Alembert, Jean Le Rond d' ; Weissegger von Weissenegg, Johann Maria [Übers.]
Des Herrn von Alemberts Anfangsgründe der Philosophie (Band 1) — Wien, 1787

Seite: 118
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set werden soll. Die Moral der Gesetzgeber
theilet sich in zwei Aeste: in den , was jede Re-
gierungsform , von welcher Art sie sein mag,
jedem ihrer Mitglieder schuldig ist; und in den,
was jede besondere Regierungsform ihren Un-
tergebnen schuldig ist.

Erhaltung und Ruhe sind es; was jede
Regicrungsform ihren Untergebnen fammt, und
sonders schuldig ist. Doch nur durch die Ge-
setze entspricht jede Regierungsform diesen zweesi
Punkten. Das erste Prinzipium in der Moral
der Gesetzgeber ist demnach, daß nur diejenige
eine gute Regierungsform heissen könne, in
welcher alle Bürger mittelst der Gesetze gleichen
Schutz geniessen, und gleiche Verbindlichkeiten
auf sich haben. Denn nur da haben sie ein
gleiches Interesse sich wechselseitig zu vercheidi-
gen, und einander hochzufchatzen; und in die-
sem Verstände kann man alle einander gleich
halten, nicht zwar nach einer metavhysischen
Gleichheit, welche die Güter, die Ehrenstellen,
und die Stande untereinander mischt, sondern
nach einer Gleichheit, die zu ihrem Wohlsein
vorrheilhafrer ist, und die man die moralische
Gleichheit nennen kann. Die metaphysische
Gleichheit ist eine Schimäre, die niemals der
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