Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg: eine Vierteljahresschr — 1.1868

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denen Jesuitenfond diesseitiger Pfalz unterstützen, „damit die Uni-
versität gerettet werde." Dessenungeachtet wurde das große Seminar
oder das Jesuitencolleg am Schlüsse des Jahrhunderts als Caserne
für das in Heidelberg liegende pfälzische Militär gewählt und
hergestellt. ")
19. lieber den schlechten Haushalt im Stadt walde kamen
mehrere Beschwerden zur Verhandlung. Vorerst machten die Beschwer-
deführer geltend, daß der Holzmangel groß, der Holzpreis uner-
schwinglich sei; Diejenigen, welche den Wald zu beaufsichtigen hätten,
beuteten ihn eigennützig aus; die Stadtvorstände selbst hätten sich
Holzbesoldungen") zugeeignet; wie diese Besoldungen entstanden
seien, wäre unbekannt. Zu allen Holzfällungen seien früher die
Bürgermeister und Vierer der Gemeinde zugezogen worden, jetzt exi-
ftire ein gegentheiliges Negierungsverbot. Eine systematische Befor-
stung sei deßhalb schon unmöglich, weil nicht einmal die Morgenzahl
der Waldungen bekannt ist. In den gesammten städtischen Waldungen,
welche zu Gaiberg und Rohrbach gehören, würden jährlich 600
Klafter Holz gehauen, ohne das Schälholz für die Gerber; damit
sollte man einen Holzvorrath sammeln, einen Preis festsetzen und
im Winter hergeben; so würde man nicht genöthigt, den Schiffern
zu bezahlen, was sie für ihr beigeführtes Holz verlangen. So sei
im Winter 1789/90 der Karch Holz auf 8—9 fl. gekommen, die ge-
ringsten Wellen 3—4 fl. das Hundert. Auch müßte der Viehtrieb
in dem Wald abgestellt werden. Viele Walddistricte seien in der
letzten Zeit ausgerottet, zu Ackerfeld rungeschaffen, und in Erbpacht
") Vgl. Wundt, Beschreibung von Heidelberg Seite 187.
Stadtdirector Sartorius von 1778—1788 jährlich 10 Klafter, Rentmeister
Miller 6 Klafter und 400 Wellen, Stadtforstmeister Arnold 8 Klafter nebst
Abholz. Die Erben des Sartorius und Miller mußten Ersatz leisten; Forstmei-
ster Arnold aber durfte seine 8 Klafter fortbeziehen, mit Ausnahme des Abholzes.
— Dem Holzlauerbeständer, Schuhmacher Lauf wurde Schuld gegeben, er habe
im Lauer eine Wirthschast, was zur Völlerei bei Schissern und Holzhändlern
führe und wodurch Unterschleise gefördert würden; da aber die Haltung einer
Wirthschast dem Lauf als Bürger nicht verboten werden konnte, so wurde die
Beschwerde einfach abgewiesen. Der Stadtrath machte dabei die Bemerkung, es
sei ganz gleich, ob der Schisser oder Holzhnndler im Lauer selbst oder im neben
daran liegenden „Horn" sich „einen Rausch trinke".
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