ist mein Tempel
Mein Altar die Nacht.
Wenn der Mond durch die Gassen huscht,
Und von« Flusse die Nebelnhen
Ueber die müde Erde zieh'«:,
Sterndiamanten in schleifenden Haaren,
Menn der Gärten brennende Rosen
Goldene Thränen der Sonne weinen —
Dann liege ich auf deu knieen und bete,
Bete zu meiner Gottheit.
Meine Gottheit ist die Schönheit,
Meine Götti«: ist das Weib
Euer Gott ist schön wie die Sterne,
Bleich wie der Mond, mit der Sprache des Meeres,
Mud' ist sei:: Auge nnd weich seine Lippen —
Und sei«: Gebet ist Sehnsucht und Reue,
— Euer Gott ist der Sohn des Schmerzes.
Aber herrlich nnd leuchtend und strahlend
Ist meine Göttin — Die Tochter der Freude
Das Kind der Erden. — Und ihr Gebet
Ist Sünde und Liebe. — Auf ihren Lippen
Lohen die Rosen in feuchten: Schmelze,
Leuchtend und dnftend in lechzender Schönheit.
Ihre Angen sind schillernde Falter,
Farbenbnnt wie der Regenbogen,
Heiß wie die Sonne und tief wie das Meer,

Unermeßlich wie Ewigkeiten - —
Dieser Gottheit gehört meine Liebe — — —
Ihr preist Euer«: Gott um sein Areuzesopfer?
Er starb Luch einmal als Himnielssohu
Umstrahlt von der Glorie der Buße;
Stündlich aber leidet der Menschheit
Das Weib!
Gebore«: als Gottheit wurde sie Mensch,
Um stündlich in frnchtbarer Liebe der Menschheit
Zu leiden und sterben. Ihr Rrenzesweg
Ist dornig und lang, doch von fruchtbarer Liebe.
Drum bet' ich zur Göttin — — —
Und »reine Liebe ist mein Gebet.
Wen» die Auge«: der Himmel schlafe»,
Wenn das Meer verträumt im Schilfe
Kühle athmet, welleuschaukelnd,
Weuu ii» Schweigen des Taunenwaldes
Die winde sich wiege», die Bergesdüfte
Schmetterliugsgleich i» den Lüften gaukeln.
Die sich breiten in Todesstille —
Bete ich brünstig zu meiner Göttin
Und daun zu wühlen in Souueuhaare»
Vie schankelnd wie wogen den Nacken umrieseln,
Der bleich wie des Südens Marmoraltäre,
De«: trunkenen Blick in die schillernde» Ange«:
I«: unendliche Grunde zu senken,
Zu lese:: darin die Bffenbarnng
Ewiger Wonne«: und Götterfrende»,
De«: dürstenden Mund an das Sehne«: der Lippe»
Zu pressen in, taumelnden küssen
Und schäumendes Glück aus ihueu trinken.
Zu schmiegen sich an den zitternden Körper
Der bebend in göttlicher Lust erschauert,
Eins werden mit jeder Rundung der Brüste,
Der Schwellung der Hüften, der Biegung der Glieder,
In den Schoß der Gottheit znrückzukehren,
I«: Fruchtbarkeit noch einmal sich wandeln,
Noch einmal mit stammelnden Lippen lallen
Die Kindersprache der uralten Menschheit —
Vas ist «nein Gottesdienst — —
Nennt ihr mich noch einen Gottesleugner? — —
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