Alembert, Jean Le Rond d' ; Weissegger von Weissenegg, Johann Maria [Übers.]
Des Herrn von Alemberts Anfangsgründe der Philosophie (Band 1) — Wien, 1787

Seite: 75
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se Ungleichheit nur bloß in den Seelen sich befin-
de , oder einzig nur von der Disposition des Kör-
pers , der Erziehung, der Umstande, und der
Gesellschaft abhange? Wie diese unterschiedenen
Objekte so verschieden ans die Seelen einwirken
können, die doch sonst ganz gleich waren; oder
wie einfache Substanzen ihrer Natur nach un-
gleich fein können? Wie die Thiere mit uns glei-
chen Organen, mit ähnlichen, und oft lebhafrern
Sensationen doch nur auf diese Sensationen allein
eingeschrenkec sind, ohne daraus so wie wir,
eine Menge abftrackter, und refiektirter Ideen,
die metaphysischen Nationen, Sprachen, Gese-
tze, Wissenschaften, und Künste zu ziehen? End-
lich wie weit die Reflsriou die Thiere führen kön-
ne, und warum sie nicht weiter können geführt
werden ? Die angebornen Ideen sind zwar eine
durch die Erfahrung verworfne Schimäre; allein
die Art, wie wir Sensationen, und reflcckcirte
Ideen erhalten, ist nicht weniger unbegreiflich,
ob sie gleich die nämliche Erfahrung bestatriget.
Der höchste Verstand har über alle diese Gegen-
stände einen Schleier vor unser schwaches Gesicht
gezogen, den wir aufzureisscn uns umsonst be-
streben werden. Es ist zwar ein trauriges Loos
für unfern Vorwitz, und unsre Eigenliebe, al-
lein es ist das Loos der Menschheit. Wir müs,
sen
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