Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg: eine Vierteljahresschr — 1.1868

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oben in Anmerkung 2 bemerkt ist) die zwei „Bürgermeister von
der Gemeinde" und die „Vierer" oder „Viertelmeister",
zusammen 6 Personen das Recht und die Pflicht, den Sitzungen des
Stadtrathes änzuwohnen. Dieser kleine Ausschuß, welcher von der
Bürgerschaft besonders zu diesem Zwecke gewählt wurde hieß der
„kleine Rath." Die Vierer brachten die Wünsche und Beschwerden
ihrer Stadtviertel durch die Bürgermeister von der Gemeinde an den
Stadtrath und in ihrer Gegenwart wurde über ihr Vorbringen ver-
handelt und beschlossen. Da sie aber nicht eigentlich Glieder des Stadt-
rathes waren, so durften sie auch nicht am Rathstische sitzen; ihr Tisch
befand sich vielmehr etwas abseits.
Der älteste Vierer der Gemeinde, der katholische Bürger Joh.
Jacob Kuhn, der schon 1761 die Anwartschaft auf eine Rathsstelle
erhalten, bisher aber nicht in eine solche eingerückt war, meldete sich
bei einer Vacatur im Jahre 1765, sich berufend aus die Verdienste,
die er sich seit 2 Jahren als Rentmeister erworben hätte. Der Stadt-
rath, zum Berichte aufgefordert, gab ihm beim Churfürsten kein gutes
Zeugniß; er sei „unruhigen Kopfes und Gemüthes"; er habe bei ver-
sammeltem Stadtrathe, in Gegenwart der anderen drei Vierer: Hoff-
mann, Kirschbaum und Treiber, und der Bürgermeister von der Ge-
meinde: Lautenschläger und Ritter, den Tisch des „kleinen Raths"
einen Katzentisch geheißen, worauf seine Collegen im kleinen Rathe
erklärt hätten, sie könnten ihr Amt nicht mehr versehen; endlich habe
er in Gegenwart des Rathsherrn Altmann von Oggersheim sich über
den Stadtrath so ausgedrückt: „Seit die Chirurgen und Bader der
Donner in den Stadtrath geschlagen, sei kein Glück mehr; allerdings
brauche man diese Leute, da der Eine bei gelegenem Zufall verbin-

Jn Meißen Bester Treu, in Hoffnung nach verlangen
Wie ich devot gebitt die Charge zu empfangen
Stürmt Riesen der Olimp noch bin ich kleiner Zwerg
An groß ein Philosoph, Aufseher von dem Berg
Ewer churfürstlichen Durchlaucht
Heydelberg, den 28. Julp 1764.
Aller unterthänigst Trew
gehorsamster Knecht
Joh. Mart. Schweinfurth.
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