Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg: eine Vierteljahresschr — 1.1868

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man frisch und gesundt. Item wen sie einen Menschen mögen haben,
den man helt vor frome und heilig, so nemen sie ine und ziehen den
nackent aus und binden ine uff ein banck, das er kein gelidt mag
geregen und legent allenthalb vergisst thier und wurmb umb ine und
nothigen die thier, den fromen Menschen zu beissen und peinigen so
lange bis der arme stirbt one alle erbarmung, darnach hencken sie
ine mit den Fussen uff und setzen ein glesen geschir under sein mundt,
und was heraus druffet, das samelen sie und thun darzu die Feistig-
keit, die do drufft von dieben an den galgen und von der kleinen
kindlein eingeweid und gifftig thier, daraus machen sie ine salben,
damit doten sie die Menschen, so sie sie domit anruren. Item die
nemen die hawt von einer katzen, thun der salben darin und füllen
die hawt mit erbeffen, linsen, gerstenkorner re und nehen die hawt zu
und legen sie in einen frischen Brunnen. Drei tag darnach dürren
sie die frucht und pulverns und wen es fast windig ist, so steigen
sie uff einen hohen berg und werffen das puluer in den wint, der
Leute so genaturt, daß sie nicht friedlich leben können und ihnen viele Feinde
machen und wie sie gegen Jedermann sind, so ist auch Jedermann gegen sie
vom Geschlecht Jsmaels; sodann, wenn sie sehen, daß sie sich nicht selbst rächen
können, ruien sie den Teufel an. Deßhalb, wenn die von der Secte merken,
daß ihre Nachbarn bekümmert sind, so machen sie sich zu ihnen, wie wenn sie
dieselben trösten wollten und klagen und fragen nach der Ursache ihrer Traurig-
keit und wenn sie erfahren, daß Neid und Haß die Ursache ist, so rathen sie
ihnen, sich in die Secte aufnehmen zu lassen, wo sie sich rächen können. So
verführen sie ihre Nachbarn, und reden ihnen vom guten Leben rc. vor. Die
andere Ursache, warum sie sich in die verfluchte Secte aufnehmen lassen, ist die:
es sind ihrer Manche, die durch Wohlleben das Ihrige mit Essen und Trinken
vergeudet haben. Da gibt der Teufel etlichen von der Sekte ein, daß sie zu
ihnen gehen und mit ihnen in die Keller der Reichen fahren sollen; hier essen
und trinken sie, worauf jeder wieder nach Hause fährt und den Armen von gutem
Leben, das sie haben, erzählt; damit verlocken sie jene zu ihrer Synagoge. End-
lich die dritte Ursache ist die: Etliche sind gewohnt, nach Wollust des Fleisches
in Unkeuschheit zu leben; nun, in der Secte lebt jeder nach seiner Fleischeslust,
ganz nach seinem Willen. Der Teufel ist ihr Meister, und verbietet ihnen sehr,
daß Keiner von ihnen Gold, Silber oder kostbare Kleinode stehle, damit sie nicht
eingekerkert werden, wodurch ihre Luberei an den Tag käme. Auch bekennen sie,
wenn Einer von ihnen gegen ihre Gesetze verstößt oder gegen einen von der
Gesellschaft, so gebietet ihr Meister einem von der Secte, daß er ihn Nachts
strafe und sie fürchten ihren Meister und seine Gesellschaft sehr. — Die Jünger
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