Alembert, Jean Le Rond d' ; Weissegger von Weissenegg, Johann Maria [Übers.]
Des Herrn von Alemberts Anfangsgründe der Philosophie (Band 1) — Wien, 1787

Seite: 126
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Wenn nun aber die Ehren nur dem Ver-
dienste zukommen sollen, so dürfen sie auch nicht
der sohn des Glückes sein; sie dürfen also nicht
käuflich werden. Dies wäre nach dem Aus-
drucke des Plato beinahe eben so viel, als wenn
man jemanden für sein Geld zum Feldherrn,
oder Steuermann machen wollte. Diejenigen,
welche diese Käuflichkeit am besten vertheidig-
ten, gaben vor, daß in despotischen Staaten,
in welchen der durch seine Höflinge beherrschte
Fürst Gefahr läuft eine üble Wahl zu rrefen,
der Zufall geschicktere Subjeckce herbeischaffen
werde als die Wahl des Fürsten selbst; und
daß die Hoffnung sich durch die Reichthümer
emporzuschwingen den Fleiß unterhalten werde;
das beißt also um recht eigentlich zu reden, die
Käuflichkeit der Ehren habe nur in einem Staa-
te Platz, worinn der Grund schlecht, und das
Oberhaupt unwürdig ist Oberhaupt zu sein.
Bisher haben wir nur von blos morali-
schen Prinzipien geredet, durch welche die Ge,
setzgeber geleitet, und aufgeklärt werden sollen.
Die Religion ergänzet die Gesetze durch ihre
Gebote, ihre guten Ratbstbläge, ihre Beloh,
nungen, und Strafen; allein wie, und bis auf
welchen Punkt soll sie in diese einscblagen?
..Dar-
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