Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg: eine Vierteljahresschr — 1.1868

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Aus dieser Urkunde erhellt:
1. Daß der Rath der Stadt Heidelberg, gemeinsam mit den
Bürgern, öfters beim Pfalzgrafen Ruprecht die Vorstellung gethan
hat, die Stadt zu erweitern und ihr einen größern Umfang zu geben.
Ohne Zweifel war sie zu bevölkert und die Mauern ihr zu eng
geworden. Letztere erstreckten sich bis dahin (1392) nur vom Thurm
und Thor der Bergstadt bis hinab zum Marstall, der außerhalb
dieser alten Stadtmauern liegt; das ehemalige Mittelthor führte so-
gleich in's Freie. Gegen Osten schloß die Stadt mit dem sogenannten
„Oberthor" an der Leyergasse ab. Bedenkt man, daß der Hof
der Pfalzgrafen immer größere Bedeutung gewann, daß in Folge
hievon nothwendig die Einwohnerschaft besonders durch adelige Herren
mit ihren Dienerschaften sich mehren mußte; nehmen wir hinzu, daß
erst kurz vorher (1386) die Universität neu gegründet, mit vorzüg-
lichen Lehrern versehen wurde, und in Folge davon die studirende
Jugend aus allen Himmelsgegenden hierher zusammenströmte, — so
finden wir das Begehren des Raths und der Bürger der Stadt um
Erweiterung derselben nur höchst begreiflich.
2. Die Bürgerschaft verlangte und Pfalzgraf Ruprecht geneh-
migte in Ansehung, „daß es uns und den Bürgern der Stadt, sowie
dem Lande zum Nutzen, Besten und zur Nothwendigkeit ist"; auch
damit „sich die Gemeinschaft der Leute in der Stadt mehre und da-
durch das Land stärker werde", weil die Stadt dann eine größere
und bedeutendere Festung würde; — den Stadtbezirk so zu erwei-
tern, daß das Gebiet von dem Stadtgraben beim „niedern Thor"
(späterhin Mittelthor) an bis hinaus zu dem „alten Graben", der
sich ohne Zweifel beim spätem Speierthor zum Neckar hinabzog, der
Länge nach; sodann vom Neckar bis zum Geisberg der Breite nach
>— zur Stadt gezogen und durch Mauern mit der Stadt vereinigt
werde.
3. Auf dieses neue Stadtgebiet durfte von da an Jeder Häuser
und Scheuer bauen, größere Hofstätten mit Hofraiten Herrichten, wie
es ihm Bedürfniß war, und wie es auch in andern Städten erlaubt
war. So groß war jedoch die Ueberzahl der Einwohner der alten
Stadt Heidelberg nicht, daß das ganze neue Gebiet, welches auf An-
ordnung des Pfalzgrafen nun „Neustadt" genannt wurde, durch sie
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