Alembert, Jean Le Rond d' ; Weissegger von Weissenegg, Johann Maria [Übers.]
Des Herrn von Alemberts Anfangsgründe der Philosophie (Band 1) — Wien, 1787

Seite: 107
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/alembert1787bd1/0111
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile

107
alle andern in uns zu erhalten, und zu befestigen.
Sie ist diejenige, welche niederträchtige Men-
schen am wenigsten kennen, diejenige, auf die
sie am wenigsten glauben, diejenige endlich, wel-
che sie scheuen, und am meisten bei denen has-
sen, welchen sie diese zugestcben müssen.
Wenn wir die Gesetze, und die Grenzen
des Opfers, das wir andern schuldig sind, an-
Heben, und bestimmen wollen, so haben wir
zwei Arten des Nothwendigen, nämlich das ab-
solute und relative zu unterscheiden. Das Ab-
solute wird nach den unumgänglichen Bedürf-
nissen des sebens; das Relative nach der sage,
und den Umständen abgemessen. Es ist daher
das relativ Nothwendige nicht für alle Menschen
"gleich; selbst das Absolute ist es nicht; das Al-
ter hat mehr Bedürfniße als die Jugend, der
Ehestand mehr als der Colibat, die Schwäch-
lichkeit mehr als die Stärke, die Krankheit mehr
sls die Gesundheil.
Der Moral kömmt es zu , stch auf die Be-
stimmung der Grenzen des absolut und relativ
Nothwendigen zu verwenden. Hier ist es ganz nud
gar nicht darum zu thun die Gebote, oder auch nur
die guten Rache der Religion zu Hilfe zu neh-
" men:
loading ...