Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg: eine Vierteljahresschr — 1.1868

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Bescheid auf diese Beschwerden lautete: aä 1. Den Herren von Ober-
camp, Schieß, und Heym wird der Weinhandel untersagt, was er
auch für einen Namen habe. Da Zitronen keine Spezereien seien,
so wurde die Klage gegen Bader verworfen. Dem Busjaeger und
Mölleret wurde aufgegeben, binnen Jahresfrist ihre Wohnung und
ihr Waarenlager in Heidelberg aufzuschlagen. Bezüglich des Punktes
2 wird die Beschwerde abgewiesen. Zu 3 dem Penner wird sein
Handel untersagt; sonst wird die Klage gegen die Wachsfabrik abge-
wiesen. 4. Das Hausiren der Christen und Juden ist verboten. 5.
Die Klage der Rothgerber wird verworfen. 6. Auf Verminderung
der Judenfamilien ist Bedacht zu nehmen.
An diese Beschwerde wegen Beeinträchtigung der bürgerlichen
Gewerbe schloß sich die gegen die sogenannten Pfaffenkeller an.
Durch das Universitätsstatut vom 2. Dezember 1588 ward bestimmt:
„letzlich ihnen und einem jeden Professoren kraft angezogenen Privi-
leg« zuzulassen, jährlichs zwei) Fuder Weius ohne Geld nuszuschan-
ken"; durch die Statuten vom 14. Oetober 1786 wurde dieses Pri-
vilegium bestätigt: 18. Wir belassen es bei der jedem pvotos-
80i1 oi-äiuuvio zustehenden Befugniß eines sogenannten Pfaffen-
schnnks, das ist, zwischen Ostern und Pfingsten zwei Fuder Wein
ohne Abgab verzapfen zu mögen, worüber der Universität iu corpore
aber ein unbeschränktes Recht zukommt, und diese Befugniß kann
auch an andere abgegeben werden." — Die Beschwerde weiß nichts
von letzterer Bestimmung; sie gibt vor: die Pfaffenkeller würden au
Bürger verkauft, das sei verboten. Das ganze Institut sei eine Be-
nachteiligung der Wirthszunft, da „viele Weingäste dieses oder je-
nes Wirthes sich verlieren". Zudem seien diese Keller die Pflanz-
schuleu für die beständigen und eigentlichen Wirthe, durch deren
Vermehrung die jetzt schon Vorhandenen benachteiligt werden. Es
würden von diesen Kellern Weine verkauft, „die kaum dieses Namens
würdig sind". Wenn sie aber nicht an Andre übertragen werden
1699 vorschrieben; ferner war am 20. Februar 1745 verordnet worden, daß der
in 9 Personen bestehenden Judenschaft der Landesschutz bestätigt und ein Schutz-
brief auSgefertigt sei, dagegen ist denen, die keine Schutzbriefe und kein Vermö-
gen haben, das Schutzgeld zu zahlen, der Aufenthalt gekündigt und die Zahl der
Judenfamilien nicht über 3 zu erhöhen.
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