Alembert, Jean Le Rond d' ; Weissegger von Weissenegg, Johann Maria [Übers.]
Des Herrn von Alemberts Anfangsgründe der Philosophie (Band 1) — Wien, 1787

Seite: 127
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Daraus ergeben sich mehrere wichtige Fragen,
die wesentlich zur gesetzgebenden Moral gehö-
ren : ist es nicht nothwendig, daß man die bür-
gerlichen Gesetze von denen der Religion ab-
söndere ? Daß sie miteinander weder in Anse-
hung der Verbindlichkeiten , noch auch der Stra-
fen etwas gemein haben? Daß die Religion
keinen Einfluß auf die bürgerlichen Wirkungen,
noch diese auf die Religion haben ? Würde
nicht aus dem Unterschiede der Gesetze der un-
trügliche Erfolg , die Toleranz sich ergeben ,
welche alle Arcen das höchste Wesen zu vereh-
ren gestattet? Soll man endlich in den Anfangs-
gründen der gesetzgebenden Moral nickt den
Geist der Sanftmuth und Mässigung in Be-
tracht was immer für eines Gottesdienstes ein-
fübren? Diese letzte Frage laßt sich sehr leicht
c> csckeioen. Wirklich giebt es keine Nation ,
die bei der unzähligen Menge von Religionen,
welche den Erdball bedecken, nicht wähnte, sie
allem befasse die wahre; es würden demnach
die Anfangsgründe der Moral, welche das ganze
All umfassen sollen, vergeblich die Vorzüge ei-
ner Religion vor der andern bestimmen ; sie
würden dadurch bei keinem einzigen Volke eine
Veränderung der ihrigen veranlassen; sie müs-
sen sich demnach begnügen den Menschen zu rä-
chen
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