Alembert, Jean Le Rond d' ; Weissegger von Weissenegg, Johann Maria [Übers.]
Des Herrn von Alemberts Anfangsgründe der Philosophie (Band 1) — Wien, 1787

Seite: 148
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Wenn man den Menschen einzig nur auf
die Kenntnisse des schlechterdings Nothwendigen
einschränkt, so wird die Laufbahn seines Stu,
direns nicht lang sein. Die Natur macht ihn
frühzeitig mit seinen Bedürfnissen bekannt, und
bietet ihm durch ihre verschiedenen Erzeugnisse
die Mittel zu ihrer Befriedigung dar. Durch
eben diese Natur lernet er, wenn er sie gelassen
anhört, seine votlkommnen Pflichten gegen andre-
Dies ist genug zur Bildung einer Gesellschaft
von Wilden. Man könnte hier fragen, welche
wirkliche Vortheile ein polizirter Staat über eine
dergleichen Gesellschaft haben könne. Diese Frage
beruhet auf der Entscheidung , ob di?Erziehung,
die sowol unsre Kenntnisse, als Bedürfnisse er-
weitert , für uns mehr Vortheilhaft als schädlich
sei; ob es uns zuträglicher sei, unsre selbst ge-
machten Vergnügen zu vermehren, und uns folg,
lich Bedürfnisse vorzubereiten, als uns mit den
einfachen, und stats sichern Vergnügen zu be-
gnügen , die uns die Natur darbietet. Da wir
diese Fragen aufwerfen, haben wir nicht die
Absicht in jemanden eine Sehnsucht nach dem
Stande der Wildheit zu erregen; die Wahrheit
nur allein zwingt uns das Gestandniß ab, daß
wenn wir die Erkenntniß der Religion beiseite
setzen, es uns scheinet, man habe die kleine An,
zahl
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