Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg: eine Vierteljahresschr — 1.1868

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geselschafft des Esels eynThurnir gehalten und wie sölichs
uff genleltern Thurnir gehalten worden ich volgt alles in geschafften
hernach.

^) Ueber diese Gesellschaft theilt Geh. Hofrath Or. Vähr in Heidelberg in
den Schriften der Alterthums- uild Geschichtsvereine zu Baden und Donau-
eschingen. 3 Jahrgang. II. Bandes 1. Heft. Carlsruhe 1848, Folgendes mit: Im
Sommer 1843 wurde zu Waldhilsbach bei Heidelberg ein kleiner, aus reinem Gold
gearbeiteter Esel gesunden, an dem ein Ring angebracht war, aus dem man sah,
daß das Ganze als Decoration getragen worden war. Am Ringe steht die In-
schrift: 8. X. Er, (lau. 1612. d. h. 8ooiota8 Xodilium 6raiell§au oder Adelige
(Ritter- und Turnier-) Gesellschaft des Esels, welche im Craichgau ihren Sitz hatte.
Der Eigenthümer dieser Decoration hat sie erst 1612, dem Jahre der Wahl und
Krönung des Kaisers Matthias in Frankfurt machen lassen. Ueber die Ent-
stehung dieser, sowie anderer Gesellschaften bemerkt Bähr: Bei den Wirren der
deutschen Zustände in der Zeit nach den Hohenstaufen verbairden sich Städte, wie
Fürsten und Ritter zu Gesellschaften zur Erhaltung des Landfriedens und zum
Schlitz ihrer Mitglieder; sie übten sich irr Ritter- und Turnierspielen auf den ernst-
lichen Kampf ein und es entstand unter den einzelnen Gesellschaften ein edler
Wettstreit. Wie jeder Ritter, so hatte jede Gesellschaft ihr Abzeichen, welches der
Gesellschaft den Namen gab. Diese Verbindungen gaben zu der später in die
einzelnen Kreise getheilten Reichsritterschaft die Veranlassung; aus ihnen ging,
zuerst in Schwaben und Franken, dann auch am Rhein (1496) die Reichsritterschaft
der 3 Kreise (schwäbischen, fränkischen und rheinischen) hervor, und es ward damit
der Grund zu einem ritterschaftlichen Staatskörper im deutschen Reiche gelegt, der
bis zum Untergang des Reiches sortdauerte. Gegenseitiger Schutz und Wahrung
gemeinsamer Rechte waren demnach der Zweck dieser adeligen Vereinigungen, die
auch in der Kreiseintheilung noch fortbestnnden. Die Gesellschaften fanden sich bei
den Turnieren und Waffenspielen ein in vollem Glanz der Rüstung und mit den
alten Abzeichen versehen, pflegten auch zu solchen ritterlichen Spielen sich gegen-
seitig einzuladen in feierlicher, herkömmlicher Weise. Die Ritterschaft des schwäbi-
schen Kreises hatte 4 Abtheilungen: die vom Hegau, vom Kocher, von der Donau
und von: Neckar; 1545 kam dazu der Canton Craichgau, der bis dahin zum
rheinischen Kreis gehörte. — Es gab zwei Gesellschaften zum Esel: in Franken
„die Gesellschaft im obern Esel"; im Craichgau ,,im undern Esel." Letztere war
eine der bedeutendsten und angesehensten. Den Esel hatte sich die Gesellschaft
wohl gewählt im Hiilblick auf seine symbolische Bedeutung: Arbeitsamkeit, Häus-
lichkeit, Gottesfurcht. Mit ihrem Abzeichen erschien die Gesellschaft bei den Turnieren.
1482 und 1485 gab sie glänzende Turniere in Heidelberg; wir besitzen noch die
damals voll dieser Gesellschaft erlassene Tlirilierordilung in Lünig: deutsches Reichs-
archiv XII. S. 2 ff. — Die andern Gesellschaften hatten andere Namen, wie „im
Einhorn, im Wind u, s. w." siehe oben.
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